Eigener Frauen-Chefcoach?: Behle verliert Macht

Eigener Frauen-Chefcoach? : Behle verliert Macht

Sapporo (RPO). Skilanglauf-Bundestrainer Jochen Behle könnte einen Teil seines Jobs verlieren. Der Streit mit Topläuferin Evi Sachenbacher-Stehle vor und während der nordischen Weltmeisterschaften in Sapporo hat Gedankenspiele im Deutschen Skiverband (DSV) gefördert, künftig nach dem erfolgreichen Vorbild im Biathlon einen eigenen Frauen-Chefcoach einzustellen.

Für die Position ist Behles Erzrivale Wolfgang Pichler, Heimtrainer von Sachenbacher und Coach des schwedischen Biathlon-Nationalteams, im Gespräch. Behle könnte dann nur noch für die Herren um Weltmeister Axel Teichmann verantwortlich sein.

"So ein System ist denkbar, aber ich sage noch nicht, dass es so wird. Wir werden nach der Saison ganz gründlich das Für und Wider abwägen und das Personal anschauen, dass uns zur Verfügung steht", sagte Thomas Pfüller dem sid. Der DSV-Sportdirektor wollte die Frage nach Pichler als Kandidaten für den neuen Posten nicht direkt beantworten, lobte aber ausdrücklich sein gutes Verhältnis zum Bayern und seine "hervorragende Arbeit vor der WM".

Sachenbacher-Stehle glänzte in Sapporo bislang mit den Plätzen zwei, vier und sechs. Außerdem trainieren die WM-Starterinnen Steffi Böhler, Nicole Fessel und Katrin Zeller nach Pichlers Plänen - der Grundstein eines möglichen eigenen Damen-Nationalteams unter Pichler liegt also bereits.

Der Zollangestellte ist nicht abgeneigt und teilte vom Biathlon-Weltcup in Lahti mit: "Ich will kein neues Öl ins Feuer gießen, aber man sollte niemals nie sagen. Sprechen kann man immer, schließlich bin ich nicht mit den Schweden verheiratet." Der Trainer des Jahres bei den Tre Croners - er hat die dortigen Biathleten gerade zum ersten Mixed-Weltmeistertitel der Geschichte und Anna-Carin Olofsson an die Spitze des Gesamtweltcups geführt - hat einen Vertrag bis 2010, aber eine jährliche Ausstiegsklausel.

Der machtbewusste Behle würde die bei den deutschen Skijägern mit den beiden Cheftrainern Frank Ullrich (Männer) und Uwe Müssiggang (Frauen) glänzend funktionierende Arbeitsteilung bei den Langläufern gar nicht gut finden: "Ich halte davon gar nichts. Für die Frauen ist es doch nur von Vorteil, wenn sie beim starken Männer-Team sehen, wie es geht." Genau diese männerfixierte Einstellung ist es aber, mit der der wenig sensible Chefcoach immer wieder neue Probleme im Frauen-Team provoziert.

Unmittelbar vor der WM hatte er den fehlenden sportlichen Willen von Sachenbacher kritisiert, dazu einen Streit über die mangelnden technischen Fähigkeiten und das fehlende positive Denken bei den Frauen entfacht. Sachenbacher-Stehle bezeichnete den Bundestrainer nach ihrem Silberlauf daraufhin als unfair, Pfüller musste das Verbalduell mit einem Machtwort beenden. Pichler meinte damals: "Man muss schon an Behles Fähigkeiten als Teamführer zweifeln. Behle hat noch nie jemanden selbst trainiert und hat von Frauen überhaupt keine Ahnung."

(sid)
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