Biathlon: Neuner verpasst 19. Weltcup-Sieg knapp

Biathlon: Neuner verpasst 19. Weltcup-Sieg knapp

Kontiolahti (RPO). "Gold-Lena" Neuner weiter in Gelb, Kati Wilhelm und Simone Hauswald auf dem Podium - nur das erneut schwache Abschneiden der Männer trübte die Freude der deutschen Biathleten im finnischen Winter. An der enttäuschenden Bilanz der bei Olympia medaillenlosen Skijäger änderte auch Arnd Peiffers starker Auftritt mit den Plätzen vier und neun in Kontiolahti nichts mehr.

"Ich bin überzeugt, dass diese Mannschaft nicht so schlecht ist, wie sie gemacht wird", sagte Bundestrainer Frank Ullrich. Der Coach kritisierte zugleich seine Routiniers um den dreimaligen Turin-Olympiaisieger Michael Greis, der als 78. des Sprints an der Verfolgung am Sonntag nicht mal teilnehmen durfte. "Die jüngeren Athleten sind gelöster, zielstrebig und ehrgeizig. Die, die vorne stehen, kommen nicht mit dem Belastungsdruck zurecht", sagte er.

Druck, Belastung, Stress - Magdalena Neuner steckt all das weg wie nichts. Mit den Plätzen fünf und zwei baute sie ihren Vorsprung im Gesamtweltcup vor Helena Jonsson (Schweden), die zweimal Neunte wurde, auf 32 Punkte aus. Vor den letzten fünf Saisonrennen träumt die Doppel-Olympiasiegerin von ihrer zweiten großen Kristallkugel.

"Wo ist Helena?"

"Es ist sehr schön, dass ich das Gelbe habe, ich möchte es ganz gerne behalten. Es wird jetzt bei mir immer im Hinterkopf sein: Wo ist Helena?", sagte sie. Jonsson will kämpfen: "Ich hoffe, dass ich Magdalena noch schlagen kann. Aber es wird schwer."

Den Kampf um den Verfolgungs-Weltcup hat Neuner schon vor dem letzten Rennen in der kommenden Woche in Oslo gewonnen - zum ersten Mal. "Cool, ich wusste vorher nicht einmal, dass ich das rote Trikot habe. Dass es geklappt hat, ist super. Die kleine Kugel zum Anfang ist schön, vielleicht kommt die große ja noch dazu", sagte sie.

Zudem zog Wilhelm vier Tage nach Ankündigung ihres Rücktritts zum Saisonende als Zweite im Sprint in der Disziplinwertung mit der Schwedin Jonsson gleich. "Ich will meine letzten Rennen einfach nur noch genießen", sagte sie nach Platz sechs in der Verfolgung, in der Simone Hauswald Dritte wurde. Auch Andrea Henkel überzeugte mit den Plätzen sechs und acht.

Frauen-Cheftrainer Uwe Müssiggang bilanzierte nach den ersten nacholympischen Rennen zufrieden: "Die Mädchen haben die Belastungen der Spiele und den Stress danach überraschend gut verkraftet." Vor allem Neuner. "Lena ist fantastisch. Wenn man bedenkt, was sie nach Olympia alles mitgemacht hat, war das echt stark", sagte Müssiggang.

Männer schießen schwach

Kollege Ullrich war weniger zufrieden. Im Sprint schossen seine sieben Läufer 17 "Fahrkarten", in der Verfolgung waren es bei fünf Startern 19 Fehlschüsse. Ullrich will deshalb "im Nachwuchsbereich" einen Schießtrainer engagieren, "den man gerne mal im Spitzenbereich integrieren kann". Das ist ganz offensichtlich auch notwendig.

  • Biathlon : Neuner behält Gelbes Trikot
  • Biathlon : Neuner führt Mixed-Staffel auf Rang zwei

Andreas Birnbacher, der sich von Platz 59 im Sprint immerhin auf Rang 23 im Verfolger verbesserte, brachte die Probleme auf den Punkt: "Wenn man so schießt, hat man eben keine Chance. Das ist die ganze Saison über schon ein Problem. Das ist zum Teil Kopfsache." Neben Peiffer deutete nur noch der 21-jährige Simon Schempp mit den Plätzen 15 und zwölf sein Können an.

