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Skispringen 2021/22: Neue Chancen und ein Neujahrsspringen für Skispringerinnen

Neujahrsspringen und mehr Chancen : So starten die Skispringerinnen in eine Saison mit neuen Möglichkeiten

Ein neues Turnier, gemeinsame Weltcups mit den Herren, mehr Springen von der Großschanze – die Skispringerinnen starten im russischen Nischni Tagil in eine Saison, die ihnen mehr Aufmerksamkeit und Schanzen-Gleichheit bringen soll.

Für die deutschen Skispringerinnen startet mit der neuen Saison auch eine neue Ära. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Es ist das Jahr eins nach der Zeit unter Bundestrainer Andreas Bauer. Der ehemalige Skispringer Maximilian Mechler hat das Frauen-Team um Katharina Althaus und Carina Vogt als Trainer übernommen. Erstmals gibt es ein Turnier an Silvester und Neujahr, das wie die Vierschanzentournee der Männer im K.o.-System ausgesprungen wird.

Und auch die Hoffnungen auf mehr Aufmerksamkeit für die Sportart sind groß. Denn so oft wie nie zuvor tragen die Skispringerinnen ihre Weltcups 2021/22 gemeinsam mit den Herren aus: In Klingenthal, Willingen, Lillehammer und Oslo finden die Wettbewerbe an den gleichen Wochenenden statt. In Willingen und Oslo wird es auch jeweils einen Mixed-Wettbewerb geben.

Das Frauen-Skispringen erhofft sich davon deutlich mehr Zuschauer an den Schanzen als bisher. Auch die generelle Aufmerksamkeit für die Skispringerinnen soll damit erhöht werden. „Im Biathlon hat das gut funktioniert. So kann es auch im Skispringen werden“, sagte Horst Hüttel, Teammanager der Skispringerinnen und Skispringer beim Deutschen Skiverband, unserer Redaktion. „Die Fis ist mit dieser Neuerung auf dem richtigen Weg für die Frauen“, sagte Hüttel weiter. Viel wichtiger als das Skifliegen für Frauen einzuführen, sei es aus seiner Sicht, sie „beim Herren-Skispringen anzudocken“.

Auch das Skifliegen müsse irgendwann für die Springerinnen kommen, betont Hüttel, aber erstmal freut er sich darüber, dass der Sport so attraktiver wird. „Für die Skispringerinnen ist das sehr positiv, weil sie sich durch die gemeinsamen Weltcups weiterentwickeln können. Sie haben sich das in den vergangenen Jahren mit ihrer akribischen Arbeit und ihren Erfolgen verdient. Die Frauen stehen den Herren in Sachen Einsatz in nichts nach“, sagte der Teammanager.

Die Männer wiederum würden sich über die gemeinsamen Weltcups ebenfalls freuen, weil das ganze Team öfter zusammenkomme und sich die ganze Sportart so weiterentwickle.

Doch die neuen Herausforderungen bringen auch neue sportliche Anforderungen mit sich. Die Frauen springen nun viel häufiger von der Großschanze. Das macht größere Weiten als von der Normalschanze möglich, führt aber auch dazu, dass Sprungtechnik und Muskulatur die größeren Kräfte abfangen müssen, die auf den Körper einwirken. Bereits unter Erfolgstrainer Bauer hat das DSV-Team das Training dahingehend verändert. Der 37-jährige Mechler setzt diesen Weg nun fort: „Wir legen sehr viel Wert auf die Athletik. Und wir müssen, weil wir mehr auf Großschanzen und auch gemeinsam mit den Männern springen, noch mehr Wert auf das Fliegerische legen“, sagte er dem Sportinformationsdienst.

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Im vergangenen Winter konnten die deutschen Frauen nicht mit der absoluten Weltspitze mithalten. 2020/21 reichte es zu keinem Podestplatz im Einzel. Katharina Althaus war mit soliden aber nicht überragenden Leistungen – wie zum Beispiel im Jahr zuvor – Neunte im Gesamtweltcup und damit beste Deutsche. Anna Rupprecht deutete an, wie gut sie sein kann und wurde am Ende Gesamt-17. Für Carina Vogt reichte es nach ihrem Comeback nach langer Verletzung immerhin noch zu Platz 32.

