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Biathlon-WM 2020: Das sind die Gewinner und Verlierer von Antholz

Fazit zur Biathlon-WM : Biathlon trotz fehlender Goldmedaille mit gestiegenen TV-Quoten

Deutsche Sieger gab es keine bei der Biathlon-WM. Erfolgreichster deutscher Skijäger in Antholz war einer, der gar nicht die Norm geknackt hat. In unserem Telegramm halten wir Sie über alles Wichtige auf dem Laufenden.

Bei den Biathlon-Weltmeisterschaften gab es für Deutschland keine Gold-Medaillen, aber sehr gute Quoten für die TV-Sender. Die Zahlen der WM in Antholz waren trotz geringerer Erfolge sogar noch etwas besser als bei der WM in Östersund.

„Mit einem Zuschauerdurchschnitt von 4,279 Millionen, bei einem Marktanteil von 29,7 Prozent, konnten sich die diesjährigen Übertragungen im Ersten, im Vergleich zu den Übertragungen von der Biathlon-WM 2019 in Östersund, steigern“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky am Montag. Vor einem Jahr sahen durchschnittlich 4,191 Millionen zu und sorgten für einen Marktanteil von 25,7 Prozent. „Diese Zahlen unterstreichen den hohen Stellenwert des Biathlonsports“, kommentierte der ARD-Mann.

Am Abschluss-Wochenende schauten 4,97 Millionen Menschen am Samstag die Herren-Staffel und sorgten für den Topwert. Bei der Silbermedaille des deutschen Damen-Quartetts gab es mit 37 Prozent den höchsten Marktanteil der WM. Am Wochenende zuvor hatten sogar mehr als fünf Millionen Zuschauer im ZDF bei den Sprint- und Verfolgungsrennen vor den Fernsehschirmen gesessen.

„Die Marktanteile lagen immer um die 30 Prozent, das ist herausragend“, sagte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann. „Auch der Marktanteil bei den jungen Zuschauern war bei der WM erstaunlich hoch.“ In der Zielgruppe der unter 49 Jahre alten Zuschauer haben die öffentlich-rechtlichen Sender ansonsten meistens schwache Zahlen. Von den Eurosport-Übertragungen lagen am Montagmittag noch keine Zahlen vor.

+++++24. Februar 2020+++++

Die Gewinner und Verlierer von Antholz

Bei den Biathlon-Weltmeisterschaften in Antholz sind in zwölf Wettbewerben Medaillen vergeben worden. Mit sechs Mal Gold waren die Norweger in Italien die erfolgreichste Nation vor den Franzosen, die drei WM-Titel feierten. Das deutsche Team kam in der Südtirol-Arena mit vier Silber- und einer Bronze-Medaille auf Rang fünf.

Gewinner

  • Marte Olsbu-Rieseland Die Norwegerin ist die Abräumerin der WM und die Erfolgreichste des gesamten Starterfeldes. Mit fünfmal Gold und zweimal Bronze holt sie in allen sieben WM-Rennen eine Medaille - das gab es noch nie. „Jetzt könnte ich eigentlich zurücktreten, aber das mache ich natürlich nicht. Es war eine traumhafte WM, die ich nie erwartet hätte“, sagt die 29-Jährige.
  • Dorothea Wierer Sie ist unweit der WM-Arena geboren, der Star im italienischen Team. Und das Glamourgirl hielt dem Druck auf ihren Heimstrecken stand. Wierer holt Gold in der Verfolgung und im Einzel. Eigentlich hatte die 29-Jährige vor der Saison angekündigt, nach dieser Saison aufzuhören. Ob das aber wirklich so kommt, lässt sie offen. Ihr Manager glaubt, sie macht auf jeden Fall weiter.
  • Martin Fourcade Frankreichs Star ist wieder da. Nachdem der siebenmalige Weltcup-Gesamtsieger in der Vorsaion gegen den Norweger Johannes Thingnes Bö keine Chance hatte und eine schwere Zeit durchlebte, steht er nun wieder ganz oben. Fourcade konzentriert sich wieder mehr auf Biathlon, zudem ließen ihn die negativen Erfahrungen demütiger werden - er zeigt sich mehr denn je als Teamplayer. Die WM beendet der Mann im Gelben Trikot mit zwei Mal Gold und einmal Bronze. Auch wenn sein Rivale Bö drei Mal Gold und drei Mal Silber holt, bei Fourcade waren die Titel nicht unbedingt erwartet worden.
  • Erik Lesser Der Routinier schafft nach einer schwierigen Saison die WM-Norm nicht - und wird dennoch nominiert. Nachdem der 31-Jährige in der Single-Mixed zusammen mit Franziska Preuß Silber holt und überzeugend auftritt, stellt ihn Bundestrainer Mark Kirchner auch für die Staffel auf. Lesser liefert wieder ab und freut sich am Ende über Bronze. Nach einer eigentlich verkorksten Saison fährt der Thüringer mit zwei WM-Medaillen nach Hause.

