Markus Eisenbichler vor Springen in Innsbruck: „Ich habe eine geile Form“

Tournee-Zweiter Markus Eisenbichler : „Ich habe eine geile Form“

Dank Markus Eisenbichler ist der erste Tournee-Titel so nah wie zuletzt vor 17 Jahren. Die deutsche Halbzeitbilanz fällt dennoch durchwachsen aus.

Markus Eisenbichler tankte beim Asiaten um die Ecke für das große Duell mit Ryoyu Kobayashi auf. Mit allen Teamkollegen ging der deutsche Bilanzretter am Ruhetag der Vierschanzentournee gemütlich essen, zuvor hatte er ausgiebig die Beine hochgelegt. Schließlich warten die wichtigsten Tage seiner Karriere auf den Urbayern. "Ich bin in einer Verfassung, in der ich auch gewinnen kann. Ich habe eine geile Form", sagte Eisenbichler voller Zuversicht.

Der erste deutsche Tournee-Triumph ist tatsächlich so nah wie seit 17 Jahren nicht mehr. Umgerechnet nur 1,27 Meter liegt Eisenbichler nach seinen zwei zweiten Plätzen hinter Doppelsieger Kobayashi. Zwar springt der Japaner derzeit in "Überform", wie Werner Schuster befand, entschieden ist aber noch lange nichts. "Es ist Halbzeit. Und wenn man beim Fußball zur Halbzeit 1:0 führt, hat man noch lange nicht gewonnen", sagte der Bundestrainer.

Auch Eisenbichler weiß um seine historische Chance, in die Fußstapfen des letzten deutschen Siegers Sven Hannawald (2001/2002) zu treten. "Ich kann nur hoffen, dass Ryoyu einen Fehler macht. Oder, noch besser, ich einfach weiter springe als er", sagte der 27-Jährige. Alles deutet derzeit auf einen Krimi hin: In der Gesamtwertung liegt der Deutsche mit 546,6 Punkten denkbar knapp hinter Kobayashi (548,9), aber recht komfortabel vor dem Dritten Dawid Kubacki aus Polen (526,0).

Die erste Gelegenheit zur Aufholjagd bietet sich schon in Innsbruck, wo am Donnerstag (14.00 Uhr/ARD und Eurosport) die Qualifikation für das legendäre Bergiselspringen ansteht. "Ich weiß, dass ich dort extrem gut springen kann. Wir hatten dort mehrere Einheiten im Sommer, die waren immer traumhaft", sagte Eisenbichler. Im Vorjahr wurde er dort trotz Föhn und Formschwäche immerhin Achter.

Zu viele Gedanken an den ersehnten Goldadler, der bei der Pressekonferenz in Garmisch schon deutlich weniger als die 1,27 Meter entfernt auf einem Podest stand, wollte der WM-Dritte aber nicht verschwenden. "Ich schaue nicht auf die Gesamtwertung. Am Ende rechnet es der Computer aus, ich kann da nicht viel beeinflussen", sagte Eisenbichler. Auch Coach Schuster hält zu viel Grübelei vor der zweiten Tournee-Hälfte für sinnlos. "Ich glaube nicht, dass die Vorentscheidung in Innsbruck fallen wird", sagte er.

Rundum glücklich war Schuster indes nicht. Denn von seinen vier, fünf Hoffnungsträgern zu Tournee-Beginn ist außer Eisenbichler niemand übrig geblieben. Vor allem Olympiasieger Andreas Wellinger und Ex-Weltmeister Severin Freund enttäuschten völlig, beide schieden zweimal nach dem ersten Durchgang aus. "Natürlich gibt es auch Schattenseiten", sagte der Österreicher selbstkritisch: "Die namhaften Springer kommen nach wie vor nicht in die Gänge. Für Andi ist es ein fürchterliches Ergebnis." Immerhin: Anders als Freund blieb Wellinger im auf sieben Namen reduzierten Tournee-Team.

Weil zudem Richard Freitag, immerhin Innsbruck-Triumphator von 2015, und auch Engelberg-Sieger Karl Geiger sowie der Wisla-Zweite Stephan Leyhe für den ganz großen Wurf derzeit die Qualität fehlt, wird Eisenbichler zum Einzelkämpfer. Insgesamt, betonte Schuster indes vehement, sei Deutschland dennoch die "am breitesten aufgestellte Nation der Welt". Stolze Skisprungländer wie Österreich oder Slowenien hätten derzeit weit größere Probleme.

Über allem stand so oder so Eisenbichler. Der Siegsdorfer kann Schuster schon am Sonntag den letzten noch fehlenden großen Titel seiner Trainerkarriere bescheren. "Das Rennen wird sehr, sehr eng", sagte Schuster, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft: "Wir werden alles dafür tun, dass Markus den Druck auf Kobayashi aufrechterhält."

(sef/sid)
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