Skispringen: Werner Schuster ist der Weltmeister-Macher

Deutschlands scheidender Skisprung-Trainer : Schuster ist der Weltmeister-Macher

Werner Schuster hat die deutschen Skispringer zurück in die Weltspitze geführt – mit der richtigen Mischung aus Teamwork und Individualität. Das Team hat inzwischen nicht nur einen Vorzeigespringer, sondern gleich eine ganze Hand voll.

Fünf olympische Medaillen, vier Weltmeistertitel, ein Gesamtweltcup-Sieg – die Bilanz von Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster macht es seinem Nachfolger nicht leicht. Und gleichzeitig könnte Schuster kaum ein besser aufgestelltes Team übergeben. In seinen elf Jahren als DSV-Trainer hat der Österreicher ein Team geformt, das vor Selbstvertrauen strotzt. Das die Gewissheit hat, dass einer von ihnen immer vorne reinspringen kann. Das über den Teamgeist zu Bestleistungen findet. Die Springer freuen sich auch in der eigenen Niederlage für den Erfolg des anderen – wie zuletzt Andreas Wellinger beim WM-Gold seiner Kollegen. Mit diesem Teamgeist, der mentalen Stärke und dem Vertrauen in den Trainer  haben sich die deutschen Skispringer so manches Mal gegen die Überflieger im Weltcup durchgesetzt.

Schusters Jungs sind allesamt keine von diesen Springern, die plötzlich aus dem Nichts kommen und die Weltspitze dominieren. Seien es Schusters Weltmeister Severin Freund und Markus Eisenbichler oder Stephan Leyhe und Richard Freitag – die deutschen Springer fanden eher über akribische Arbeit an Technik und Psyche wie auch Rückschläge zum Erfolg. Das passt zu ihrem Trainer. Schuster gilt als unermüdlicher Arbeiter. Er selbst zählte als aktiver Sportler nie zu den Topspringern. Dafür steckte er früh viel Arbeit in seine Trainerkarriere, mit Studium und Ausbildung. Er weiß, dass es für Erfolg klarer Linien und Muster bedarf – im Kopf und im Sprungstil. Er weiß, dass diese klaren Linien nicht für jeden Sportler die gleichen sind. Er setzt bei allem Teamwork auf das Individuelle. Geht auf den einzelnen Springer und seine Eigenheiten ein. Da kommt ihm sein Psychologiestudium sicher zu Gute. Schuster gilt als Menschenversteher, der genau weiß, wann ein Springer Druck braucht und wann er aufgebaut werden muss.

Der 49-Jährige war vor elf Jahren einer der vielen Trainer aus der österreichischen Kaderschmiede des Skigymnasiums Stams, die die goldene Generation um Gregor Schlierenzauer hervorgebracht hatte. Und die Trainingsmethoden funktionierten auch im DSV-Team. Das lag nach seinen großen Jahren mit Martin Schmitt und Sven Hannawald 2008 am Boden. Peter Rohwein hatte kein glückliches Händchen und wurde entlassen. Neue Topspringer waren in Deutschland nicht in Sicht. Genau die richtige Herausforderung für Schuster. Er nahm die Stützpunkt- und Nachwuchstrainer mehr in die Verantwortung. Stimmte das Trainingsprogramm ab. Neue Impulse für seinen Trainingsaufbau holte er sich bei seinen Co-Trainern, anderen Nationen oder Sportarten. Schuster verließ sich nie nur auf sein eigenes Wissen. Nichts sollte mehr dem Zufall überlassen werden. Nur mit kontinuierlicher Arbeit lassen sich Titelgewinnen, so die Devise. Und mit Lockerheit: Die Freude am Skispringen ist quasi zum Erfolgsrezept des DSV-Teams geworden. Nur selten sah man in den vergangenen Jahren verbissene deutsche Springer die Schanzen runterfliegen. Klar, ärgerten sich auch die DSV-Springer über schlechte Sprünge oder unfaire Bedingungen, doch die Freude am Sport stand im Vordergrund. Die Athleten vertrauen darauf, dass Schuster mit ihnen die richtigen Entscheidungen gibt und fair zu jedem Athleten ist. Es gibt bei Schuster keine Privilegien für Weltmeister oder Olympiasieger. Für ihn zählen aktuelle Leistung und mentale Verfassung. Schuster selbst scheint diesen Punkt für sich nicht mehr bis zu den olympischen Spielen gegeben zu sehen. Er hat seinen Vertrag beim DSV nicht verlängert – aus privaten Gründen, sagt er. Sein jüngster Sohn kenne ihn sein Leben lang im Winter nur aus dem Fernsehen. Und so zieht Schuster die logische Konsequenz aus seinen klaren Linien: Kann ich nicht ganz bei der Sache, bei den Sportlern sein, muss ich gehen.

Seinem Nachfolger hinterlässt er ein Team, das bis zu Olympia 2022 zusammen bleiben kann. Es sei denn Nachwuchsspringer wie Constantin Schmid oder Martin Hamann kommen dazwischen, die in dieser Saison schon auf sich aufmerksam gemacht haben.

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