Deutsche Überraschungen

  • Vanessa Hinz Die 27-Jährige sorgt mit Einzel-Silber für eine der großen WM-Überraschungen. „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagt sie. „Jetzt freue ich mich auf daheim, auf meine Oma, auf meine Tante. Die haben schon den Sekt kalt gestellt, dann können wir noch ein bisschen feiern.“
  • Philipp Horn Als WM-Debütant angereist, zeigt der 25-Jährige gute Leistungen. Nach Platz acht im Sprint kann er in der Verfolgung und im Einzel zwar nicht nachlegen. Aber in der Staffel schlägt seine große Stunde. Im direkten Duell mit Frankreichs Superstar Martin Fourcade lässt sich der Thüringer nicht beeindrucken und wechselt sogar als Erster - am Ende jubelt Horn über Bronze.

Verlierer

  • Alexander Loginow Der Russe gewinnt zwar mit Gold im Sprint seinen ersten großen Titel. Aber der 28-Jährige, der bis 2016 zwei Jahre wegen Epo-Dopings gesperrt war, wird von den Fans ausgebuht. Zudem findet wenige Stunden vor der Männer-Staffel eine Razzia in seinem Hotel-Zimmer statt. Loginow, der sagt, er sei sauber, bleibt cool und liefert ein starkes Rennen ab. Auf einen Start im Massenstart-Finale verzichtet er dann aber - aus psychischen Gründen.
  • Benedikt Doll Der Schwarzwälder reist als ein Medaillenkandidat an - aber der 29-Jährige kommt mit seinem Gewehr in der Südtirol-Arena überhaupt nicht klar. In den Einzelrennen schon enttäuschend, vergibt Doll in der Staffel mit einer Strafrunde beim letzten Schießen nicht nur den möglichen WM-Titel, sondern auch noch Silber - es reicht wenigstens noch zu Bronze für das deutsche Team. „Ich werde jetzt bis Freitag das Gewehr nicht in die Hand nehmen“, sagt Doll nach seinen letzten vier WM-Strafrunden im Massenstart und gesteht: „Ich hatte mir mehr vorgenommen.“
  • Tiril Eckhoff Die norwegische Frohnatur dominierte vor der WM den Weltcup mit sechs Siegen - und bricht bei den Titelkämpfen dann komplett ein. 15., 21. und 59. in den Rennen - völlig verunsichert trifft Eckhoff so gut wie nichts mehr. Sie verliert das Gelbe Trikot, aber wenigstens gibt es Gold in der Damen- und der Mixed-Staffel. Doch die 29-Jährige wollte definitiv mehr.
  • Lisa Vitozzi Bei der Heim-WM wollte die 25-Jährige eine Medaille holen. Aber kurz vor dem Start überrascht sie mit scharfer Kritik an ihrer Teamkollegin Dorothea Wierer - „Zickenkrieg“ titelt die heimische Presse. Die sensible Vittozzi nimmt das derart mit, dass sie zwar Sechste im Sprint wurde, danach aber nur 27., 71. und zum Abschluss im Massenstart Letzte. Zumindest in der Mixed-Staffel holt sie Silber.

