Nordische Ski-WM: Der Olympia-Glanz verblasst

Nordische Ski-WM : Der Olympia-Glanz verblasst

Sapporo/Düsseldorf (RP). Gold, Silber, Bronze in Turin - aber in Sapporo darf sich Kombinierer Georg Hettich kaum Hoffnungen machen. Der Schwarzwälder gehört vorerst nicht zum gesetzten Athleten-Kreis, der dem Deutschen Skiverband eine der kalkulierten sieben Medaillen bescheren könnte.

Als es auf diesen Winter zuging, den ersten nach dem märchenhaften, olympischen, wusste Georg Hettich bereits: "Natürlich wird es schwer, an die perfekten Ergebnisse des letzten Jahres anzuknüpfen." Aber dass es so schwer werden würde...

Zu schön war es gewesen 2006 in Turin und den Alpentälern. Gold im Hauptwettbewerb der Nordischen Kombination, Silber in der Staffel, Bronze im Sprint - neben den Biathleten Michael Greis und Kati Wilhelm war der unscheinbare, fast schüchtern wirkende Schwarzwälder mit den roten Wangen zum Helden aufgestiegen. Ganz unverhofft. "Ich dachte, Olympiasieger gibt es nur im Fernsehen", sagte der Schwarzwälder damals.

"Ich möchte so vorbereitet sein, dass ich bei der WM in der Lage bin, um die Medaillen mitzukämpfen", erklärte der 28-Jährige im Herbst. Das scheint ihm nicht gelungen zu sein. Wenn morgen im japanischen Sapporo, in der Olympiastadt von 1972, die Nordischen Skiweltmeisterschaften beginnen, darf sich Hettich keine großen Hoffnungen machen. Mehr als Platz 17 bei zwei Rennen im Dezember in der Ramsau bringt er nicht als Empfehlung mit in den Fernen Osten.

"Hinter ihm steht ein Fragezeichen", meint Thomas Pfüller, der Generalsekretär des Deutschen Skiverbandes (DSV), "von ihm hatten wir uns sicher ein wenig mehr erhofft, als er in diesem Jahr gezeigt hat." Wegen Hettichs Handbruch und "diverser Verpflichtungen, denen er als Olympiasieger nachkommen musste", übt sich der sonst in seinem Urteil knallharte Pfüller in Nachsicht: "Es scheint angebracht, dass wir ein wenig Geduld mit ihm haben."

Hettich das deutsche Sorgenkind

Bundestrainer Hermann Weinbuch bezeichnet Hettich als "unser Sorgenkind". Wegen des Schneemangels konnte der Schonacher den durch die Handverletzung entstandenen Trainingsrückstand nie aufholen. "Die Folge war, dass ich in den Weltcups einfach noch nicht so in Schwung gekommen bin wie erhofft", sagt er, "das Grundproblem ist das Springen."

Doch Weinbuch baut auf "den Schorsch": "Ich glaube an ihn und bin absolut zuversichtlich, dass er bis zum Beginn der WM die erhoffte Form erreicht. Er ist eigentlich kurz davor, es fehlt nur noch der entscheidende letzte Schritt."

Beim ersten Training auf der Okurayama-Schanze kam Hettich auch nicht zurecht. Während Björn Kircheisen mit 137 Metern die Tagesbestweite erreichte, brachte es der Schwarzwälder nur auf 122 Meter. Seinen Platz im Team für den Sprint am Freitag hat der Schonacher aber sicher.

Dass er im Laufen keine Topresultate lieferte, führt Weinbuch auf die Probleme im Sprung zurück. "Es ist logisch, dass mit einer schlechten Ausgangsposition nach dem Springen teilweise auch ein wenig die letzte Motivation auf der Strecke gefehlt hat."

Ausbildung kurz vor dem Ende

In seiner Ausbildung kam Hettich zuletzt besser voran als im Sport. "Es geht langsam dem Ende zu", sagt der Student des Medical Engineering ("Maschinenbau mit Schwerpunkt auf medizinischen Geräten") an der Hochschule Furtwangen.

Nach diesem Winter will er seine Diplomarbeit schreiben. Als es ihm in der Sportfördergruppe zu langweilig wurde, entschied er sich dafür, neben dem Sport, den er im Winter betreibt, ausschließlich im Sommer zu studieren. "Es ging leichter als gedacht."

Pfüller verlangt von den Kombinierern - insbesondere von Ronny Ackermann, Björn Kircheisen und Sebastian Haseney - Edelmetall. Von den sieben Medaillen, die der Generalsekretär von Langläufern, Springern und Kombinierer erwartet, sollen die Mehrkämpfer zwei holen.

"Damit hätte das Team aus unserer Sicht die herausragenden Leistungen von Turin und Oberstdorf voll bestätigt." 2005 gewann Ackermann beide Einzelrennen im Allgäu, einmal Silber durch Kircheisen und Silber fürs Team ergänzten die glänzende Ausbeute der zurückliegenden WM. Eine Bilanz, von der sie in Sapporo nur träumen können.

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