Biathlon-WM 2020: Deutsche Biathleten bleiben im Einzel ohne Medaille

Biathlon-WM 2020 : Deutsche Biathleten ohne Chance im Wettstreit der Norweger und Franzosen

Die deutschen Biathleten beenden die Weltmeisterschaft ohne Einzel-Medaille. Bei der Biathlon-WM in Antholz kämpfen die Athleten um Edelmetall. In unserem Telegramm halten wir Sie über alles Wichtige auf dem Laufenden.

Die deutschen Biathleten haben wie vor vier Jahren die WM ohne Einzel-Medaille beendet. In Antholz reichte es im abschließenden Massenstart über 15 km für Johannes Kühn (Reit im Winkl) als besten Deutschen nur zu Rang zehn. Auch Benedikt Doll (Breitnau/12.), Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld/21.) und Philipp Horn (Frankenhain/24.) waren weit vom Podest entfernt.

"Ich bin froh, wenn wir jetzt heimfahren. Der Schießstand ist so schwer", klagte Kühn am ARD-Mikrofon wohl stellvertretend für seine Teamkollegen. Insgesamt erlaubten sich die vier Deutschen alleine am Sonntag 20 Schießfehler.

Aus dem norwegisch-französischen Duell ging indes Johannes Thingnes Bö als Sieger hervor, der Skandinavier gewann Gold vor den Franzosen Quentin Fillon Maillet (+42,0 Sekunden) und Emilien Jacquelin (+55,0). Unter den ersten Acht landeten vier Norweger und drei Franzosen.

Insgesamt holten die Athleten des Deutschen Skiverbandes (DSV) bei den Titelkämpfen fünf Medaillen. Denise Herrmann (Verfolgung), Vanessa Hinz (Einzel), die Frauenstaffel und die Single-Mixed-Staffel gewannen Silber, die Männerstaffel holte zudem Bronze. Das bedeutete gleichzeitig auch die erste goldlose WM für den DSV seit sieben Jahren.

+++++23. Februar 2020+++++

Deutsche Biathletinnen im Massenstart ohne Medaille

Auch wenn die am Vortag mit Staffel-Silber dekorierten deutschen Biathletinnen beim großen WM-Finale keine Medaille mehr holten, von Magdalena Neuner gab es ein dickes Lob für die Leistungen ihrer Nachfolgerinnen in Antholz. „Mein Fazit fällt positiv aus“, sagte die ARD-Expertin. „Meine Einschätzung war eigentlich so, dass ich dachte die Männer sind diejenigen, die hier Medaillen abräumen. Am Ende waren es die Mädels“, meinte die Rekordweltmeisterin. „Toll wäre natürlich noch eine Goldmedaille gewesen.“

Doch die sieben Goldmedaillen holten die Norwegerin Marte Olsbu Röiseland (5) und die Italienerin Dorothea Wierer (2). Mit ihrem finalen Triumph am Sonntag im Massenstart vor Wierer und der Schwedin Hanna Öberg gewann Röiseland ihr fünftes Gold. Sie hat nun als erste Skijägerin überhaupt sieben Medaillen bei sieben Starts gewonnen. „Ich bin überglücklich, das ist einfach eine tolle Weltmeisterschaft“, sagte die 29-Jährige über ihre Auftritte in der Südtirol-Arena.

Am Final-Sonntag war Franziska Preuß (3 Fehler) als Achte über die 12,5 Kilometer mit einem Rückstand von 1:00,3 Minuten beste deutsche Skijägerin. „Mehr war nicht drin. Ich bin körperlich schon ziemlich fertig“, sagte die 25-Jährige. Zusammen mit Erik Lesser hatte sie Silber in der Single-Mixed-Staffel gewonnen und gehörte am Samstag neben Denise Herrmann, Vanessa Hinz und Karolin Horchler zur silbernen Damen-Staffel. „Grundsätzlich bin ich zufrieden, mit zwei Medaillen heimzufahren“, meinte die Bayerin, die sich in allen Einzel-Rennen in den Top Acht platziert hatte. „In jedem Einzel-Rennen ein Top-Ergebnis, das ist einfach cool“, sagte sie.

Trotz sieben Strafrunden kam die Verfolgungszweite Denise Herrmann im Massenstart noch auf Rang zwölf. „Mit dem Laufen ging es gut, aber es ärgert mich ungemein, wie man so leichtfertig eine bessere Platzierung vergeben kann“, sagte die 31-Jährige. „Aber die WM war trotzdem sehr, sehr gut.“ Im Vorjahr in Östersund hatte die frühere Langläuferin allerdings einen kompletten Medaillensatz abgeräumt, und neben Mixed-Silber noch Gold in der Verfolgung und Bronze im Massenstart gewonnen.

