Alpine Ski-WM Are 2019: Josef Ferstl ist trotz verpasster Medaille im Super-G "happy"

Super-G bei Ski-WM in Are : Ferstl verpasst Medaille und feiert mit Kumpel Paris

Josef Ferstl verpasst eine Medaille im WM-Super-G knapp. Sein Ärger über Platz sechs verraucht schnell, er freut sich mit Kumpel Dominik Paris über dessen Gold.

"Mann!", schimpfte Josef Ferstl wütend, legte den Kopf in den Nacken und verzog zerknirscht das Gesicht. "Mann!", schrie der Kitzbühel-Sieger noch einmal in die eiskalte Luft am Berg Areskutan, "ja klar", sagte er kurz darauf, "wenn man als Vierter abschwingt, ist das natürlich Scheiße." Vierter blieb Ferstl nicht, er belegte am Ende des Super-G bei der WM Rang sechs, doch sein Ärger war da schon wieder verraucht. "Klar, es zählen die Medaillen, da kann man sagen, das habe ich verhauen", meinte er, "aber ich bin eigentlich happy."

Nur 0,39 Sekunden fehlten dem 30-Jährigen vom SC Hammer zu seinem Kumpel, dem Südtiroler Kraftpaket Dominik Paris, der in Schweden die erste Männer-Goldmedaille abräumte, nur 0,30 Sekunden Rückstand hatte Ferstl auf die zeitgleichen Silbermedaillengewinner Johan Clarey (Frankreich) und Vincent Kriechmayr (Österreich). "Das Glück", sagte er auch mit Blick auf den vierten Rang von Viktoria Rebensburg am Vortag, "das Glück ist nicht auf unserer Seite." Aber: "Bei der WM Top-Sechs, da kann ich zufrieden sein."

Ja, Ferstl behauptete sogar, er freue sich auf die Siegerehrung am Abend im heimeligen Ortszentrum des tief verschneiten Are. Dass er dort nur Beiwerk für die Sieger sein würde - was soll's! Besser bei einer WM war ein Deutscher in dieser Disziplin zuletzt 1989, als der spätere Doppel-Olympiasieger Markus Wasmeier Fünfter wurde. Zwei Jahre zuvor hatte Wasmeier mit Bronze die einzige deutsche Medaille in der zweitschnellsten Disziplin gewonnen. Dominik Schwaiger (Königssee) belegte einen respektablen 15. Platz, Manuel Schmid (Fischen) schied aus.

Ferstl bekannte aber auch, dass mehr drin gewesen wäre. Allein, die chaotische Anreise nach Are, für die er und andere mehr als 24 Stunden und unter anderem eine neunstündige Zugfahrt durch die Nacht benötigt hatten, erwies sich als ein bisschen zu anstrengend. Ferstl wollte nicht jammern, aber: "Ich war wirklich ein bisschen fertig, ich habe mich zusammenreißen müssen, ein Tag mehr hätte nicht geschadet." Als Ausrede wollte er es nicht hernehmen, auch andere seien betroffen gewesen, und: "Wir sind selbst schuld, wir hätten die Flüge vielleicht anders legen können, aber das kann keiner riechen."

Statt sich weiter zu ärgern, freute sich Ferstl lieber mit Paris. "Domi ist ein guter Freund von mir, ein super Kerl", sagte er. Im Sommer werde er den Südtiroler in dessen Heimat besuchen, um diesen großen Sieg zu feiern. Womöglich werden es auch zwei werden: Paris ist der dominierende Schussfahrer des Winters. Er hat auf der brutalen Stelvio in Bormio Abfahrt und Super-G gewonnen, siegte zwei Tage vor Ferstls Erfolg im Super-G bei der Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel. Der Weg zu Gold in der Königsdisziplin wird am Samstag (12.30 Uhr) nur über ihn führen.

"Schön zu hören, dass sich Pepi mit freut. Die Freude ist riesig ich hab lange gezittert und erst nicht gedacht, dass es reicht", sagte Paris, der mit Startnummer drei den technisch anspruchsvollen Kurs so gefühlvoll fuhr, wie man es ihm kaum zugetraut hätte. Paris kommt eher über die Kraft. Passend dazu ist er ein Freund grimmig-aggressiver Death-Metal-Musik, eine Leidenschaft, die er auch als Sänger einer Band pflegt.

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(rent/sid)
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