Biathlon-WM 2020: Schießschwäche der Biathleten wirft Fragen auf

Biathlon-WM 2020 : Schießschwäche der Biathleten wirft Fragen auf

Bei der Biathlon-WM im italienischen Antholz kämpfen die Athleten vom 13. bis 23. Februar um Medaillen. In unserem Telegramm halten wir Sie über alles Wichtige auf dem Laufenden.

Nach dem nächsten Offenbarungseid der deutschen Biathleten am Antholzer Schießstand machte sich Arnd Peiffer sofort an die Aufarbeitung. Leicht, da war sich der Sprint-Olympiasieger sicher, werde diese keinesfalls. Und blinder Aktionismus helfe da schon gar nicht. "Für komplexe Probleme", philosophierte Peiffer, "gibt es immer Lösungen, die einfach, offensichtlich und falsch sind". Doch klar ist auch: Lösungen braucht es, der mannschaftliche Blackout im WM-Einzel war keine Eintagsfliege.

Die schwachen Schießleistungen ziehen sich bei den Männern wie ein roter Faden durch die Titelkämpfe. Im Klassiker über 20 km verzeichneten die fünf DSV-Starter bei 100 Schüssen 24 Fahrkarten. Alleine bei Titelverteidiger Peiffer blieben sechs Scheiben stehen, er landete auf einem enttäuschenden 50. Platz.

Abgesehen von Peiffer, der vor dem schießlastigen Wettkampf nur einen von 30 WM-Schüssen in Sprint und Verfolgung verfehlt hatte, hatten die deutschen Biathleten schon zuvor am kniffligen Schießstand große Probleme offenbart. Bereits in den ersten beiden Rennen leisteten sich Benedikt Doll (zehn Fehler), Philipp Horn (acht) und Johannes Kühn (neun) viel zu viele Fehlschüsse, auch deshalb warten die DSV-Männer immer noch auf die erste Medaille.

Zwar sei es in der Antholzer Arena "unfassbar schwierig, den Wind zu lesen", sagte Ex-Weltmeister Doll und wollte "nicht überhysterisch reagieren", doch er betonte auch: "Ein paar kommen halt durch, und die gewinnen dann." Auf die Frage, ob Hilfe von außen durch einen externen Schießtrainer die Lösung sein könnte, meinte Peiffer: "Wir müssen uns grundsätzlich die Kritik gefallen lassen und überlegen, wie wir das verbessern können. Ob das personeller Natur ist, liegt nicht in meinem Kompetenzbereich. Aber klar, man kann darüber diskutieren."

Was frischer Wind bewirken kann, zeigten etwa die Norweger. 2016 lotsten sie den französischen Nationaltrainer Siegfried Mazet, der Martin Fourcade zu unzähligen Erfolgen geführt hatte, als Schießtrainer nach Skandinavien. Und auch dort leistete Mazet ganze Arbeit, machte aus dem überragenden Läufer Johannes Thingnes Bö auch einen Weltklasse-Schützen - und damit zum Dominator der Szene.

Zwar hat auch das deutsche Team solch einen Spezialisten, vor zwei Jahren wurde der frühere Frauen-Nationalcoach Gerald Hönig als Schieß-Bundestrainer installiert. Allerdings wird die Expertise des Thüringers von den Athleten nur selten in Anspruch genommen, in der ersten WM-Woche war er lediglich privat in Antholz.

Der Sportliche Leiter Bernd Eisenbichler hatte bereits am Rande des Weltcups in Oberhof im Januar betont, dass es ohnehin nicht vorgesehen sei, dass Hönig ständig im Spitzenbereich dabei sei. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liege auf der Ausbildung im Anschluss- und Nachwuchsbereich.

Peiffer mahnte jedoch zur Vorsicht. "Einfach irgendeinen Schießtrainer zu holen, damit macht man es auch nicht gleich unbedingt besser", meinte der 32-Jährige: "Die Frage ist: Wen holt man, was soll der auch inhaltlich anders machen?" Aber natürlich, ergänzte er, müsse man sich "Gedanken machen".

+++++20. Februar 2020+++++

Acht deutsche Starter beim Massenstart

In den letzten Einzel-Wettkämpfen der Biathlon-Weltmeisterschaften im italienischen Antholz sind die deutschen Skijäger am Sonntag mit acht Startern dabei. Bei den Frauen haben sich Einzel-Vizeweltmeisterin Vanessa Hinz, die Verfolgungszweite Denise Herrmann, Franziska Preuß und Karolin Horchler einen Platz für den Massenstart erkämpft. Bei den Männern stehen Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer, Benedikt Doll, Johannes Kühn und Philipp Horn im Feld der besten 30.