+++++23. Februar 2020+++++

Deutsche Biathleten ohne Chance im Wettstreit der Norweger und Franzosen
Die deutschen Biathleten haben wie vor vier Jahren die WM ohne Einzel-Medaille beendet. In Antholz reichte es im abschließenden Massenstart über 15 km für Johannes Kühn (Reit im Winkl) als besten Deutschen nur zu Rang zehn. Auch Benedikt Doll (Breitnau/12.), Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld/21.) und Philipp Horn (Frankenhain/24.) waren weit vom Podest entfernt.

"Ich bin froh, wenn wir jetzt heimfahren. Der Schießstand ist so schwer", klagte Kühn am ARD-Mikrofon wohl stellvertretend für seine Teamkollegen. Insgesamt erlaubten sich die vier Deutschen alleine am Sonntag 20 Schießfehler.

Aus dem norwegisch-französischen Duell ging indes Johannes Thingnes Bö als Sieger hervor, der Skandinavier gewann Gold vor den Franzosen Quentin Fillon Maillet (+42,0 Sekunden) und Emilien Jacquelin (+55,0). Unter den ersten Acht landeten vier Norweger und drei Franzosen.

Insgesamt holten die Athleten des Deutschen Skiverbandes (DSV) bei den Titelkämpfen fünf Medaillen. Denise Herrmann (Verfolgung), Vanessa Hinz (Einzel), die Frauenstaffel und die Single-Mixed-Staffel gewannen Silber, die Männerstaffel holte zudem Bronze. Das bedeutete gleichzeitig auch die erste goldlose WM für den DSV seit sieben Jahren.

+++++23. Februar 2020+++++

Deutsche Biathletinnen im Massenstart ohne Medaille

Auch wenn die am Vortag mit Staffel-Silber dekorierten deutschen Biathletinnen beim großen WM-Finale keine Medaille mehr holten, von Magdalena Neuner gab es ein dickes Lob für die Leistungen ihrer Nachfolgerinnen in Antholz. „Mein Fazit fällt positiv aus“, sagte die ARD-Expertin. „Meine Einschätzung war eigentlich so, dass ich dachte die Männer sind diejenigen, die hier Medaillen abräumen. Am Ende waren es die Mädels“, meinte die Rekordweltmeisterin. „Toll wäre natürlich noch eine Goldmedaille gewesen.“

Doch die sieben Goldmedaillen holten die Norwegerin Marte Olsbu Röiseland (5) und die Italienerin Dorothea Wierer (2). Mit ihrem finalen Triumph am Sonntag im Massenstart vor Wierer und der Schwedin Hanna Öberg gewann Röiseland ihr fünftes Gold. Sie hat nun als erste Skijägerin überhaupt sieben Medaillen bei sieben Starts gewonnen. „Ich bin überglücklich, das ist einfach eine tolle Weltmeisterschaft“, sagte die 29-Jährige über ihre Auftritte in der Südtirol-Arena.

Am Final-Sonntag war Franziska Preuß (3 Fehler) als Achte über die 12,5 Kilometer mit einem Rückstand von 1:00,3 Minuten beste deutsche Skijägerin. „Mehr war nicht drin. Ich bin körperlich schon ziemlich fertig“, sagte die 25-Jährige. Zusammen mit Erik Lesser hatte sie Silber in der Single-Mixed-Staffel gewonnen und gehörte am Samstag neben Denise Herrmann, Vanessa Hinz und Karolin Horchler zur silbernen Damen-Staffel. „Grundsätzlich bin ich zufrieden, mit zwei Medaillen heimzufahren“, meinte die Bayerin, die sich in allen Einzel-Rennen in den Top Acht platziert hatte. „In jedem Einzel-Rennen ein Top-Ergebnis, das ist einfach cool“, sagte sie.