Karolin Horchler (3) wurde 13., Vanessa Hinz (3) beendete die WM auf Rang 17. Die 27 Jahre alte Hinz hatte mit dem Gewinn von Silber über die 15 Kilometer für eine der großen Überraschungen aus deutscher Sicht gesorgt. „Für mich ist ein Traum ist in Erfüllung gegangen“, sagte sie. „Jetzt freue ich mich auf daheim, auf meine Oma, auf meine Tante. Die haben schon den Sekt kalt gestellt, dann können wir daheim noch ein bisschen feiern.“

+++++23. Februar 2020+++++

Loginow sagt Teilnahme am Massenstart nach Doping-Razzia ab

Einen Tag nach der Doping-Razzia in seinem Hotelzimmer hat der russische Biathlon-Weltmeister Alexander Loginow seine Teilnahme am abschließenden WM-Massenstart in Antholz am Sonntag (15.00 Uhr/ARD und Eurosport) abgesagt. Der 28-Jährige befinde sich "aufgrund der jüngsten Umstände nicht in einem optimalen psychologischen Zustand" für das Rennen, teilte der russische Biathlon-Verband (RBU) auf Twitter mit.

Die Polizei hatte am frühen Samstagmorgen auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Bozen unter anderem das Hotelzimmer des ehemaligen russischen Dopingsünders durchsucht. Nur eine Woche zuvor hatte Loginow, der 2014 des Epo-Dopings überführt und für zwei Jahre gesperrt worden war, mit seinem überraschenden WM-Titel im Sprint schon die Gemüter erhitzt. Dazu holte er Bronze in der Verfolgung. Im Staffelrennen führte Loginow das russische Quartett am Samstag nur wenige Stunden nach der Razzia als Schlussläufer auf Rang vier.

Die Staatsanwaltschaft führte die Durchsuchung auf Basis von Paragraph 586 des Strafgesetzbuches durch. Dieser untersagt die Verwendung oder Verabreichung von Dopingmitteln. Unter anderem wurden Loginows Handy und Laptop konfisziert, auch dessen persönlicher Trainer Alexander Kasperowitsch war Ziel der Operation.

"Das Wichtigste ist jetzt, sein psychisches Gleichgewicht wiederherzustellen", sagte Kasperowitsch über seinen Schützling gegenüber der russischen Nachrichtenagentur TASS. "Was er sich jetzt am meisten wünscht, ist die Wiedervereinigung mit seiner Familie", fügte er hinzu.

+++++22. Februar 2020+++++

Deutsche Männerstaffel holt nach Krimi Bronze

Die deutschen Biathlon-Männer haben in Antholz WM-Bronze in der Staffel gewonnen und damit ihre erste Medaille bei den Titelkämpfen in Italien geholt. Erik Lesser, Philipp Horn, Arnd Peiffer und Benedikt Doll mussten sich am Samstag nach einer Strafrunde und acht Nachladern in der Südtirol-Arena nur Frankreich (0 Strafrunden/4 Nachlader) und Norwegen (1/12) geschlagen geben.

In den bisherigen drei Einzelrennen waren die deutschen Skijäger leer ausgegangen. Zuvor hatte die Frauen-Staffel Silber hinter Norwegen gewonnen. Lange lag die deutsche Männer-Staffel in Führung, doch beim letzten Schießen musste der Schwarzwälder Doll in die Strafrunde. Der Schlussläufer aus dem Schwarzwald benötigte sechs Nachlader.

Das deutsche Quartett lag nach den 4x7,5 Kilometern 36,2 Sekunden hinter den Franzosen. Für den nur als Ersatzmann zur WM gereisten Erik Lesser war es nach Silber in der Single-Mixed-Staffel die zweite Medaille in Antholz. Der 31-Jährige hatte den Vorzug vor Johannes Kühn und Philipp Nawrath erhalten. Zum Abschluss der WM in Antholz stehen am Sonntag die beiden Massenstart-Wettkämpfe auf dem Programm.

Stunden vor der Männer-Staffel hatte es bei Sprint-Weltmeister Alexander Loginow eine Doping-Razzia gegeben. Der 28-Jährige war von einer Sondereinheit der italienischen Polizei verhört worden. Das Hotelzimmer im Mannschaftsquartier im italienischen Rasen war am frühen Samstagmorgen durchsucht worden. Das Vorgehen sei gedeckt durch den Artikel 586 des Strafgesetzbuches, Verwendung oder Verabreichung von Dopingmitteln, erläuterte die Staatsanwaltschaft in Bozen. Die Russen mit Schlussläufer Loginow wurden Vierte.

