Rohwein knallhart: Martin Schmitt aus Kader gestrichen

Rohwein knallhart: Martin Schmitt aus Kader gestrichen

Leipzig (RPO). Skisprung-Bundestrainer Peter Rohwein hat Martin Schmitt aus dem Aufgebot für die Tournee-Genralprobe in Engelberg gestrichen. Offiziell begründet wurde die Maßnahme mit den Nachwirkungen einer Magen-Darm-Infektion beim viermaligen Weltmeister, allerdings wurde Schmitt zugleich der Start beim am Freitag beginnenden Continentalcup zur Schanzeneröffnung in Garmisch-Partenkirchen verordnet. Rohwein kündigte zudem seinen Rücktritt im Falle einer Sportlerrevolte an.

"Schmitt ist momentan nicht Weltklasse, und durch seine Krankheit geht er körperlich auf dem Zahnfleisch. Wenn einer nicht die Leistung bringt, kann er nicht im Weltcup springen", sagte Co-Bundestrainer Falko Krismayr: "Aber bei der Tournee ist er natürlich mit dabei. Das ist überhaupt kein Thema."

Krismayr wurde von Rohwein nach Hinterzarten beordert, wo er seit Dienstag mit Schmitt trainiert. Dessen Heimtrainer Stefan Horngacher, der neben Kombinierer-Sprungtrainer Andreas Bauer als einer der Nachfolgekandidaten im Falle einer Rohwein-Entlassung gilt, war am Mittwoch zeitgleich mit Jugendlichen in Ruhpolding unterwegs.

Das könnte als Indiz für Unstimmigkeiten in der Trainerschaft ausgelegt werden, nachdem der Deutsche Skiverband (DSV) dem Cheftrainer nur eine Jobgarantie für die am 30\. Dezember beginnende Vierschanzentournee erteilt hatte. Fest steht, dass die Geduld von Rohwein mit dem schon bei der Entlassung von Erfolgstrainer Reinhard Heß 2003 als Meinungsführer im Hintergrund tätigen Schmitt abgelaufen ist. In Trondheim ließ er den Helden von einst nach verpasster Qualifikation als Weltcup-Vorspringer antreten, jetzt folgte die überfällige Degradierung in den Talentecup.

"Die Leistungen von Martin Schmitt waren genau wie die von Georg Späth nicht akzeptabel. Da gibt es keine Entschuldigung", äußerte Rohwein so deutliche Kritik wie nie zuvor. Ein 28\. Platz ist in dieser Saison bislang das beste Weltcup-Resultat des 28-maligen Weltcupsiegers Schmitt. Zu wenig Biss hat er dem seit fast sechs Jahren sieglosen Schmitt indirekt vorgeworfen, die zweite Ohrfeige folgt direkt: "Auch ein Martin Schmitt muss einsehen, dass Sommer und Winter zwei unterschiedliche Dinge sind. Er hat viel zu lange an seinem alten Ski festgehalten. Ein Janne Ahonen ist umgestiegen und springt aufs Podest."

Im Sommer klappte es mit den harten Latten bei Schmitt ganz gut, doch die funktionieren bei niedrigeren Temperaturen einfach nicht mehr. Am Mittwoch übte der 30-Jährige mit Krismayr mit den neuen, weicheren Latten. Zuvor hatte er auf der 70-Meter-Pionierschanze von Hinterzarten wieder einmal versucht, ein ordentliches Flugsystem aufzubauen.

Ob Schmitt ("Es passt derzeit überhaupt nichts bei mir") noch mit dem Cheftrainer zufrieden ist, darf bezweifelt werden. Rohwein will jedenfalls von sich aus den Weg für einen Neuanfang freimachen, wenn es aus Athletenkreisen Widerstand gegen seine Arbeit gibt. "Wenn da einer zu mir kommt und sagt, dass es aus diesen oder den Gründen nicht mehr machbar ist, mit mir zusammenzuarbeiten, bin ich der Letzte, der den Athleten im Weg steht", sagte Rohwein: "Dann würde ich auch von heute auf morgen meine Sachen nehmen."

Olympiasieger Michael Uhrmann jedenfalls wird sich nicht zum Anführer einer Revolte aufschwingen. "Ich bin nach meiner langen Verletzungspause noch zu sehr mit mir selbst beschäftigt, war lange Monate auch gar nicht beim Team", sagte er und fügte diplomatisch hinzu: "Ich habe mit Peter Rohwein vor meiner Verletzung Podestplätze erreicht und bin davon überzeugt, dass ich das auch mittelfristig wieder schaffen kann."

Nach Ansicht von Ex-Skispringer Gerd Siegmund - Manager von Uhrmann, Stephan Hocke und Jörg Ritzerfeld - können Rohwein nur schnelle Erfolge retten. "Eines ist klar, wenn es bei der Tournee daneben geht, dann wird Rohwein gehen müssen. So sind die Mechanismen des Geschäfts", sagte der TV-Experte von Eurosport: "Wir dürfen aber nicht so tun, als wäre jetzt alles andere besser als Rohwein. Es muss natürlich alles auf den Prüfstand - vom Helm bis zum Ski."

(sid)
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