Trotz sieben Strafrunden kam die Verfolgungszweite Denise Herrmann im Massenstart noch auf Rang zwölf. „Mit dem Laufen ging es gut, aber es ärgert mich ungemein, wie man so leichtfertig eine bessere Platzierung vergeben kann“, sagte die 31-Jährige. „Aber die WM war trotzdem sehr, sehr gut.“ Im Vorjahr in Östersund hatte die frühere Langläuferin allerdings einen kompletten Medaillensatz abgeräumt, und neben Mixed-Silber noch Gold in der Verfolgung und Bronze im Massenstart gewonnen.

Karolin Horchler (3) wurde 13., Vanessa Hinz (3) beendete die WM auf Rang 17. Die 27 Jahre alte Hinz hatte mit dem Gewinn von Silber über die 15 Kilometer für eine der großen Überraschungen aus deutscher Sicht gesorgt. „Für mich ist ein Traum ist in Erfüllung gegangen“, sagte sie. „Jetzt freue ich mich auf daheim, auf meine Oma, auf meine Tante. Die haben schon den Sekt kalt gestellt, dann können wir daheim noch ein bisschen feiern.“

+++++23. Februar 2020+++++

Loginow sagt Teilnahme am Massenstart nach Doping-Razzia ab

Einen Tag nach der Doping-Razzia in seinem Hotelzimmer hat der russische Biathlon-Weltmeister Alexander Loginow seine Teilnahme am abschließenden WM-Massenstart in Antholz am Sonntag (15.00 Uhr/ARD und Eurosport) abgesagt. Der 28-Jährige befinde sich "aufgrund der jüngsten Umstände nicht in einem optimalen psychologischen Zustand" für das Rennen, teilte der russische Biathlon-Verband (RBU) auf Twitter mit.

Die Polizei hatte am frühen Samstagmorgen auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Bozen unter anderem das Hotelzimmer des ehemaligen russischen Dopingsünders durchsucht. Nur eine Woche zuvor hatte Loginow, der 2014 des Epo-Dopings überführt und für zwei Jahre gesperrt worden war, mit seinem überraschenden WM-Titel im Sprint schon die Gemüter erhitzt. Dazu holte er Bronze in der Verfolgung. Im Staffelrennen führte Loginow das russische Quartett am Samstag nur wenige Stunden nach der Razzia als Schlussläufer auf Rang vier.

Die Staatsanwaltschaft führte die Durchsuchung auf Basis von Paragraph 586 des Strafgesetzbuches durch. Dieser untersagt die Verwendung oder Verabreichung von Dopingmitteln. Unter anderem wurden Loginows Handy und Laptop konfisziert, auch dessen persönlicher Trainer Alexander Kasperowitsch war Ziel der Operation.

"Das Wichtigste ist jetzt, sein psychisches Gleichgewicht wiederherzustellen", sagte Kasperowitsch über seinen Schützling gegenüber der russischen Nachrichtenagentur TASS. "Was er sich jetzt am meisten wünscht, ist die Wiedervereinigung mit seiner Familie", fügte er hinzu.

+++++22. Februar 2020+++++

Deutsche Männerstaffel holt nach Krimi Bronze

Die deutschen Biathlon-Männer haben in Antholz WM-Bronze in der Staffel gewonnen und damit ihre erste Medaille bei den Titelkämpfen in Italien geholt. Erik Lesser, Philipp Horn, Arnd Peiffer und Benedikt Doll mussten sich am Samstag nach einer Strafrunde und acht Nachladern in der Südtirol-Arena nur Frankreich (0 Strafrunden/4 Nachlader) und Norwegen (1/12) geschlagen geben.