+++++22. Januar 2020+++++

Lesser beendet Saison - Keine EM

Nach dem Gewinn der Bronze-Medaille in der Männer-Staffel beendet Biathlet Erik Lesser vorzeitig seine Saison. „Ich fahre am Sonntag nach Hause, weil sich zu Hause was geändert hat“, sagte der 31-Jährige am Samstag bei den Weltmeisterschaften im italienischen Antholz. Näher ging er darauf nicht ein, es sei aber nichts Ernstes. Auch eine zweite Schwangerschaft seiner Freundin Nadine sei es nicht. „Dafür müsste ich aufhören, damit wir Zeit dafür haben“, sagte Lesser, der im Januar 2019 Vater einer Tochter geworden war, lachend.

Ursprünglich sollte Lesser am Sonntagmorgen von München nach Minsk zur Europameisterschaft fliegen und wollte danach seine Saison beenden. „Mein EM-Ticket ist umgebucht auf jemand anderes“, sagte der Thüringer.

Lesser war auch aufgrund von gesundheitlichen Problemen in dieser Saison nicht in Form gekommen, hatte nur die halbe WM-Norm erfüllt und war in den zweitklassigen IBU-Cup versetzt worden. Dennoch nominierten ihn die Trainer für die Single-Mixed-Staffel, wo er mit Franziska Preuß Silber gewann, sowie als Ersatzmann für das Einzel und die Staffel. Nach seinem starken ersten Auftritt bekam er dann den Vorzug in der Staffel vor Johannes Kühn und Philipp Nawrath, die die WM-Norm erfüllt hatten.

„Ich habe dem Trainer gesagt, dass ich der sechste Mann bin und fünf andere in dieser Saison besser waren als ich und nicht damit rechne, zu laufen. Aber der Trainer hat sich gegen mich durchgesetzt und ich nehme grundsätzlich jede Herausforderung an. Deswegen gab es für mich keinen Grund, Nein zu sagen“, erklärte Lesser, der in der Staffel wieder ein bärenstarkes Rennen ablieferte.

+++++22. Januar 2020+++++

Deutsche Damen-Staffel holt Silber bei Norwegens WM-Sieg

Denise Herrmann fiel nach der hammerharten Schlussrunde ihren jubelnden Teamkolleginnen in die Arme, die Erleichterung über das silberne Happy End war den deutschen Biathletinnen anzusehen: Nach einer furiosen Aufholjagd mussten sich Herrmann und Co. im WM-Staffelrennen von Antholz über 4x6 km nur den Seriensiegern aus Norwegen geschlagen geben.

"Es war ein richtig geiles Rennen. Es war aber nicht einfach, ich hatte ganz schön wackelige Beine beim Schießen", sagte Herrmann, die gemeinsam mit Karolin Horchler, Vanessa Hinz sowie Franziska Preuß nur 10,7 Sekunden hinter den in diesem Winter immer siegreichen Norwegerinnen lag und die vierte Medaille für den Deutschen Skiverband (DSV) holte. Zuvor hatten Herrmann (Verfolgung), Hinz (Einzel) und Preuß (Single-Mixed-Staffel) bereits Silber gewonnen.

Herrmann erlöste das deutsche Team dank ihrer Laufstärke allerdings erst auf der Schlussrunde, auf der sie zunächst Tschechien und kurz vor dem Ziel noch die Ukraine überholte. Insgesamt benötigten die deutschen Frauen neun Nachlader.

Die vier Athletinnen hatten in diesem Winter, wenngleich in unterschiedlicher Aufreihung, zwei vierte Plätze belegt. Neben einem weiteren vierten Rang verbuchte eine deutsche Frauenstaffel im Weltcup zudem einen zwölften Rang. In jedem Rennen musste das DSV-Quartett dabei mindestens eine Strafrunde drehen - mit einem sicheren Schießen sollte am Samstag der Grundstein für Edelmetall gelegt werden.

Startläuferin Horchler feuerte ihre ersten fünf Schüsse entsprechend dosiert ab, einmal musste sie dennoch nachladen. Stehend verhinderte die 30-Jährige den Gang in die Strafrunde dann nur mit Mühe und drei weiteren Nachladern, der Rückstand wuchs bis zum Wechsel auf 1:10,0 Minuten an. "Ich habe brutal gezittert, ich war extrem aufgeregt", erklärte Horchler.

Zwar räumte Hinz danach beflügelt von ihrem Einzel-Coup alle Scheiben ohne Nachlader ab, der Abstand zu den Medaillenrängen aber verringerte sich nur unwesentlich, zur Spitze vergrößerte er sich sogar noch um eine halbe Minute. "Ich bin froh, denn es war heute gar nicht leicht für mich", sagte Hinz.

