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Nordische Ski-WM in Oberstdorf 2021: In diesen Disziplinen haben die Deutschen Chancen auf den Titel

Nordische Ski-WM in Oberstdorf : In diesen Disziplinen haben die Deutschen Chancen auf den Titel

Langläufer, Skispringer und Nordische Kombinierer kämpfen bis zum 7. März in Oberstdorf um WM-Medaillen. Die deutschen Athleten zählen bei der Heim-WM bei fast der Hälfte der Wettbewerbe zu den Favoriten. Aber wie gut sind die Chancen der Deutschen wirklich?

In 24 Wettkämpfen werden bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf im Allgäu in den kommenden Tagen die neuen Weltmeister gesucht, so viele, wie noch nie. Vor zwei und auch vor vier Jahren holten die deutschen Sportler sechs Mal Gold von der Schanze und in der Loipe - jeweils Rekord in der Geschichte des Deutschen Skiverbandes (DSV). Hinzu kamen 2019 drei silberne Medaillen. Besser waren nur die Norweger.

Ähnlich gut soll es auch bei der Heim-WM in Oberstdorf laufen. Doch erneut sechsmal Gold wäre eine Überraschung, da vor allem die Norweger in allen drei Disziplinen diesen Winter wieder herausragend sind. Einige deutsche Topathleten zeigten zuletzt schwankende Leistungen wie Skisprung-Weltmeister Markus Eisenbichler.

Wie gut stehen also die Chancen der deutschen Skispringer, Langläufer und Nordischen Kombinierer auf Gold, Silber und Bronze? Wer sind die übrigen Favoriten und in welchen Disziplinen werden überhaupt Medaillen vergeben? Wir geben eine Einschätzung für die drei nordischen Sportarten.

Welche Wettkämpfe stehen bei der Nordischen Ski-WM überhaupt an?

Die Langläufer eröffnen die WM sportlich mit den Sprints im Skating-Stil. Dabei laufen die Frauen und Herren zunächst in der Qualifikation jeweils für sich gegen die Uhr. Die besten 30 kommen in die Viertelfinals. In jedem Viertelfinale starten sechs Sportler. Die zwei Schnellsten ziehen jeweils ins Halbfinale ein. Auch dort schaffen es aus den fünf Rennen die beiden Ersten jedes Laufes ins Finale. Hinzu kommen die beiden zeitschnellsten Verlierer. Der Modus wiederholt sich fürs Finale, in dem dann sechs Langläufer um den Sieg kämpfen.

Zwölf der 24 WM-Titel werden im Langlauf vergeben. Frauen und Männer laufen im Skiathlon über die 30 und 50 Kilometer. Zudem gibt es die Einzel-Sprints, den Massenstart, Staffeln und Team-Sprints sowie das Zehn-Kilometer-Rennen der Frauen im klassischen Stil und das der Männer über 15 Kilometer.  

Bei den Skispringerinnen gibt es bei dieser WM einen neuen Wettkampf. Erstmals dürfen auch die Frauen von der Großschanze um den Titel kämpfen, nachdem 2019 bereits der Teamwettbewerb bei den Frauen neu eingeführt wurde eine weitere Medaillenchance für die Skispringerinnen. Außerdem springen sie ihre Weltmeisterin auf der Normalschanze in Oberstdorf aus und treten im Mixed-Wettbewerb gemeinsam mit den Männern an und wollen dort den Weltmeistertitel verteidigen. Die Herren um die Weltmeister Markus Eisenbichler und Dawid Kubacki aus Polen springen außerdem von der Normalschanze sowie von der Großschanze und im Team um die WM-Titel.

Die Nordischen Kombinierer haben in vier Wettbewerben die Chance auf Gold: zwei Mal im Einzelwettkampf über die Laufdistanz von zehn Kilometern (einmal nach Sprüngen von der Großschanze, einmal von der Normalschanze) und in den Teamsprints über 2x7,5 und 4x5 Kilometer. Zudem feiern die Frauen in der Nordischen Kombinatione mit einem Einzelwettbewerb ihre WM-Premiere.

Hier finden Sie den Zeitplan der WM im Überblick>>>

Welche Athleten haben aus deutscher Sicht die Chance auf WM-Medaillen?

Bei den Skispringern setzt Stefan Horngacher bei seiner ersten Nordischen Ski-WM als deutscher Bundestrainer auf Weltmeister Eisenbichler, Vizeweltmeister Karl Geiger sowie Pius Paschke, Olympiasieger Severin Freund, Martin Hamann und Constantin Schmid. Olympiasieger Andreas Wellinger und Teamweltmeister Richard Freitag müssen wegen ihrer anhaltenden Formkrise zu Hause bleiben. Skiflugweltmeister und Lokalmatador Geiger gehört ebenso zu den Medaillenfavoriten wie Eisenbichler. Auch wenn beide nach einem starken Saisonstart und einer guten Vierschanzentournee zuletzt in ihren Leistungen schwankten. Klare Titelfavoriten sind sie nicht, aber Podestplätze und auch der Sieg sind auf der Heimschanze durchaus drin, wenn sie wieder zu ihrer alten Stärke finden. Auf der Schanze in Oberstdorf machten beide DSV-Adler zuletzt gute Erfahrungen. Geiger gewann dort den Auftakt der Vierschanzentournee 2020/21.

