Doping-Skandal bei Nordischer Ski-WM: ÖSV-Präsident zweifelt an Sauberkeit von deutschen Athleten

Doping-Skandal bei Nordischer Ski-WM : ÖSV-Präsident zweifelt an Sauberkeit von deutschen Athleten

Schwere Vorwürfe aus Österreich: Peter Schröcksnadel, Präsident des Österreichischen Skiverbandes, ist überzeugt, dass auch deutsche Athleten in den Dopingskandal verwickelt sind. Einem Bericht zufolge beruft er sich auf Ermittlerkreise.

Österreich gegen Deutschland, Schröcksnadel gegen Hörmann - die Diskussion um die Folgen der Doping-Razzia bei der Nordischen Ski-WM ist auch ein verbales Fernduell zwischen dem Präsidenten des Österreichischen Skiverbandes und dem ersten Mann des Deutschen Olympischen Sportbundes. Peter Schröcksnadel bekräftigte seinen Vorwurf, dass deutsche Athleten in den Fall verwickelt sind, der sich um den Erfurter Sportmediziner Mark S. rankt.

Alfons Hörmann hatte zuvor in einer umfassenden schriftlichen Erklärung betont, „dass keine deutschen Sportlerinnen und Sportler von der Razzia betroffen waren“. Im TV-Sender MDR formulierte er vorsichtig, dass „Stand heute“ keine deutschen Athleten in den Fall verwickelt seien. Lars Mortsiefer, Vorstand der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA), unterstrich, dass es „im Moment“ keine Anhaltspunkte dafür gebe.

Schröcksnadel sagte nun im Interview der „Bild“-Zeitung (Samstag): „Mir hat das ein Ermittler gesagt, dass auch deutsche Sportler betroffen seien. Und dass der Fall eine internationale Geschichte ist.“ Und weiter: „Entscheidend finde ich, dass sich die Betrüger Hilfe von außen, aus Deutschland, holen mussten, um ihren Betrug durchzuführen.“ Für ihn sei das ein Beweis, dass sein Verband sauber arbeite.

Im Zuge einer Doping-Razzia im WM-Ort Seefeld waren am Mittwoch fünf Langläufer festgenommen worden. Alle haben inzwischen Eigenblutdoping gestanden und sind wieder auf freiem Fuß, darunter sind zwei Österreicher. Unter Verdacht steht der Erfurter Arzt Mark S., der inzwischen in München in Haft ist. Zudem wurden in Erfurt und Seefeld insgesamt drei mutmaßliche Komplizen festgenommen.

Eine große Dopingaffäre mit deutschen Athleten im Mittelpunkt würde den deutschen Sport gerade jetzt besonders treffen. Das Bundesinnenministerium entwickelt derzeit eine Strategie, um mit einer Reihe von Großveranstaltungen die Sportbegeisterung zu steigern und eine Olympia-Bewerbung vorzubereiten. Nordrhein-Westfalen wirbt intensiv für Spiele 2032, in Berlin wird über 2036 diskutiert. Die nächsten Weltmeisterschaften im jetzt betroffenen Nordischen Skisport finden 2021 in Oberstdorf statt, und Oberhof richtet 2023 die WM im Biathlon aus.

DOSB-Präsident Hörmann betonte, dass gemäß den Aussagen des Deutschen Skiverbandes keiner seiner Athletinnen und Athleten in Kontakt mit Mark S. stand: „Bei den Festnahmen von deutschen Personen handelt es sich ausschließlich um den Arzt und weitere involvierte Hintermänner.“

Der DOSB teilte mit, ihm lägen „keinerlei Informationen vor, dass Bundeskader-Athleten auf offiziellem Weg Kontakt mit der beschuldigten Praxis haben oder hatten“. Die Praxis in Erfurt habe nicht zu den vom Olympiastützpunkt Thüringen empfohlenen ärztlichen Niederlassungen gehört.

In der Praxis sind nach DOSB-Angaben standardisierte sportmedizinische Grunduntersuchungen für die Sportarten Rad, Schwimmen und Gewichtheben durchgeführt worden. Darüber hinaus liegen laut Auskunft des Landessportbunds Thüringen an den DOSB „aktuell keinerlei Nachweise für Empfehlungen oder gar Finanzierungen von Betreuungsleistungen der betroffenen Erfurter Praxis“ über diese Grunduntersuchungen hinaus vor.

Der aktuelle Doping-Skandal hat möglicherweise Auswirkungen auf die Kontrollsysteme der NADA. In Bezug auf Blutdoping sei man bislang davon ausgegangen, „dass es etwas Längerfristiges ist, was einige Tage vor dem Wettkampf angewendet wird, um die Ausdauerleistung zu steigern“, sagte Mortsiefer der Deutschen Presse-Agentur. „Unmittelbar vor dem Wettkampf, unter widrigsten Bedingungen, ist das wegen möglicher Infektionen ja natürlich auch hochrisikobehaftet. Und so ein Blutbeutel transportiert sich ja nicht ohne Weiteres.“

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(dpa/old)