Nordische Ski-WM 2017: Deutschland hat gut Lahti

Nordische Ski-WM: Deutschland hat gut Lahti

Die Erfolge bei der Nordischen Ski-WM in Finnland reißen nicht ab: Die Skispringer holen erst Silber und Bronze im Einzel und dann Gold im Mixed-Team. Und die Kombinierer? Die gewinnen als Mannschaft natürlich ebenfalls.

Skispringen, Einzel

Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler genossen gemeinsam mit glänzenden Augen das große Feuerwerk über der Salpausselkä-Schanze. Kurz zuvor hatten es die beiden Skisprung-Asse mit Silber und Bronze selber krachen lassen: "Das war hammergeil, zu zweit auf dem Treppchen zu stehen", sagte Wellinger nach dem ersten DSV-Doppelpodest seit Martin Schmitt und Sven Hannawald 18 Jahre zuvor.

"Die beiden haben im zweiten Durchgang eine Wahnsinns-Show abgezogen", sagte Bundestrainer Werner Schuster, nachdem seine Musterschüler im Auftaktspringen von der Normalschanze nur dem Österreicher Stefan Kraft unterlegen waren. Mit zwei Einzelmedaillen überboten die DSV-Adler damit schon die Zielvorgabe der gesamten WM - und dies ohne den verletzten "Käpt'n" Severin Freund. Und die WM-Mission ist noch lange nicht beendet. In dieser Form vom Samstag sind beide ganz heiße Anwärter auf Titel und Medaillen von der Großschanze am Donnerstag (Einzel) und zweite Tage später (Team).

Aus der Angriffsposition feuerte zunächst Eisenbichler mit 100,5 Metern den weitesten Satz des Tages ab, der noch zum Sprung von Platz sechs zu Bronze reichte. "Direkt nach der Landung habe ich überhaupt nicht an eine Medaille gedacht", sagte der 25-Jährige, der im Weltcup erst einmal auf dem Podest gestanden hatte. Wellinger (21), Zweiter nach dem ersten Durchgang, setzte mit einem glatten Hunderter den führenden Kraft mächtig unter Druck. "Ich habe ihm das Leben noch schwergemacht, aber er war heute einfach der Beste, Respekt!", sagte Wellinger. Kraft selbst, der letztlich rund 120 Zentimeter Vorsprung ins Tal brachte, meinte breit grinsend: "Wenigstens hot koan Deitscha g'wonnen."

Skispringen , Mixed-Team

Tags drauf gewannen dann aber die "Deitschan": Sie verteidigten ihren Titel im Mixed souverän. Wellinger, Eisenbichler, Weltmeisterin Carina Vogt und Svenja Würth holten mit 1035,5 Punkten überlegen Gold vor Krafts Österreichern (999,3). Bronze ging im Schneetreiben an Japan (979,7). "Das war eine tolle Vorstellung. Die Medaillen im Einzel haben natürlich alles leichter gemacht", sagte Bundestrainer Schuster.

Vor nur 500 Zuschauern erwischte das deutsche Team einen Start nach Maß: Vogt, die schon 2015 in Falun den Grundstein zu Gold gelegt hatte, brachte den Titelverteidiger mit einem sensationellen Flug auf 98,0 Meter sofort auf Platz eins. Eisenbichler (95,5 Meter) baute mit weniger Anlauf die Führung sogar noch aus, Würth (95,0) und der starke Wellinger (99,0) hielten die Verfolger souverän auf Distanz. Im zweiten Durchgang ließen Vogt (95,0), Eisenbichler (99,5), Würth (95,5) und Wellinger (98,0) nichts mehr anbrennen.

Kombination, Team

Johannes Rydzek absolvierte die letzten Meter mit der Deutschland-Fahne im Zeitlupen-Tempo, dann legte er im Ziel mit den johlenden Teamkollegen ein Freudentänzchen hin: Die deutschen Kombinierer verteidigten ihren Titel in der Staffel erfolgreich und spielten wie schon beim Vierfachsieg um Rydzek zwei Tage zuvor ihre erdrückende Dominanz aus. "Einfach geil, das war heute richtig zum Genießen. Wir haben uns aber auch für viel harte Arbeit belohnt", sagte Rydzek, der die "Dominierer" wie schon vor zwei Jahren in Falun als Schlussläufer ins Ziel führte. Zuvor hatten Björn Kircheisen, Olympiasieger Eric Frenzel und Fabian Rießle ihrem "Finisher" den Weg zu einem zu keiner Zeit gefährdeten Sieg bereitet. Die zweitplatzierten Norweger hatten 41,7 Sekunden Rückstand, Österreich auf Platz drei lag 1:03,7 Minuten zurück.

27 Jahre lang hatten die DSV-Kombinierer auf einen großen Teamtitel warten müssen, bis ihnen 2015 der erlösende WM-Erfolg gelang - eine Durststrecke, die angesichts der derzeitigen Ausnahmestellung der deutschen Winter-Zweikämpfer unwirklich erscheint. Nach dem historischen Coup im Einzel-Wettbewerb, als Rydzek, Frenzel, Kircheisen und Rießle die Plätze eins bis vier belegt hatten, war auch der Staffel-Erfolg einer für die Geschichtsbücher. "Das ist heute das Sahnehäubchen für uns gewesen", sagte Frenzel.

Mit seinem vierten WM-Titel sowie nun elf Medaillen zog er an Ex-Kombinierer Ronny Ackermann vorbei und ist nun erfolgreichster deutscher Wintersportler in der Geschichte Nordischer Weltmeisterschaften. Rydzek, der bereits am Freitag Gold im Einzel-Wettbewerb von der Normalschanze geholt hatte, sicherte sich ebenfalls den vierten WM-Titel seiner Karriere.

Die Rekordjagd in Lahti ist damit längst nicht beendet: Am Mittwoch steht das Einzel auf der Großschanze an, zwei Tage später der Teamsprint. Vor allem Rydzek könnte in neue Dimensionen vordringen: Drei Titel bei einer WM hat bislang nur der Franzose Jason Lamy Chappuis 2013 in Val di Fiemme gewonnen - Rydzek könnte vier gewinnen. Viermal Kombinierer-Gold bei einer einzigen Weltmeisterschaft hat in der Historie noch kein Land feiern dürfen.

Skilanglauf

Keine Medaillen gab es dagegen im Langlauf. Steffi Böhler und Nicole Fessel verpassten im Teamsprint das ersehnte Edelmetall dagegen klar. Das DSV-Duo landete im Finale auf Platz sechs und hatte 11,1 Sekunden Rückstand auf Bronze. Bei den Männern kamen Thomas Bing und Sebastian Eisenlauer auf Rang sieben. (mit Material von dpa und sid)

(RP)
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