Doping-Razzia: Video zeigt Langläufer Max Hauke mit Bluttransfusion im Arm

Doping-Skandal bei WM : Video zeigt Österreichs Langläufer mit Bluttransfusion im Arm

Der österreichische Langläufer Johannes Dürr wehrt sich gegen den Eindruck, dass er bei seinen Enthüllungen zum Doping-System seine Freunde verraten habe. Derweil tauchte ein Video auf, das einen der Langläufer mit einer Blutinfusion im Arm bei der Festnahme zeigt.

Der überführte Dopingsünder Johannes Dürr hat nach eigener Aussage die bei der Razzia bei der WM in Seefeld erwischten Ski-Langläufer nicht verraten. „Dass jetzt sozusagen der Eindruck entsteht, ich hätte da meine Freunde verpfiffen, ist einfach nicht richtig“, sagte der Langläufer dem österreichischen TV-Sender ORF. Der 2014 gesperrte Dürr hatte mit seinen Aussagen die Doping-Ermittlungen und Razzien in Seefeld und Erfurt ausgelöst.

„Ich bin vor der Staatsanwaltschaft gewesen als Zeuge, ich habe als Zeuge wahrheitsgemäß aussagen müssen und habe da zu den Sachen, die mich betreffen, 2014, also vor fünf Jahren, ausgesagt“, sagte Dürr im ORF. „Ich kann alles nachfühlen. Das ist jetzt eine ganz schwere Zeit für die Jungs.“

Die zwei österreichischen, ein kasachischer sowie zwei estnische Langläufer waren am Mittwoch bei einer großen Razzia während der Nordischen Ski-WM festgenommen worden. Alle haben inzwischen Eigenblutdoping zugegeben. Ihnen drohen drohen bis zu drei Jahre Haft wegen Sportbetrugs.

Ein inzwischen veröffentlichtes Video zeigt, wie einer der österreichischen Langläufer Max Hauke mit einer Blutinfusion im Arm von den Polizisten auf seinem Hotel-Zimmer erwischt wird.

Der Urheber des Videos, das angeblich einen Langläufer bei der Doping-Razzia in Seefeld während der Bluttransfusion zeigen soll, muss strafrechtliche Konsequenzen fürchten. Das Video soll von einem ermittelnden Beamten weitergegeben worden sein. Die Person sei „ausgeforscht und vom Einsatz abgezogen“ worden, bestätigte ein Sprecher des österreichischen Bundeskriminalamts der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Auf den Beamten komme zudem ein Disziplinarverfahren zu.

Hauke und sein Teamkollege Dominik Baldauf sind wieder auf freien Fuß - genauso wie der kasachische Spitzenläufer Alexei Poltoranin und die zwei estnische Athleten. "Die Sportler haben das Eigenblutdoping zugestanden und umfangreiche Angaben gemacht. Da nach dem derzeitigem Ermittlungsstand nicht anzunehmen ist, dass die verdächtigten Athleten auf freiem Fuß die Ermittlungen beeinträchtigen würden, liegen keine Gründe für eine Untersuchungshaft vor", hieß es in einer von der Tiroler Tageszeitung zitierten Mitteilung der Staatsanwaltschaft.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann sieht auch zwei Tage nach den Doping-Razzien in Erfurt und Seefeld keine Anzeichen für die Verwicklung deutscher Sportler. „Nach unserem Kenntnisstand sind weder Nachwuchskader-Athleten noch Top-Athleten Deutschlands aus irgendeiner Sportart mit dem Mediziner in Kontakt“, sagte Hörmann am Freitagmorgen im ZDF.

„Wir sind zuversichtlich, dass deutsche Athleten und Athletinnen von diesem Vorgang und von dieser Praxis nicht betroffen sind“, sagte der DOSB-Boss. „Aber ich betone immer wieder: Stand heute. Ganz am Ende wird das weitere Verfahren zeigen, wie die Gesamtgemengelage aussieht.“

Die beiden festgenommenen deutschen Ärzte bleiben bis zur Übergabe an die deutschen Behörden vorerst in Haft. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Innsbruck am Freitagvormittag mit. Das Landesgericht Innsbruck habe demnach eine Übergabehaft verhängt.

Ob und wann die beiden mutmaßlichen Komplizen des Erfurter Arztes Mark S. nach Deutschland übergeben werden, ist Entscheidung des Landesgerichts Innsbrucks. Die Staatsanwaltschaft München I wird nach eigenen Angaben „in Kürze“ ein Auslieferungsersuchen stellen und rechnet mit einer „zügigen Umsetzung“.

(rent/dpa)
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