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Coronavirus: Der Wintersport plant die Saison 2020/21 mit Zuschauern

Szenarien für Saison 2020/21 : Der Wintersport plant zweigleisig

Skispringen, Ski Alpin und Biathlon sollen mit Zuschauern stattfinden. Aber es gibt auch andere Ideen für die Saison. Die Corona-Pandemie verlangt von Veranstaltern wie Sportlern Fleixbilität weit im Voraus.

Viele Sportarten planen gerade, wie trotz der Corona-Pandemie Wettbewerbe mit Zuschauern stattfinden können. Einige Wintersportarten hoffen sogar auf Weltcups mit vollen Zuschauerrängen. Das liegt auch daran, dass etwa Ski Alpin Freiluftsportarten mit weitläufigen Stadien sind und die Einhaltung von Corona-Regeln dort einfacher sein könnte. Das liegt aber auch daran, dass in der Wintersaison 2020/21 gleich mehrere große Weltmeisterschaften geplant sind.

Dass die Nordische Ski-WM vom 23. Februar bis 7. März 2021 in Oberstdorf ohne Zuschauer stattfinden wird, ist für die Veranstalter unvorstellbar. Der Geschäftsführer der Nordischen Ski-WM GmbH, Moritz Beckers-Schwarz, betont immer wieder, dass man mit einer Auslastung von 100 Prozent plane. Der Ticketverkauf läuft bereits. Um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können, werden die Eintrittskarten personalisiert, etwa 25.000 Karten sind bereits verkauft.

Der Ski-Club Willingen hat bei einer Tagung des Deutschen Skiverbandes ein Konzept für ein Kontrollsystem, das beim Skisprungweltcup nachvollziehen soll, wer sich in welchem Stadionbereich aufhält, vorgestellt. Das könnte auch für andere Weltcup-Orte hilfreich sein.

Die WM-Organisatoren in Oberstdorf haben mehrere Hygienekonzepte erarbeitet. Sie gehen auf unterschiedliche Pandemie-Szenarien und Zuschauerzahlen ein. Getestet werden soll das Hygienekonzept bei der Vierschanzentournee, so der aktuelle Plan.

Das Vorgehen in Oberstdorf entspricht den Maßgaben des internationalen Skiverbandes Fis. Der hält aktuell am geplanten Weltcup-Kalender fest. Für Veranstalter und Athleten hat die Fis Corona-Regeln veröffentlicht. Die sehen unter anderem vor, dass sowohl die Kontakte zwischen den Nationen als auch zu Servicepersonal und Medien minimiert werden. Die Athleten sollen die Auslaufzone und das Ziel möglichst schnell verlassen. Essen soll sowohl für die Teams als auch für Zuschauer nicht in Buffet-Form angeboten werden.

Wenn Zuschauer zugelassen werden, sollen sie in den Skistadien die gängigen Abstandsregeln einhalten. Stehplätze sollen entsprechen markiert und Sitze mit Abstand aufgestellt werden. Zudem soll für die Fans ein Einbahnstraßen-System gelten. So soll dann auch die Alpine Ski-WM im italienischen Cortina d’Ampezzo (8. bis 21. Februar 2021) mit Zuschauern stattfinden können.

Während es in den Ski-Stadien noch vergleichsweise einfach ist, durch feste Plätze die Abstandsregeln einzuhalten, dürfte das etwa beim Biathlon schwieriger werden. Denn dort stehen Tausende Fans direkt an der Strecke. Die Internationale Biathlon Union fordert von den Organisatoren daher zwei Auskünfte: „1. Unter welchen Bedingungen könnte momentan ein Wettkampf mit Zuschauern stattfinden? 2. Was würde es bedeuten, einen Wettkampf ohne Zuschauer durchführen zu können?“, sagte Christian Winkler, Kommunikationsdirektor der IBU dem Deutschlandfunk. Biathlon hat zwar eine starke TV-Präsens, die Veranstalter sind dennoch von den Eintrittsgeldern abhängig.

Ganz anders sieht es beim Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) aus. Der plant die Weltcups in Deutschland vorerst ohne Zuschauer. Rodeln und Bob sind vor allem TV-Sportarten und leben von den Fernsehgeldern. Auch für die Veranstalter spielen die Zuschauereinnahmen eine untergeordnete Rolle. „Sollte es möglich werden, sind wir für eine begrenzte Zahl an Zuschauern offen. Wir wollen die Fans ja nicht ausschließen. Aber neben der Gesundheit aller Beteiligten hat für uns Priorität, dass die Weltcups überhaupt stattfinden“, sagte Thomas Schwab, Vorstandsvorsitzender des BSD unserer Redaktion.

Er hat zusammen mit Experten und Behörden das Hygienekonzept für die Weltcups erarbeitet. „Unsere Regeln sind strenger und stringenter als die der Bundesländer. Deswegen ist es für uns derzeit weniger interessant, was einzelne Ministerpräsidenten entscheiden“, sagt Schwab.

Die einzelnen Nationen werden bei den Wettbewerben strikt von einander getrennt. Auch innerhalb der Teams soll die Zahl der Kontaktpersonen stark begrenzt werden. Die Teams müssen unterschreiben, dass sie sich an die Vorgaben halten. Es gebe Empfehlungen, wie sie ihren Aufenthalt am Weltcup-Ort am sichersten gestalten. Im Start- und Zielbereich sowie in den Umkleideräumen werde es Abstandsmarkierungen geben.

„Für die Veranstalter wäre es das Schlimmste, wenn schon alles aufgebaut ist und der Weltcup dann wegen eines Corona-Falls abgebrochen werden muss“, sagte Schwab. Deswegen müssten alle Teilnehmer, Betreuer oder Trainer bereits bei der Anreise einen negativen Corona-Test vorweisen. „Vor Ort werden sie dann noch mal getestet, so dass es jede Woche regelmäßige Testungen gibt“, sagte Schwab. Er geht davon aus, dass das Konzept des BSD auch von anderen Nationen übernommen wird.