In der Olympia-Saison sind die Ziele höhere: Das DSV-Team will an die Erfolge aus den Jahren anknüpfen, als Vogt 2014 Olympiasiegerin wurde und Althaus 2019 Vize-Weltmeisterin. 14 Weltcup-Wochenenden sind in diese Saison geplant, plus Olympia. Also reichlich Chancen, die Weltspitze zu attackieren (Hier finden Sie den Terminkalender der Skispringerinnen). Das Training im Sommer verlief gut, die Form ist bei den deutschen Frauen da. Nun muss der erste Weltcup der Saison im russischen Nischni Tagil zeigen, wo sie im Vergleich zur Konkurrenz stehen. Scheuen müssen die DSV-Frauen diesen nicht, ist sich Hüttel sicher.

Der Vergleich mit den Herren wiederum bleibt aber auch 2021/22 ein Thema. Seit Jahren kämpfen Althaus und Vogt, allen voran aber die österreichische Altmeisterin Daniela Iraschko-Stolz für mehr „Schanzen-Gleichheit“ aber auch Chancen-Gleichheit. Heißt konkret: Mehr Wettbewerbe auf großen Schanzen und mit den Männern sowiePreisgelder, die sich mehr an denen der Herren orientieren. Ersteres hat sich mit der neuen Saison zumindest in Teilen verbessert. Es fehlt noch, dass das Skifliegen ebenfalls in den Weltcup-Kalender aufgenommen wird. Bisher müssen sich Frauen als Vorspringerinnen für die Herren-Weltcups melden, um von den großen Flugschanzen springen zu dürfen, die Flüge auf über 200 Meter möglich machen.

„Beim Thema Preisgeld kann ich den Wunsch verstehen. Aber das entscheidet nicht der Sport alleine, sondern auch der Markt. Bei mehr Aufmerksamkeit können die Weltcup-Organisatoren auch mehr Geld akquirieren und an die Athleten weitergeben. Mit Damen-Weltcups wird noch nicht so viel Geld verdient wie mit den Herren-Weltcups, da müssen wir verstehen, dass auch noch nicht so viel ausgezahlt werden kann“, sagte Hüttel.

Enttäuschter ist er davon, dass sich die Idee einer Vierschanzentournee für die Frauen immer noch nicht durchsetzen konnte. Das Silvester-Turnier in Slowenien sieht er daher auch etwas kritischer als manche Athletinnen, die sich über die zusätzliche Chance freuen. In Ljubno wird an Silvester und Neujahr analog zur Vierschanzentournee im K.o.-System gesprungen. Es gibt also direkte Duelle, die bessere Springerin kommt jeweils weiter, das sind dann nicht unbedingt auch die 30 mit den meisten Punkten, wie sonst im Weltcup üblich.

„Ich freue mich schon darauf, Silvester diesmal mit meinen Skisprung-Mädels zu feiern“, sagt die ehemalige WM-Zweite Althaus dem SID. Die Freude der Athletinnen versteht Hüttel gut, aber: „Die größere Aufmerksamkeit würden die Damen definitiv bekommen, wenn sie die Vierschanzentournee zusammen mit den Männern austragen würden“, sagte Hüttel. Es habe aus dem Haus des DSV eine Idee für eine Vierschanzentournee der Frauen gegeben, die im Rahmen der Tournee der Herren stattfindet. „Gescheitert ist es dann aber am Rückzug einiger Ausrichter, die erklärt haben, das Vorhaben organisatorisch erstmal nicht stemmen zu können“, erklärte Hüttel. Dafür habe er Verständnis, dennoch hofft er, dass sich für diese Probleme irgendwann eine Lösung finden lasse.

Bis dahin konzentrieren sich die Skispringerinnen auf andere Highlights in ihrer Saison. Neben dem neuen Turnier steht die Raw Air in Skandinavien an, die mit der Raw Air der Herren stattfindet und bei der es auch für beide Geschlechter das gleiche Preisgeld gibt. Außerdem ist die Blue-Bird-Tour in Russland zum Saisonabschluss eine weitere lukrative Chance auf einen Titel. Überstrahlt wird in diesem Jahr aber alles von Olympia. Auch da gibt es einen Fortschritt für die Frauen: Erstmals haben sie durch den neu eingeführten Mixed-Wettbewerb zwei Chancen auf Medaillen. Da gehören die Deutschen nach ihren Weltmeistertiteln im Mixed 2019 und 2021 zu den Favoriten.

Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Weltcup im Skispringen.

In unserem Skisprung-Telegramm halten wir Sie die Saison über auf dem Laufenden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der DSV-Kader der Skispringerinnen