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Saison-Zeugnis: Die Gewinner und Verlierer der Wintersport-Saison

Das RP-Zeugnis : Unsere Gewinner und Verlierer der Wintersport-Saison

Die Wintersport-Saison 2021/22 war geprägt von den Olympischen Spielen. Neben Medaillen in Peking gab es auch andere Erfolge und Rekorde – aber ebenso Niederlagen. Wer in diesem Winter überzeugt, überrascht und auch enttäuscht hat.

Die Olympia-Saison ist in fast allen Wintersportarten beendet. Nur die Skispringer müssen vom 25. bis 27. März beim Skiflug-Weltcup im slowenischen Planica noch mal ran. Im Weltcup gab es so manche deutsche Siege. Im Snowboard ging der Gesamtweltcup an Ramona Hofmeister. Andere feierten in der Eisbahn Rekorde oder auf der Schanze WM-Medaillen. Doch es gab auch Rückschläge und Enttäuschungen. Überstrahlt oder bei manchen auch überschattet wird das Wintersportjahr aber vom Saisonhöhepunkt, den Winterspielen in Peking.

Das Comeback der Saison Rückkehrer von schweren Verletzungen gab es auch in diesem Winter wieder viele. Besonders beeindruckend war aber das Comeback des norwegischen Skispringers Daniel-André Tande. Kaum einer hatte im März 2021 daran geglaubt, dass Tande die Olympia-Saison würde bestreiten können, schon gar nicht, dass er ein Kandidat für das Olympia-Team sein könnte. Es war gar zu befürchten, dass der inzwischen 28-Jährige nie wieder auf die Skisprungschanzen oder in den Weltcup zurückkehrt. Was war passiert? Beim Saisonfinale auf der riesigen Skiflugschanze in Planica verliert er im Probedurchgang bei schwierigen Windbedingungen die Kontrolle über den Flug, schlägt bei 78 Metern hart auf den Hang, rutscht diesen hinunter und ist bewusstlos. Der Skiflug-Weltmeister von 2018 muss an der Schanze beatmet werden, im Krankenhaus wird er in ein künstliches Koma versetzt. Schädel und Lunge sind verletzt, das Schlüsselbein ist gebrochen, lebensgefährlich ist es aber nicht.

Im Sommer kehrt Tande ins Training zurück, arbeitet sich langsam an die größeren Schanzen heran und ist im Herbst so fit, dass er für das Weltcup-Team nominiert wird. Schon das ist ein riesen Erfolg für ihn, nicht nur körperlich, vor allem auch psychisch. Konstant arbeitet er sich wieder an die Weltspitze heran. Am 6. März gewinnt er das Heimspringen in Oslo und wird gefeiert. Eine Woche später holt er bei der Skiflug-WM mit der Mannschaft Bronze.

Die Dominatoren der Saison Im Eiskanal gab es 2021/22 kaum ein Vorbeikommen an den deutschen Athletinnen und Athleten – ob beim Rodeln oder im Bob. Auf dem Schlitten holte das deutsche Team nicht nur bei Olympia in allen Wettbewerben Gold und auch noch weitere Medaillen, sondern auch bei den Frauen, Männern, im Doppelsitzer und Team jeweils den Gesamtweltcup. Das Bob-Team gewann bei den Männern im Zweierbob gleich alle drei Medaillen und blieb nur im neuen Monobob der Frauen ohne Erfolg. Auch im Skeleton gingen die Olympiasiege nach Deutschland.

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Der Dominator schlechthin war aber auch im starken deutschen Team des Bob- und Schlittenverbandes wieder einmal Francesco Friedrich. Der Doppel-Olympiasieger von 2018 und 2022 ist nun nicht nur gemeinsam mit André Lange der erfolgreichste Bobsportler bei Winterspielen, er gewann auch 13 von 16 Weltcups in dieser Saison und sicherte sich zum vierten Mal in Folge den Gesamtweltcup in Zweier- und Viererbob.

Die Überraschung der Saison Aus deutscher Sicht sind das gang klar die Langläuferinnen. Schon im Weltcup konnten die Frauen zu Beginn des Winters für kleine Achtungserfolge sorgen, wenn auch kein Podestplatz dabei war. Den hatten sich die Athletinnen von Bundestrainer Peter Schlickenrieder für den Höhepunkt aufgespart. Erst lief die Frauen-Staffel sensationell zu Silber, die Erwartungen an das Langlaufteam bei Olympia waren damit deutlich übertroffen. Doch Katharina Hennig und Victoria Carl legten noch einen drauf und gewannen im Teamsprint sogar Gold. Ein Erfolg, mit dem selbst der Trainer noch nicht gerechnet hatte. „Das ist eine Sensation, ich habe eine Medaille nicht für realistisch gehalten", sagte Schlickenrieder über den Triumph.

