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Katja Seizinger: Vom Ski-Star zur Stahl-Managerin

Katja Seizinger : Vom Ski-Star zur Stahl-Managerin

Olympiasiegerin Katja Seizinger ist inzwischen Aufsichtsratschefin von zwei Unternehmen. Vor der Ski-WM in St. Moritz spricht die 44-Jährige über US-Star Lindsey Vonn, deutsche Medaillenchancen und Olympia 2026 in den Alpen.

Von der Ski-Karriere ist Katja Seizinger 18 Jahre entfernt, vom Skifahren als Hobby vier Stunden auf der Autobahn. "Da meine Kinder schulpflichtig sind und Garmisch-Partenkirchen roundabout 400 Kilometer entfernt liegt, bleiben dafür nur die Schulferien", erzählt Seizinger. Nicht nur wegen der Entfernung bildet der Wintersport längst nicht mehr den Mittelpunkt im Leben der dreimaligen Olympiasiegerin, die seit ihrer Hochzeit 1999 gar nicht mehr Seizinger heißt, sondern Weber. Bei der 44-Jährigen dreht sich heute im Beruf alles um Stahl, ist sie doch Aufsichtsratsvorsitzende gleich zweier Stahlunternehmen in Süddeutschland. Mit Sohn Finn, Tochter Yiva und Ehemann Kai-Uwe wohnt und arbeitet die studierte Betriebswirtin in Eberbach, in der Nähe von Heidelberg. Zu Hause auf dem Klingelschild steht zusätzlich auch immer noch Seizinger - wegen der Autogrammpost, wie sie der "Bildzeitung" vor ein paar Jahren verriet.

Aber auch aus dem Off verfolgt Weber den Ski-Alpin-Zirkus nach wie vor mit großem Interesse. Und während sie mit 36 Siegen immer noch die erfolgreichste deutsche Skifahrerin im Weltcup ist, dominiert dieser Tage eine Frau die Schlagzeilen, die am 28. Januar just in Garmisch-Partenkirchen ihren 77. Weltcup-Erfolg feierte: Lindsey Vonn. Ist die US-Amerikanerin für die Deutsche die beste Skifahrerin aller Zeiten? "Lindsey ist unbestritten eine der erfolgreichsten Rennfahrerinnen aller Zeiten, und ihr aktuelles Comeback ist äußerst beeindruckend. Ein Vergleich im Sport über Generationen und Zeiten hinweg ist meines Erachtens aber nur bedingt möglich. Jede Ski-Generation lebt von ihren Ausnahmeerscheinungen", sagt Seizinger-Weber. Ausnahmeerscheinungen wie Bode Miller, Janica Kostelic, Hermann Maier, Alberto Tomba, Ingemar Stenmark, Annemarie Moser-Pröll - oder eben in den 1990ern Katja Seizinger.

Vonn geht jedenfalls als Favoritin auf (mehrfaches) Gold in die am Montag beginnende WM in St. Moritz. Die deutschen Hoffnungen auf - vom Skiverband (DSV) als Ziel ausgegebene - drei Medaillen ruhen vor allem auf Felix Neureuther und Victoria Rebensburg. "Für beide ist die Saison bisher auch verletzungsbedingt nicht optimal verlaufen, doch sowohl Felix als auch Vicky haben realistische Medaillenchancen, und an einem perfekten Tag mit dem gewissen Quäntchen Glück ist alles möglich", sagt Seizinger-Weber. DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier sieht es ähnlich: "Wir brauchen uns nicht zu verstecken und gehen mit Grundoptimismus hin."

"Das Spektakuläre, die Geschwindigkeit, das Risiko sind und bleiben ein Magnet"

Bei allem Optimismus stehen die Deutschen aber mit Blick auf die WM auch ein bisschen unter Druck. Schließlich geht es im allwinterlichen Wettstreit mit Biathleten, Skispringern oder Nordischen Kombinierern immer auch um die Gunst der TV-Zuschauer. Und da braucht es eben bekanntermaßen Geschichten von Siegern, wie auch Seizinger-Weber konstatiert. "Erfolge der eigenen Athleten sind für die Einschaltquoten in erster Linie verantwortlich."

Aber helfen Siege allein dem Alpin-Ski? Was ist mit neuen Formaten, wie sie Langläufer, Skispringer oder Biathleten in den vergangenen Jahren mit den Mixed-Wettbewerben entwickelt haben? "Mit Ausnahme des Parallelslaloms wird sich im alpinen Rennsport ein Zweikampf nur schwer auf die Piste bringen lassen können", kontert Seizinger-Weber. "Nichtsdestotrotz wird sich unser Sport mit einem festen Rennkalender unter Berücksichtigung aller namhaften Klassiker international behaupten. Das Spektakuläre, die Geschwindigkeit, das Risiko sind und bleiben ein Magnet."

Geht es nach der dreimaligen Sportlerin des Jahres, bleiben also Abfahrt, Super-G, Riesenslalom und Slalom auch künftig Herzstücke des Wintersports und damit auch Herzstücke von Olympischen Winterspielen. Die machen seit Turin 2006 einen Bogen um die traditionellen europäischen Wintersportgebiete. 2010 war man in Vancouver, 2014 in Sotschi, 2018 geht es nach Peyongchang und 2022 nach Peking. Frühestens 2026 ist also eine olympische Rückkehr in den Alpenraum möglich. Die Schweiz und Österreich stehen mit Bewerbungen in den Startlöchern. Gut so, findet Seizinger-Weber. "Die Verbundenheit der Alpennationen mit dem Wintersport könnte bestimmt den passenden Rahmen für schöne Spiele bieten, die nicht mit Superlativen und ,unvergessenen' Bauwerken auftrumpfen müssen. Das täte der Akzeptanz des Sports und der Spiele sicherlich gut", sagt sie.

Superlative sind eben nicht Webers Sache. Nicht bei Lindsey Vonn. Und nicht bei Olympia.

(klü)