Nordische Ski-WM: FIS beugt Doping vehement vor

Nordische Ski-WM : FIS beugt Doping vehement vor

Sapporo (RPO). Auch bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften schwirrt das Thema Doping ungebremst durch die Reihen der Athleten und Verantwortlichen. Der Präsident des Weltverbandes FIS, Gianfranco Kasper, will seinen Sport mit konsequenten Tests sauber halten, die Athleten fürchten sich vor ausgiebigen Kontrollen.

Am Dienstag und Mittwoch mussten alle deutschen Langläufer und Kombinierer im Shirahata-Langlaufstadion zur Blutkontrolle antreten. Im Trainingslager in Italien hatte es zuvor bereits die längsten Tests der Geschichte gegeben. Ein neuer Nachweis für verbotene Wachstumshormone und die mögliche Überführung von Gendoping-Sündern sorgen für Unruhe in der Szene.

"Wir können den Krieg gegen Doping nicht gewinnen, wohl aber die meisten Schlachten. Wir sind Hardliner, mit uns können die Athleten keine Spielchen mehr spielen. Aber ich fürchte, dass es neue Skandale geben wird", sagte Kasper.

Der Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS kündigte mit 450 Bluttests und über 100 Kontrollen nach den Wettkämpfen für die WM das umfangreichste Testprogramm außerhalb Olympischer Winterspiele an. Im Labor in Tokio wird nach Epo gesucht, der Test auf Wachstumshormone findet außerhalb Japans statt.

Kasper fühlt sich unwohl

Trotz der jährlichen Investitionen von einer Million Dollar für Dopingtests ist Kasper vor Sapporo mit Blick auf die Langlauf-Geschichte "nicht besonders wohl". Bei der WM 2001 hatte es mit der Überführung des finnischen Teams den größten Skandal der Geschichte gegeben. Nach den Positivfällen von Johann Mühlegg, Larisa Lasutina und Co. bei den Winterspielen 2002 folgte bei der WM 2003 der Fall Kaisa Varis (Finnland).

Diesmal hat Kasper neben dem Langlauf auch bei einigen Skispringern Verdachtsmomente. Deshalb sieht die FIS mit Genugtuung die Entwicklung eines neuen Tests für Wachstumshormone, die künftig bis zu zehn Tage nach Einnahme nachweisbar sein sollen.

Auch die in den Ausdauersportarten angeblich bereits verbreitete Gendoping-Wunderwaffe Repoxygen - das bislang nur an Mäusen getestete Medikament regt in den Zellen die Bildung von natürlichem EPO an und verbessert damit die Sauerstoffversorgung - wird bekämpft. "Bis zu den Olympischen Spielen in Peking soll der Nachweis vorliegen. Vielleicht aber schon eher", meint FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis.

Das deutsche Skilanglauf-Team wurde jedenfalls an zwei Tagen hintereinander von der Nationalen Antidoping-Agentur Nada und der Welt-Antidopingagentur Wada zu in dieser Form noch nie erlebten Außerwettkampfkontrollen gebeten.

"Meine Mannschaft ist sauber"

"Die wollten mehr Blut und Urin als sonst, da wurde wohl auch genmäßig alles überprüft. Die Tests haben für jeden Athleten eine Dreiviertelstunde gedauert - das heißt, wir haben als Mannschaft von mittags bis abends da gesessen", erklärt Skilanglauf-Bundestrainer Jochen Behle: "Die werden bei uns nichts finden, meine Mannschaft ist sauber. Ich hoffe nur, dass die anderen auch so intensiv kontrolliert werden."

Seine Zweifel sind berechtigt, denn in der 2001 überführten Virpi Kuitunen (Finnland) ist eine ehemalige Dopingsünder bei der WM am Start. Die überlegene Gesamtweltcup-Spitzenreiterin wird in Sapporo privat von ihrem persönlichen Trainer Jarmo Riski betreut, der nach dem Skandal von Lahti lebenslang für internationale Wettkämpfe gesperrt worden war.

(sid)
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