Die Höhepunkte der Wintersport-Saison 2021/22

Die Enttäuschung der Saison Bei den Olympischen Spielen war das sicherlich US-Superstar Mikaela Shiffrin – vor allem für sich selbst. Sie will nach Siegen zur besten Skirennfahrerin aller Zeiten werden. Bei Olympia ging sie auch deswegen in sechs Wettbewerben an den Start. Doch Peking wurde für die 27-Jährige zum Drama. Im Slalom und Riesenslalom schied sie im ersten Durchgang früh aus, in der Kombination kam sie im Slalom ebenfalls nicht ins Ziel. Am Ende blieb sie bei Olympia ohne Medaille und war bitter enttäuscht, wollte aber auch Kraft aus den Niederlagen ziehen. Am Saisonende gab es mit dem Gewinn des Gesamtweltcups für sie dann immerhin ein versöhnliches Ende des Winters 2021/22.

Aus deutscher Sicht waren in diesem Winter vor allem die Leistungen des alpinen Ski-Teams in den Speed-Disziplinen enttäuschend. Zumeist fuhren die deutschen Starter der Konkurrenz hinterher. Auch die medaillenlosen Winterspiele für die Biathlon-Männer waren eine Enttäuschung.

Eine ganz persönliche Enttäuschung erlebten die Nordischen Kombinierer Eric Frenzel und Terence Weber. Beide wurden nach der Anreise in Peking positiv auf das Coronavirus getestet und mussten ins Quarantäne-Hotel. Sie verpassten die ersten Rennen und mussten lange warten, bis endlich zwei Tests negativ ausfielen. Weber war da bereits für das letzte Rennen ersetzt worden. Frenzel gewann immerhin noch mit dem Team Silber. 

Der Rekord der Saison Jarl Magnus Riiber hat in dieser Saison zwar einige Weltcups auslassen müssen, hat sich im letzten Wettbewerb der Saison aber doch noch den Gesamtweltcup geschnappt und zudem den Siegrekord in der Nordischen Kombination geknackt. Der Norweger gewann in Schonach zum 49. Mal in seiner Karriere im Weltcup. Damit verbesserte er die seit 2010 bestehende Bestmarke der meisten Weltcupsiege des Finnen Hannu Manninen, der 48 Siege in seiner Karriere geholt hatte. 

Der Zweikampf der Saison Ob Vierschanzentournee, vor Olympia oder im Weltcup – die Saison im Skispringen ist von dem Duell zwischen dem Deutschen Karl Geiger und dem Japaner Ryoyu Kobayashi geprägt. Immer wieder wechselte die Weltcupführung zwischen den beiden. Im Internet kursierten schon lustige Videos von streitenden Kindern oder kleinen Boxkämpfen mit Anspielungen auf den Zweikampf der beiden.

Erst lag Geiger zu Saisonbeginn lange vorne. Bei der traditionsreichen Vierschanzentournee dominierte dann der Japaner. Er gewann drei von vier Springen und die Tournee, während sie für Geiger enttäuschend verlief. Doch Geiger bewies einmal mehr, dass ihn Rückschläge motivieren. Er konterte mit starken Sprüngen und Siegen und eroberte die Führung im Gesamtweltcup vor den Olympischen Winterspielen zurück. In Peking schien wieder alles auf Geiger und Kobayashi als große Favoriten hinauszulaufen. Doch Geiger kam mit den Schanzen nicht zurecht. Kobayashi gewann immerhin von der Normalschanzen, aber auf der Großschanze war der Norweger Marius Lindvik der sprichwörtlich lachende Dritte, der sich den Olympiasieg sicherte – genauso übrigens wie bei der Skiflug-WM im März, die er gewann. Beim Saisonfinale im slowenischen Planica ging der Zweikampf dann beim Skifliegen in die finale Runde. Doch richtig spannend wurde es nicht mehr. Geiger ging zum Saisonende etwas die Luft aus, Kobayashi feierte im Sonnenschein von Planica strahlend den Sieg im Gesamtweltcup.

Der Aufreger der Saison Den gab es bei den Olympischen Spielen. Beim ersten olympischen Mixed-Team-Wettbewerb im Skispringen wurden gleich fünf Skispringerinnen aus Topnationen wegen angeblich zu großer Sprunganzüge disqualifiziert. Darunter die deutsche Katharina Althaus und Japans Superstar Sara Takanashi. Beide Teams hatten so keine Chance mehr auf eine Medaille. Kostenpflichtiger Inhalt Alle Springerinnen beteuern, diese Anzüge schon beim Einzelwettbewerb getragen zu haben, da waren sich noch regelkonform. Beim Mixed-Wettbewerb prüfte aber auch der Kontrolleur aus dem Herren-Weltcup die Anzüge mit. Offenbar wurden diesmal andere Maßstäbe angelegt als bisher im Weltcup. Endgültig klären ließ sich der Vorgang nicht, aber nicht nur die deutschen Trainer und Funktionäre vermuteten, dass ausgerechnet bei Olympia ein Exempel statuiert werden sollte. Ein Eklat, der der Sportart immens geschadet hat.

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