Während die deutschen Biathletinnen bei den Titelkämpfen in der Südtirol-Arena schon zwei Silber-Medaillen gewonnen haben, drohen den Männern erstmals seit 2016 Weltmeisterschaften ohne Einzelmedaille. Im finalen Massenstart am Sonntag (15.00 Uhr/ARD und Eurosport) haben sie die letzte Chance. Die Frauen starten um 12.30 Uhr. Zuvor stehen am Samstag noch die Staffelrennen auf dem Wettkampfprogramm.

+++++19. Februar 2020+++++

Deutsche Biathleten am Schießstand „nicht konkurrenzfähig“

Arnd Peiffer wollte sich nach seiner "katastrophalen" Schießleistung am liebsten "im Schnee vergraben" - sechs Fehlschüsse und Platz 50 wurden den Ansprüchen des entthronten Titelverteidigers im Klassiker über 20 km nicht im Entferntesten gerecht. "Ich bin natürlich schon sauer auf mich selbst und frustriert", sagte Peiffer, der ein Jahr nach seinem "schönsten Sieg" im Einzel der Biathlon-WM in Antholz maßlos enttäuschte.

Im vergangenen Jahr in Östersund hatte Peiffer noch mit vier tadellosen Einlagen die Goldmedaille gewonnen, am Mittwoch war er am kniffligen Schießstand in der Südtirol Arena von dieser Form Welten entfernt. Alleine vier Fahrkarten - jede mit einer Strafminute sanktioniert - leistete sich der 32-Jährige am letzten Stehendanschlag. "Das ist natürlich indiskutabel", urteilte Peiffer selbstkritisch.

"Ich hatte wahnsinnig viel Bewegung drin, ich habe die Waffe nicht ruhig bekommen", analysierte der Sprint-Olympiasieger: "Ich bin schon fast verzweifelt." Damit war er nicht alleine, wieder einmal haben sich die deutschen Biathlon-Männer aus den Medaillenrängen geschossen und warten weiter auf Edelmetall in Antholz.

Benedikt Doll war als Zwölfter beim Sieg des Franzosen Martin Fourcade noch der beste DSV-Athlet - er leistete sich vier Schießfehler. Philipp Horn (vier Fehler/21.), Johannes Kühn (26.), Philipp Nawrath (beide fünf/47.) und eben Peiffer landeten in dem prestigeträchtigen Wettkampf unter ferner liefen, es war das schlechteste deutsche Abschneiden in einem WM-Einzel seit 2008. Insgesamt leisteten sich die fünf DSV-Starter 24 Fehlschüsse.

"Die Fehlerquote war am Schießstand natürlich eindeutig zu hoch", monierte Bundestrainer Mark Kirchner mit grimmigem Blick: "Da bist du einfach nicht konkurrenzfähig." Doll fand es "so schwierig, diesen Wind zu lesen", doch der Breitnauer fügte auch an: "Ein paar kommen halt durch, und die gewinnen dann. Und da könnten ja auch Deutsche dabei sein. Das könnte man schon kritisch beurteilen."

Fourcade (1 Fehler), der zweitplatzierte Norweger Johannes Thingnes Bö (2) und Bronze-Gewinner Dominik Landertinger (1/Österreich) kamen bei teilweise komplizierten Windbedingungen ordentlich durch. Die Deutschen verfehlten hingegen reihenweise die Scheiben.

"Da muss ich viel Aufbauarbeit leisten", sagte Routinier Erik Lesser, der auch wegen einer durchwachsenen Saison nicht für den Wettkampf nominiert worden war, aber am Donnerstag (15.15 Uhr/ARD und Eurosport) in der Single-Mixed-Staffel an der Seite von Franziska Preuß zum Einsatz kommt.

Abgesehen von Peiffer, der vor dem schießlastigen Wettkampf nur einen von 30 WM-Schüssen in Sprint und Verfolgung verfehlt hatte, hatten die deutschen Skijäger schon in den ersten beiden Rennen am Schießstand große Schwierigkeiten offenbart. In Sprint und Verfolgung leisteten sich Doll (zehn Fehler), Horn (acht) und Kühn (neun) viel zu viele Fahrkarten, um in den Kampf um Edelmetall einzugreifen.

"Wir müssen uns grundsätzlich die Kritik gefallen lassen und überlegen, wie wir das verbessern können", sagte Peiffer und meinte: "Es gibt einfach Tage, da funktioniert es nicht." Nur sollten sie nicht allzu oft vorkommen.