Wie schnell sich ein Rennen aber ändern kann, zeigte der dritte Stehendanschlag. Während die Rivalinnen Fehler um Fehler produzierten, knallte Preuß ihre Schüsse sicher ins Ziel - der Lohn war Rang vier mit nur noch 43,0 Sekunden Rückstand. "Zum Glück ist es voll aufgegangen", sagte Preuß.

Ab 14.45 Uhr wollen auch die deutschen Männer ihre erste Medaille bei den Titelkämpfen in Südtirol holen. Die Konkurrenz ist aber gewaltig, vor allem die Quartetts aus Norwegen und Frankreich dürften Gold und Silber unter sich ausmachen.

"Wir haben uns viel vorgenommen und wollen natürlich auf einem der ersten drei Plätzen ankommen", sagte der entthronte Einzel-Weltmeister Arnd Peiffer: "Es wird schwer, aber wir haben die Chance - und die wollen wir mit beiden Händen ergreifen." Am Sonntag finden zum WM-Abschluss noch die beiden Massenstarts (12.30/15.00) statt.

+++++22. Januar 2020+++++

Razzia bei Ex-Doper und Sprint-Weltmeister Loginow
Die strahlende Biathlon-WM in Antholz wird von dunklen Wolken des Doping-Verdachts überschattet: Bei einer Polizei-Razzia ist am Samstagmorgen unter anderem das Hotelzimmer des ehemaligen russischen Dopingsünders Alexander Loginow durchsucht worden. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Bozen. Nur eine Woche zuvor hatte der 28-Jährige, der 2014 des Epo-Dopings überführt und für zwei Jahre gesperrt worden war, mit seinem überraschenden WM-Titel im Sprint schon die Gemüter erhitzt.

Auch gegen den früheren russischen Frauen-Trainer Alexander Kasperowitsch, der sich ebenfalls in Südtirol befindet und als persönlicher Trainer Loginows fungiert, sollen sich die Durchsuchungen gerichtet haben. Dies sagte Wladimir Dratschew, Präsident des russischen Biathlon-Verbandes (RBU), der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Grund für die Operation sei eine mutmaßliche Straftat nach Paragraph 586 des Strafgesetzbuches. Dieser untersagt die Verwendung oder Verabreichung von Dopingmitteln. Die Razzia fand nur wenige Stunden vor dem WM-Staffelrennen (14.45 Uhr/ARD und Eurosport) statt, das Loginow als Schlussläufer des russischen Quartetts bestreiten sollte.

"Sie haben mein Handy, meinen Laptop und persönliche Dinge von mir beschlagnahmt", sagte Loginow, der in der Vorwoche einen Tag nach Sprint-Gold auch Bronze in der Verfolgung geholt hatte, beim russischen Sender Match-TV. Laut Dratschew hänge die Durchsuchung am Samstag damit zusammen, dass Trainer Kasperowitsch in Antholz "die Akkreditierung einer anderen Person benutzte".

Loginow erzählte weiter, er und sein Teamkollege Jewgeni Garanitschew seien "um sechs Uhr davon aufgewacht, dass sie versucht haben, die Tür aufzubrechen. Sie haben sofort unsere Waffen an sich genommen, als wären wir gefährliche Kriminelle." Die Ermittler hätten beide Sportler gebeten, "ruhig sitzen zu bleiben in unseren Unterhosen. Sie waren nur an meinen Sachen interessiert. Ich bat darum, einen Dolmetscher zu bekommen. Das macht mich sehr wütend."

Der Biathlon-Weltverband IBU teilte in einem Statement mit: "Die IBU und die Biathlon-Integritätseinheit sind sich der Maßnahmen der italienischen Behörden (und der ersten Reaktion der russischen Mannschaft) bewusst." Jedoch werde sie "keine weiteren Kommentare abgeben", solange die Untersuchungen laufen.

Schon seit seiner Sperre wird Loginow in der Szene kritisch beäugt. Es schwinge "natürlich ein gewisser Verdacht mit, weil der Kollege Loginow schon einmal wegen Epo-Missbrauchs gesperrt war", sagte Olympiasieger Arnd Peiffer nach dem Sprint: "Und jetzt ist er wieder auf einem Niveau wie zu den Zeiten, als er diesen Epo-Missbrauch durchgeführt hat. Da ist natürlich schon immer ein bisschen ein Geschmäckle dabei."

Andererseits müsse "man die Unschuldsvermutung walten lassen", ergänzte der Clausthal-Zellerfelder: "Das fällt nicht immer leicht." Schwedens Staffel-Olympiasieger Sebastian Samuelsson hatte Loginows Sieg gar als "Schande für den Sport" bezeichnet.