Im Teamspringen sowie im Mixed-Wettbewerb ist Deutschland ebenfalls Titelverteidiger. Auch hier wird es schwer, erneut vor den geschlossen starken Norwegern und Polen zu bleiben. Aber eine Medaille muss jeweils das Ziel sein. Das gilt auch für das Teamspringen der Frauen. Allerdings kehrte Carina Vogt gerade erst von ihrer schweren Knieverletzung zurück und Katharina Althaus und die übrigen Springerinnen konnten in diesem Winter das Podest noch nicht erreichen. Eine Medaille bei den Frauen ist nicht unmöglich, wäre aber in diesem Jahr eine Überraschung.

Die deutschen Langläufer müssen hoffen, in den Sprints bis ins Finale zu kommen. Die Oberstdorferin Katharian Hennig hat im Massenstart ihre Stärken und kam dort bei der sechsten Etappe der Tour de Ski in diesem Winter auf Platz zwei. Sie hat auch bei der WM eine kleine Chance auf eine Medaille. Auch in den Staffeln hat das Team von Bundestrainer Peter Schlickenrieder zumindest eine minimale Chance auf eine Medaille.

Anders sieht es da beiden Nordischen Kombinierern aus. Sie dominierten über Jahre die Weltspitze. In den vergangenen Wintern mussten sie sich aber oft dem Norweger Jarl Magnus Riiber geschlagen geben und mit den Rängen dahinter begnügen. Vinzenz Geiger gelang es in dieser Weltcupsaison aber schon, den norwegischen Dominator zu bezwingen. Bei seiner ersten WM, ausgerechnet in seiner Heimat Oberstdorf, will er das auch beim Kampf um den Weltmeistertitel schaffen und hat durchaus Chancen auf Gold im Einzel. Die Team-Weltmeister Eric Frenzel und Fabian Rießle sowie Olympiasieger Johannes Rydzek, ebenfalls Oberstdorfer, gehören erneut zu den Titelkandidaten. Im Team muss Gold das Ziel sein.

Hier finden Sie alle deutschen Starter in der Übersicht>>>

Wer sind die Topfavoriten aus den anderen Nationen?

Vierschanzentournee-Sieger Kamil Stoch ist in dieser Saison erneut top, zeigte zuletzt aber wie die deutschen Medaillenkandidaten auch schwächere Sprünge. Sein Teamkollege Dawid Kubacki ist Titelverteidiger von der Normalschanze und auch in Oberstdorf Favorit – genauso wie sein Teamkollege Piotr Zyla. Den Weltcup dominiert in diesem Winter allerdings der Norweger Halvor Egner Granerud. Er ist der klare Favorit auf WM-Gold. Der Japaner Ryoyu Kobayashi zeigte sich nach langer Durststrecke pünktlich vor der WM wieder in besserer Form. Auch der Österreicher Stefan Kraft gehört zum Kreis der Medaillenkandidaten. Anze Lanisek könnte für Slowenien eine Medaille holen.

Die Norweger um Granerud und Robert Johannson sowie die Polen sind im Team die ärgsten Konkurrenten der Deutschen.

Auch in der Nordischen Kombination gibt es einen klaren Favoriten: den 23-jährigen Riiber. Der Norweger springt und läuft der Konkurrenz auch in dieser Saison regelmäßig davon. Der erfahrene Japaner Akito Watabe überzeugte in dieser Saison ebenfalls.

Im Langlauf dominieren bei den Herren die Läufer des russischen Verbandes um Alexander Bolschunow. Er war bisher nur im Sprint von der Konkurrenz zu schlagen und die kam meist aus dem eigenen Lager. Allerdings ließ Weltmeister Johannes Kläbo zahlreiche Rennen im Weltcup aus und will bei der WM seine drei Titel verteidigen.

Die Dreifach-Weltmeisterin von Seefeld, Therese Johaug, ist bei den Frauen nicht mehr das alleinige Maß der Dinge. Die Norwegerin zählt dennoch auch in Oberstdorf zu den Favoritinnen. Auch sie ließ aufgrund der Pandemie zahlreiche Weltcups aus und konzentrierte sich auf die WM. Die US-Amerikanerin Jessica Diggins führt derweil den Weltcup an. Zu den Favoritinnen gehört aber auch Julia Stupak, die für den russischen Verband startet.

Bei den Skispringerinnen geht Sloweniens Nika Kriznar als Weltcupführende in die WM und ist neben Sara Takanashi aus Japan und Silje Opseth aus Norwegen Top-Favoritin in Oberstdorf. Die Österreicherin Marita Kramer ist ebenfalls stark im Weltcup. Altmeisterin Daniela Iraschko-Stolz will auch ein Wort mitreden, wenn es erstmals um den Titel von der Großschanze geht. Und auch die Norwegerin Maren Lundby sollte man nicht unterschätzen, auch wenn die Titelverteidigerin in diesem Winter bisher nicht ganz so stark war wie in den Vorjahren.

Hier finden Sie die wichtigsten Informationen zur WM.

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Hier geht es zur Bilderstrecke: Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: die deutschen Teilnehmer