+++++19. Februar 2020+++++

TV-Vertrag verlängert – Biathlon bis 2026 bei ARD und ZDF

Der TV-Quotenbringer Biathlon läuft auch in den nächsten sechs Jahren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bei ARD und ZDF. Der Weltverband IBU und die Europäische Rundfunkunion EBU haben ihren laufenden TV-Vertrag vorzeitig bis 2026 verlängert. Wie die IBU am Mittwoch mitteilte, haben beide Seiten zudem eine Verlängerungsoption für weitere vier Jahre ausgehandelt.

„Eine gute Nachricht für alle Biathlonfans. ZDF und ARD haben seit vielen Jahren zur Popularität der Wintersportart Nummer eins beigetragen. Wir freuen uns, dass diese Erfolgsgeschichte nun ihre Fortsetzung findet“, erklärte ZDF-Intendant Thomas Bellut in einer Mitteilung. ARD-Sportrechte-Intendant Ulrich Wilhelm erläuterte: „Ich freue mich sehr, dass unser Publikum auch künftig live bei den Wettbewerben dabei sein wird.“

Auch bei den momentan in Antholz stattfindende Weltmeisterschaften zieht Biathlon im Fernsehen. Den Silber-Lauf von Vanessa Hinz im 15-Kilometer-Einzel am Dienstag sahen 3,45 TV-Zuschauer. Am Wochenende saßen jeweils mehr als fünf Millionen Zuschauer bei den Sprint- und Verfolgungsrennen vor den Fernsehschirmen.

Der neue Vertrag zwischen IBU und EBU, zu der auch ARD und ZDF gehören, umfasst unter anderem alle Biathlon-Weltcups sowie sämtliche Weltmeisterschaften, darunter auch die Heim-WM 2023 in Oberhof. „Die Vereinbarung spiegelt die Popularität des Biathlons in Europa und der ganzen Welt wider. Die signifikante Steigerung der Einnahmen garantiert, dass sich unser Sport, unsere Athleten, unsere nationalen Verbände und unsere Organisationskomitees entsprechend den Zielen unseres strategischen Plans Target 26 entwickeln können“, sagte IBU-Präsident Olle Dahlin. Zahlen nannte er allerdings nicht.

+++++19. Februar 2020+++++

Vanessa Hinz läuft überraschend zu Silber

Vanessa Hinz wusste sofort, dass ihr ein fantastisches Rennen gelungen war. Noch im Liegen ballte sie ihre Hände erleichtert zu Fäusten, die Zunge streckte sie nach der Tortur über 15 km erschöpft heraus. Zwar fehlten ihr bei der Biathlon-WM in Antholz läppische 2,2 Sekunden zur Goldmedaille, über den Silber-Coup und den größten Erfolg ihrer Karriere freute sie sich aber genauso.

"Vize-Weltmeisterin hört sich verdammt geil an. Es ist ein unglaublich schöner Tag, ich zittere immer noch", sagte Hinz, die dem Deutschen Skiverband (DSV) nach Verfolgungs-Silber von Denise Herrmann die zweite Medaille bescherte, im ZDF. Herrmann ("Es freut mich extrem für Vanessa") musste sich am Dienstag mit dem elften Rang zufriedengeben, Bronze ging hinter Wierer und Hinz an Marte Olsbu Röiseland (+15,8 Sekunden).

Hier finden Sie den Medaillenspiegel der Biathlon-WM.

Hinz, die im Weltcup schon einmal im Massenstart (2018) triumphiert hatte, bejubelte derweil ihre erste WM-Medaille in einem Einzelrennen. Dreimal Gold und einmal Silber hatte sie zwar bereits in Team-Wettbewerben gewonnen, als Einzelkämpferin schaffte es sie aber nie auf das Podium.

Dass ihr das im Klassiker in Antholz gelingen würde, war trotz einer durchwachsenen Saison gar nicht mal überraschend. Ihr bestes Resultat im längsten Rennen der Szene hatte sie 2017 verbucht, es war ein sechster Rang - in Antholz. Zudem zählt Hinz zu den sicheren Schützinnen im deutschen Team.

Wegen ihrer Anfälligkeiten am Schießstand war Herrmann im Einzel bis auf eine Ausnahme hingegen nie groß in Erscheinung getreten. Bei der WM-Generalprobe in Pokljuka am 24. Januar traf sie aber 20 Mal und feierte völlig überraschend ihren fünften Weltcup-Sieg. "Wer hätte das gedacht?", war ihre damalige Reaktion.

