Markus Eisenbichler greift nach der WM-Krone

Zweiter der Vierschanzentournee : Extrem-Flieger Eisenbichler jagt die WM-Krone

Auf Markus Eisenbichler ruhen bei der WM die größten Hoffnungen der deutschen Skispringer. Der Urbayer war bislang auf zweite Plätze abonniert.

Wenn Markus Eisenbichler am Samstag nach WM-Gold greift, wird der Filigran-Sport Skispringen zur derb-martialischen Angelegenheit: Mit seiner selbstgewählten Devise "Sieg oder Sarg, Pokal oder Spital" fliegt Deutschlands großer Hoffnungsträger in Innsbruck talwärts, hat dabei stets den Wiltener Friedhof im Blick. Eisenbichler weiß zu gut, dass im Kampf um die Weltmeisterschafts-Krone nur volles Risiko hilft.

"Im Einzel will jeder vorne angreifen. Die Vorfreude bei mir ist extrem groß, bei den Kollegen auch - wir haben einfach ein saugutes Team", sagte Eisenbichler vor der Qualifikation auf der Großschanze am Freitag (14 Uhr, Entscheidung Samstag, 14.30 Uhr/jeweils ARD und Eurosport) und sprühte förmlich voller Tatendrang. Schließlich liegt sein großer Durchbruch förmlich in der Luft.

"Ich weiß, dass ich vorne mitkämpfen kann. Aber ich muss mich auf das Wesentliche konzentrieren, gute Sprünge machen", sagte der 27-Jährige. In vier Weltcup-Springen war er im WM-Winter Zweiter, ebenso in der Tourneewertung. Dass endlich einmal die "1" vor seinem Namen auf der Anzeigetafel aufleuchtet, ist eigentlich nur eine Frage der Zeit - und die könnte in Innsbruck gekommen sein.

"Wenn er einen guten Sprung macht, ist er der Allerbeste", sagt Bundestrainer Werner Schuster: "Dann kann Markus auch den Kobayashi schlagen." Jener, Ryoyu mit Vornamen, ist auch bei der WM die Referenzgröße: Wenn Eisenbichler Zweiter wurde, lag stets der zehnmalige Saisonsieger aus Japan vor ihm, teils hauchdünn.

Bei der Vierschanzentournee siegte Kobayashi auf eben jener Bergiselschanze, die nun WM-Schauplatz ist, Anfang Januar allerdings mit Riesenvorsprung. Eisenbichler, damals nur 13., hatte satte 24 Meter Rückstand. "Kobayashi ist der Topfavorit, es kommen aber zehn Springer für die Medaillen infrage", sagt Schuster. Eisenbichler verweist darauf, dass er "die Schanze sehr mag. Ich habe sehr gute Erinnerungen."

Allerdings bleibt Eisenbichler ein Wandler zwischen den Welten, zwischen Traumflügen und halsbrecherischen Wacklern, wie zuletzt in Willingen, ist alles drin. Seine Sarg-Spital-Weisheiten, einst von seinem Jugendtrainer übernommen, haben durchaus Berechtigung - auch weil Eisenbichler 2012 nach einem fürchterlichen Sturz einen Monat im Krankenhaus lag.

"Markus hat einen irrsinnigen Zug im Sprung. Wenn er das mal übertreibt, wird es ein Tanz auf der Rasierklinge", sagt Schuster: "Das ist eine Folge seines aggressiven Absprungs, obwohl gerade der seine Stärke ist." Der Bundestrainer bringt es auf den Punkt: "An guten Tagen ist er einer der Besten, an schlechten ist er halt raus."

Und genau so lief es für den kernigen Urtyp aus Siegsdorf bei den jüngsten Großereignissen: Bei der WM 2017 in Lahti lief es für Eisenbichler großartig, er holte Bronze von der Normalschanze und wurde Mixed-Weltmeister. Ein Jahr später wurde "Eisei" bei Olympia in Pyeongchang Achter und 14., flog aus dem Team und musste tieftraurig zusehen, wie dieses Silber gewann.

Die Rückschläge hat Eisenbichler aber ebenso abgehakt wie seine knapp verpassten ersten Plätze. "Ich trauere dem nicht nach", sagte er der "Welt": "Aber ich würde schon gerne mal ein Springen gewinnen." Es muss ja nicht gleich "Sieg oder Sarg" sein - am Samstag in Innsbruck würde schon ein schlichtes "Jetzt oder nie" genügen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Markus Eisenbichler

(sef/sid)
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