Mutig oder riskant? Althaus und Co. dürfen endlich fliegen

Köln/Vikersund · Zeitenwende im Skispringen: Am Samstag dürfen Katharina Althaus und Co. erstmals offiziell auf einer Flugschanze starten. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

Katharina Althaus gewann am Mittwoch das Springen in Lillehammer.

Katharina Althaus gewann am Mittwoch das Springen in Lillehammer.

Foto: AP/Geir Olsen

Angst spürt Katharina Althaus keine. Warum auch? „Ich weiß, dass mein Flugsystem sicher ist“, sagt die Oberstdorferin, die am Samstag eine Zeitenwende im Skispringen einläutet. Als Teil eines elitären Kreises startet die Rekordweltmeisterin auf dem „Monsterbakken“ im norwegischen Vikersund erstmals ganz offiziell von einer Flugschanze. Weiten von 200, ja sogar 220 Metern sind möglich, doch zwischen all der Vorfreude gibt es auch kritische Stimmen.

„Solange sicher geflogen und ohne Sturz gelandet wird, ist alles wunderbar“, sagt etwa Toni Innauer. Nach Ansicht des früheren Weltmeisters werde aber „das Sturzgeschehen systematisch ausgeblendet“. Heißt: Da Frauen beim Skifliegen mit wesentlich höheren Anlaufgeschwindigkeiten als die Männer unterwegs sind, würden diese bei einem Sturz „sowohl mit höherer Energie als auch mit anderen körperlichen Voraussetzungen“ aufprallen. Die Folgen? Ungewiss.

Wohl auch deshalb lässt der Weltverband FIS nur die 15 besten Springerinnen der Raw Air auf der größten Schanze der Welt zu und agiert äußert vorsichtig - das für Freitag geplante erste Training wurde wegen der schwierigen Windverhältnisse abgesagt. Althaus und Co. betreten also Neuland, wenn sie am Samstag in Vikersund erstmals für den Wettkampf am Sonntag (jeweils 10.00 Uhr) trainieren - und gleich um den ersten Weltrekord wetteifern.

Althaus, die in ihrer Heimat Oberstdorf eine von weltweit nur vier Flugschanzen direkt vor der Haustür hat, kann es dennoch kaum erwarten. „Das Größte, was du als Springer machen kannst, ist skifliegen. Jetzt sind wir endlich so weit“, sagt die 26-Jährige. 2003 war die Österreicherin Daniela Iraschko-Stolz einmal als Vorspringerin in Bad Mitterndorf auf 200 Meter gesegelt. Die FIS war nicht begeistert.

Nun aber hat der Verband seinen Segen gegeben. Auch wenn der Wettkampf nicht zum Weltcup zählt, stehen Althaus und Co. im Fokus. „Es werden natürlich alle Augen darauf gerichtet sein, wie die Mädels da runterkommen, weil es ja doch noch viele Stimmen dagegen gibt“, sagte die Dreifach-Weltmeisterin von Planica im Podcast Ski Happens. Ziel sei es, künftig auch auf anderen Anlagen eine Chance zu bekommen.

Porträt: Das ist Skispringerin Katharina Schmid, geborene Althaus - Weltmeisterin, Olympia, Skifliegen
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Unbestritten ist, dass Vikersund die weltweit sicherste Flugschanze und daher geeignet für die Premiere ist. „Willingen hat gezeigt, dass weite Flüge ohne Probleme möglich sind“, sagt Althaus, die Anfang Februar in Hessen auf 149,5 Meter gesegelt war: „Aber klar: Wenn eine sagt, das traue ich mir nicht zu, dann wird die auch aussteigen.“ Die Österreicherin Julia Mühlbacher hat bereits freiwillig verzichtet, die deutsche Teamweltmeisterin Anna Rupprecht zögert noch.

Ebenfalls in Willingen stürzte aber auch Jenny Rautionaho und klagte anschließend über Schwierigkeiten beim Atmen. „Ein Verletzungsmuster, an das ich mich im Männerspringen über Jahrzehnte nicht erinnern kann“, sagt Innauer, der seine Bedenken sogar schon in einem Brief an die FIS äußerte. Dennoch endet nun das Flugverbot. Für Spannung ist gesorgt.

(SID/loy)
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