Am Dienstag wurde schnell klar, dass diese Leistung vorerst einmalig bleiben sollte. Bei wechselhaften und deshalb höchst diffizilen Lichtbedingungen verfehlte gleich der erste Schuss das Ziel, ein weiterer kam im zweiten Anschlag dazu. Nachdem sie dank einer tollen Laufleistung aber doch noch auf eine Medaille hoffen durfte, unterliefen ihr nach einer Null-Serie im dritten noch zwei Fehler im vierten Anschlag.

Franziska Preuß (Haag), die bei Herrmanns Erfolg in Pokljuka auf einem mutmachenden fünften Rang gelandet war, handelte sich bereits mit den ersten beiden Schüssen Strafminuten ein. Dabei blieb es, sie beendete das Rennen auf dem starken fünften Rang.

Bei den Männern wird im Klassiker über 20 km am Mittwoch (14.15 Uhr/ARD und Eurosport) vor allem Arnd Peiffer im Fokus stehen - schließlich hatte er im Vorjahr im Einzel von Östersund überraschend WM-Gold geholt. Eine besondere Motivation zieht der 31-Jährige daraus aber nicht. "Für mich bedeutet es recht wenig, dass ich Titelverteidiger bin. Dafür kann man sich nichts kaufen", sagte der Sprint-Olympiasieger.

Dank Peiffers Titelgewinn und dem damit verbundenen persönlichen Startrecht darf der DSV fünf Athleten ins Rennen schicken. Neben dem Clausthal-Zellerfelder stehen Benedikt Doll (Breitnau), Johannes Kühn (Reit im Winkl), Philipp Horn (Frankenhain) und erstmals in Antholz auch Philipp Nawrath (Nesselwang) am Start. Nach den enttäuschenden Trefferleistungen seiner Teamkollegen im Verfolger forderte Peiffer für das schießlastige Einzel eine Steigerung: "Wir müssen gesamtmannschaftlich am Schießstand eine deutlich bessere Leistung an den Tag legen, um konkurrenzfähig zu sein."

+++++18. Februar 2020+++++

Benedikt Doll ist unsicher im Umgang mit Dopingsünder Alexander Loginow

Biathlet Benedikt Doll tut sich im Umgang mit dem umstrittenen Sprint-Weltmeister Alexander Loginow aus Russland schwer. "Durch die hohe Medienpräsenz stecken wir ja auch in einem Zwiespalt. Wenn man ihm im Ziel gratuliert oder die Hand schüttelt, stellt sich automatisch die Frage: Welches Bild von einem selbst wird da nun in die Welt hinausgeschickt?", sagte Doll im Interview mit der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten (Mittwoch-Ausgaben). Man sei "deshalb unsicher im Umgang mit ihm, weil man nicht weiß, was die Medien daraus machen".

Loginow war zwei Jahre wegen Epo-Dopings gesperrt und wird vom überwiegenden Teil der Sportler gemieden. Vor allem der Franzose Martin Fourcade hatte den Russen immer wieder scharf kritisiert.

"Es ist schwierig, ihn einzuschätzen, er wird anders behandelt, da stimme ich zu. Ich denke, er bekommt jeden Tag wie vor einem Spiegel vorgehalten, dass er einen Fehler gemacht hat", sagte Doll (Breitnau) und fügte an: "Wenn jemand schon einmal betrogen hat, liegt es nahe, ihm nicht mehr so vorbehaltlos zu glauben, er sei sauber. Solange niemand beweist, dass er wieder gedopt hat, erkenne ich seine Leistung an."

+++++18. Februar 2020+++++

Denise Herrmann und Vanessa Hinz kämpfen um Medaillen

Denise Herrmann (Oberwiesenthal), Vanessa Hinz (Schliersee), Franziska Preuß (Haag) und Karolin Horchler (Clausthal-Zellerfeld) sollen bei der Biathlon-WM in Antholz am Dienstag (14.15 Uhr/ARD) im Einzelrennen über 15 km für die zweite deutsche Medaille sorgen. "Die haben im Verfolger gute Leistungen gezeigt, da können wir morgen voll angreifen", sagte Disziplintrainer Kristian Mehringer zur Aufstellung. Janina Hettich (Schönwald) bleibt wie schon im Verfolgungsrennen am Sonntag nur die Zuschauerrolle.

+++++18. Februar 2020+++++

Arnd Peiffer ist in Antholz Außenseiter