Tagessiege feierten der Russe Iwan Tscheressow und erstmals der Franzose Martin Fourcade. Im Gesamtweltcup setzte sich der Norweger Emil Hegle Svendsen an die Spitze. Ab Donnerstag geht es für Neuner und Co. am Holmenkollen in Oslo weiter, die letzten Rennen finden am letzten März-Wochenende im russischen Chantij Mansijsk statt.

Ergebnisse:

Biathlon, Weltcup in Kontiolahti/Finnland:

7,5-km-Sprint: 1. Darja Domratschewa (Weißrussland) 21:17,5 Minuten/0 Strafrunden nach Schießfehlern, 2. Olga Saizewa (Russland) 0:08,4 Minuten zurück/0, 3. Kati Wilhelm (Zella-Mehlis) 0:13,5/0, 4. Valj Semerenko (Ukraine) 0:22,1/0, 5. Magdalena Neuner (Wallgau) 0:22,5/2, 6. Andrea Henkel (Großbreitenbach) 0:32,7/0, 7. Marie Laure Brunet (Frankreich) 0:48,6/0, 8. Oksana Chwostenko (Ukraine) 0:50,8/0, 9. Helena Jonsson (Schweden) 0:55,4/1, 10. Sylvie Becaert (Frankreich) 0:57,9/0, 11. Tina Bachmann (Schmiedeberg) 0:59,8/1, 12. Simone Hauswald (Gosheim) 1:05, 4/2, ... 21. Kathrin Hitzer (Gosheim) 1:24,4/2, ... 31. Martina Beck (Mittenwald) 1:40,1/0.

Stand im Sprint-Weltcup (nach 8 von 10 Rennen): 1. Jonsson 267 Punkte, 2. Wilhelm 267, 3. Neuner 262, 4. Anna Carin Olofsson-Zidek (Schweden) 250, 5. Hauswald 242, 6. Saizewa 225, 7. Olga Medwedzewa (Russland) 222, 8. Sandrine Bailly (Frankreich) 216, 9. Swetlana Sleptsowa (Russland) 208, 10. Domratschewa 207, ... 12. Henkel 192, ... 19. Bachmann 164, ... 22. Beck 123, ... 58. Juliane Döll (Oberhof) 29, ... 64. Hitzer 20.

10-km-Verfolgung: 1. Domratschewa 31:32,6 Minuten/1 Strafrunde nach Schießfehlern, 2. Neuner 0:12,1 Minuten zurück/3, 3. Hauswald 0:18,1/1, 4. Semerenko 0:44,0/2, 5. Saizewa 0:52,1/3, 6. Wilhelm 0: 55,1/2, 7. Chwostenko 1:00,1/0, 8. Henkel 1:20,3/3, 9. Jonsson 1:31, 7/2, 10. Anna Buligina (Russland) 1:33,3/0, ... 19. Beck 2:29,7/0, 20. Hitzer 2:35,6/4, ... 32. Bachmann 3:47,9/4.

Stand im Verfolgungs-Weltcup (nach 5 von 6 Rennen): 1. Neuner 235 Punkte, 2. Henkel 194, 3. Hauswald 182, 4. Saizewa 164, 5. Jonsson 155, 6. Sleptsowa 149, 7. Domratschewa 145, 8. Teja Gregorin (Slowenien) 144, 9. Wilhelm 140, 10. Olofsson-Zidek 139, ... 20. Bachmann 93, ... 29. Beck 65, ... 33. Döll 47, ... 47. Hitzer 21.

Stand im Gesamtweltcup (nach 20 von 25 Rennen): 1. Neuner 719 Punkte, 2. Jonsson 687, 3. Henkel 652, 4. Wilhelm 630, 5. Hauswald 617, 6. Olofsson-Zidek 601, 7. Domratschewa 579, 8. Saizewa 565, 9. Brunet 505, 10. Gregorin 485, ... 19. Beck 350, ... 24. Bachmann 327, ... 38. Döll 158, ... 62. Hitzer 52.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Magdalena Neuner

(SID/rl)