In den bisherigen drei Einzelrennen waren die deutschen Skijäger leer ausgegangen. Zuvor hatte die Frauen-Staffel Silber hinter Norwegen gewonnen. Lange lag die deutsche Männer-Staffel in Führung, doch beim letzten Schießen musste der Schwarzwälder Doll in die Strafrunde. Der Schlussläufer aus dem Schwarzwald benötigte sechs Nachlader.

Das deutsche Quartett lag nach den 4x7,5 Kilometern 36,2 Sekunden hinter den Franzosen. Für den nur als Ersatzmann zur WM gereisten Erik Lesser war es nach Silber in der Single-Mixed-Staffel die zweite Medaille in Antholz. Der 31-Jährige hatte den Vorzug vor Johannes Kühn und Philipp Nawrath erhalten. Zum Abschluss der WM in Antholz stehen am Sonntag die beiden Massenstart-Wettkämpfe auf dem Programm.

Stunden vor der Männer-Staffel hatte es bei Sprint-Weltmeister Alexander Loginow eine Doping-Razzia gegeben. Der 28-Jährige war von einer Sondereinheit der italienischen Polizei verhört worden. Das Hotelzimmer im Mannschaftsquartier im italienischen Rasen war am frühen Samstagmorgen durchsucht worden. Das Vorgehen sei gedeckt durch den Artikel 586 des Strafgesetzbuches, Verwendung oder Verabreichung von Dopingmitteln, erläuterte die Staatsanwaltschaft in Bozen. Die Russen mit Schlussläufer Loginow wurden Vierte.

+++++22. Januar 2020+++++

Lesser beendet Saison - Keine EM

Nach dem Gewinn der Bronze-Medaille in der Männer-Staffel beendet Biathlet Erik Lesser vorzeitig seine Saison. „Ich fahre am Sonntag nach Hause, weil sich zu Hause was geändert hat“, sagte der 31-Jährige am Samstag bei den Weltmeisterschaften im italienischen Antholz. Näher ging er darauf nicht ein, es sei aber nichts Ernstes. Auch eine zweite Schwangerschaft seiner Freundin Nadine sei es nicht. „Dafür müsste ich aufhören, damit wir Zeit dafür haben“, sagte Lesser, der im Januar 2019 Vater einer Tochter geworden war, lachend.

Ursprünglich sollte Lesser am Sonntagmorgen von München nach Minsk zur Europameisterschaft fliegen und wollte danach seine Saison beenden. „Mein EM-Ticket ist umgebucht auf jemand anderes“, sagte der Thüringer.

Lesser war auch aufgrund von gesundheitlichen Problemen in dieser Saison nicht in Form gekommen, hatte nur die halbe WM-Norm erfüllt und war in den zweitklassigen IBU-Cup versetzt worden. Dennoch nominierten ihn die Trainer für die Single-Mixed-Staffel, wo er mit Franziska Preuß Silber gewann, sowie als Ersatzmann für das Einzel und die Staffel. Nach seinem starken ersten Auftritt bekam er dann den Vorzug in der Staffel vor Johannes Kühn und Philipp Nawrath, die die WM-Norm erfüllt hatten.

„Ich habe dem Trainer gesagt, dass ich der sechste Mann bin und fünf andere in dieser Saison besser waren als ich und nicht damit rechne, zu laufen. Aber der Trainer hat sich gegen mich durchgesetzt und ich nehme grundsätzlich jede Herausforderung an. Deswegen gab es für mich keinen Grund, Nein zu sagen“, erklärte Lesser, der in der Staffel wieder ein bärenstarkes Rennen ablieferte.

+++++22. Januar 2020+++++

Deutsche Damen-Staffel holt Silber bei Norwegens WM-Sieg

Denise Herrmann fiel nach der hammerharten Schlussrunde ihren jubelnden Teamkolleginnen in die Arme, die Erleichterung über das silberne Happy End war den deutschen Biathletinnen anzusehen: Nach einer furiosen Aufholjagd mussten sich Herrmann und Co. im WM-Staffelrennen von Antholz über 4x6 km nur den Seriensiegern aus Norwegen geschlagen geben.

