Skisport: Klimawandel bereitet Sorgen

„Die Situation ändert sich“ : Klimawandel bereitet dem Skisport Kopfzerbrechen

Der Klimawandel stellt den Wintersport vor große Herausforderungen. Vor allem die Alpinen blicken sorgenvoll in die Zukunft.

Thomas Dreßen auf einer Freitagsdemo für den Klimaschutz? "Naaa", sagt der Kitzbühel-Sieger, "ich muss trainieren." Man solle ihn bitte nicht falsch verstehen, "ich bin ein sehr naturbezogener Mensch". Natürlich nehme er den Klimawandel wahr, beim Einkaufen greife er zu Produkten aus der Region. Aber: "Mit dem Radl zum Training zu fahren, ist zu weit, da muss ich das Auto nehmen." Und "aus beruflichen Gründen" müsse er auch ab und an fliegen: "Seid mir nicht böse."

Wie Dreßen geht es vielen Menschen, vielen Sportlern. Doch nur wenige erleben den Klimawandel so hautnah wie jene, die auf Schnee und Eis aktiv sind. Und das nicht erst im Winter. "Die Situation ändert sich", sagt Abfahrer Dreßen, das Sommertraining, wie er es gewohnt ist, werde es "in ein paar Jahren vielleicht nicht mehr geben". Auch in den klassischen Trainingsgebieten in der südlichen Hemisphäre wird der Schnee knapp, die deutschen Skirennläufer mussten ihre Pläne in der aktuellen Vorbereitung umwerfen. Mal wieder.

Dreßen sieht die Sache nüchtern. "Das ist dann für jeden so", sagt er. Sein Chef Wolfgang Maier klingt besorgter. "Es macht mir extrem viel Kopfzerbrechen", sagt der Alpinchef des Deutschen Skiverbandes (DSV) über die Herausforderungen, vor die er seinen Sport durch den Klimawandel gestellt sieht: "Ich finde es fatal, wenn man das noch wegdiskutieren möchte. Die Sportler spüren es, alle Trainer spüren es."

Alle? Laut dem selbsternannten "Querdenker" Peter Schröcksnadel, Präsident des mächtigen Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), werde da "viel Panik gemacht". Der ÖSV ist am 26./27. Oktober Gastgeber beim traditionellen Saisonauftakt der Alpinen in Sölden. Dort sind die Hänge zwar noch weitgehend braun, auf dem Rettenbachgletscher lasse sich dank wochenlanger Pistenpräparierung aber "richtig lässig Skifahren", sagt Renndirektor Markus Mayr. "Vielleicht sind die Berechnungen der Klimaforscher richtig, vielleicht sind sie falsch", meint Schröcksnadel, der Skisport werde jedenfalls "keinerlei Schwierigkeiten bekommen".

Maier ärgern solche Aussagen. "Uns im Sport bringt das ans Limit, das braucht keiner wegzudiskutieren", sagt er über den Klimawandel: "Zu sagen, das geht schon irgendwie, wäre Augenwischerei. Es geht nicht mehr lange irgendwie!" Maier ist kein Fundamentalist, er hält nichts davon, den Leuten ein schlechtes Gewissen einzureden, "weil sie ein bisschen Wintersport machen". Ein Flug von München nach New York verbrauche so viel CO2 "wie 120.000 Skifahrer am Tag", rechnet er vor.

Maier fürchtet vielmehr, dass Skifahren ein elitärer Sport wird. Für Eissportarten gibt es oft gute technische Lösungen. Loipen für Biathlon oder Langlauf können meist auch in wärmeren Wintern beschneit werden. Skispringer nutzen Matten. Aber die Skirennläufer, die Crosser und Freestyler? Die müssen sehr viel Geld in Hand nehmen für teure Trainingscamps - und haben auch dann keine Schneegarantie. Der italienische Verband habe im Sommer 90 Leute nach Südamerika geschickt, sagt Maier. Kosten: 1,2 Millionen Euro. Der Gesamtetat der DSV-Alpinsparte beträgt: rund 900.000 Euro/Saison.

"Wir geraten in totale Zwänge", sagt Maier, "du kriegst am Schluss nicht mehr die Leute her, die bereit sind, das Geld für diesen Sport auszugeben." Der 58-Jährige ist sicher: "Wir müssen uns dem Wandel anpassen." Nur wie - das weiß Maier noch nicht.

(lt/sid)
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