"Es war ein richtig geiles Rennen. Es war aber nicht einfach, ich hatte ganz schön wackelige Beine beim Schießen", sagte Herrmann, die gemeinsam mit Karolin Horchler, Vanessa Hinz sowie Franziska Preuß nur 10,7 Sekunden hinter den in diesem Winter immer siegreichen Norwegerinnen lag und die vierte Medaille für den Deutschen Skiverband (DSV) holte. Zuvor hatten Herrmann (Verfolgung), Hinz (Einzel) und Preuß (Single-Mixed-Staffel) bereits Silber gewonnen.

Herrmann erlöste das deutsche Team dank ihrer Laufstärke allerdings erst auf der Schlussrunde, auf der sie zunächst Tschechien und kurz vor dem Ziel noch die Ukraine überholte. Insgesamt benötigten die deutschen Frauen neun Nachlader.

Die vier Athletinnen hatten in diesem Winter, wenngleich in unterschiedlicher Aufreihung, zwei vierte Plätze belegt. Neben einem weiteren vierten Rang verbuchte eine deutsche Frauenstaffel im Weltcup zudem einen zwölften Rang. In jedem Rennen musste das DSV-Quartett dabei mindestens eine Strafrunde drehen - mit einem sicheren Schießen sollte am Samstag der Grundstein für Edelmetall gelegt werden.

Startläuferin Horchler feuerte ihre ersten fünf Schüsse entsprechend dosiert ab, einmal musste sie dennoch nachladen. Stehend verhinderte die 30-Jährige den Gang in die Strafrunde dann nur mit Mühe und drei weiteren Nachladern, der Rückstand wuchs bis zum Wechsel auf 1:10,0 Minuten an. "Ich habe brutal gezittert, ich war extrem aufgeregt", erklärte Horchler.

Zwar räumte Hinz danach beflügelt von ihrem Einzel-Coup alle Scheiben ohne Nachlader ab, der Abstand zu den Medaillenrängen aber verringerte sich nur unwesentlich, zur Spitze vergrößerte er sich sogar noch um eine halbe Minute. "Ich bin froh, denn es war heute gar nicht leicht für mich", sagte Hinz.

Wie schnell sich ein Rennen aber ändern kann, zeigte der dritte Stehendanschlag. Während die Rivalinnen Fehler um Fehler produzierten, knallte Preuß ihre Schüsse sicher ins Ziel - der Lohn war Rang vier mit nur noch 43,0 Sekunden Rückstand. "Zum Glück ist es voll aufgegangen", sagte Preuß.

Ab 14.45 Uhr wollen auch die deutschen Männer ihre erste Medaille bei den Titelkämpfen in Südtirol holen. Die Konkurrenz ist aber gewaltig, vor allem die Quartetts aus Norwegen und Frankreich dürften Gold und Silber unter sich ausmachen.

"Wir haben uns viel vorgenommen und wollen natürlich auf einem der ersten drei Plätzen ankommen", sagte der entthronte Einzel-Weltmeister Arnd Peiffer: "Es wird schwer, aber wir haben die Chance - und die wollen wir mit beiden Händen ergreifen." Am Sonntag finden zum WM-Abschluss noch die beiden Massenstarts (12.30/15.00) statt.

+++++22. Januar 2020+++++

Razzia bei Ex-Doper und Sprint-Weltmeister Loginow
Die strahlende Biathlon-WM in Antholz wird von dunklen Wolken des Doping-Verdachts überschattet: Bei einer Polizei-Razzia ist am Samstagmorgen unter anderem das Hotelzimmer des ehemaligen russischen Dopingsünders Alexander Loginow durchsucht worden. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Bozen. Nur eine Woche zuvor hatte der 28-Jährige, der 2014 des Epo-Dopings überführt und für zwei Jahre gesperrt worden war, mit seinem überraschenden WM-Titel im Sprint schon die Gemüter erhitzt.