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Biathlon-Weltcup in Oberhof: „Rakete“ Johannes Kühn sprintet aufs Podest

Biathlon-Weltcup in Oberhof : „Rakete“ Kühn sprintet aufs Podest

Das Schießen hat Johannes Kühn schon öfter eine Top-Platzierung gekostet. Doch der 28-Jährige wird immer sicherer. Schnell laufen kann er ohnehin. Beim Biathlon-Weltcup in Oberhof schoss er nur einmal danaben und landete prompt auf dem Podest.

Vergnügt erfüllte Johannes Kühn die Autogrammwünsche der ausgelassenen Fans und posierte im Nieselregen für Selfies. Der 28-Jährige genoss den ungewohnten Platz im Scheinwerferlicht sichtlich - und wäre er nicht zur Siegerehrung gerufen worden, so hätte er noch weiter fleißig unterschrieben und in Kameras gegrinst. Der Biathlet war am Freitag der gefeierte Mann in Oberhof, schließlich hatte er mit seinem starken dritten Platz im Sprint für ein echtes Highlight gesorgt.

"Ich bin sehr zufrieden, auch wenn es besonders hart war. Die Bedingungen waren nicht einfach. Der eine Fehler ist ärgerlich, weil es eigentlich beherrschbar war", sagte Kühn, der trotz einer Strafrunde erst die zweite Podestplatzierung seiner Karriere feierte und sich im Schatten der arrivierten Arnd Peiffer und Benedikt Doll immer mehr in die Weltspitze schiebt.

"Dass der Hannes es drauf hat, wissen wir ja schon lange", lobte Peiffer, der zuletzt gesundheitlich angeschlagen war und einen guten siebten Platz belegte, seinen Teamkollegen: "Am Ende muss er es am Schießstand rüberbringen, und das hat er heute getan. Auf der Strecke ist er eh eine Rakete, dann kann was Gutes bei rauskommen."

Genau das bewies Kühn eindrucksvoll. Bei Dauerregen und schwierigen Bedingungen - wegen der anhaltenden Niederschläge der letzten Tage liefen die Männer das Rennen auf der 2,5 km langen Frauenrunde - brannte er die zweitbeste Laufleistung in die Loipe. Nur bei seiner Wackeldisziplin Stehendschießen leistete er sich einen Fehler. "Wenn ich mein Potenzial voll ausschöpfe, reicht es relativ weit", erklärte Kühn im Anschluss nüchtern.

Am Ende lag er 33,0 Sekunden hinter dem überragenden Martin Fourcade. Der Franzose feierte in Abwesenheit von Überflieger Johannes Thingnes Bö, der in Oberhof nicht am Start ist, weil er mit seiner Frau Hedda im Januar das erste gemeinsame Kind erwartet, ohne Fehler in 25:27,2 Minuten seinen 74. (!) Weltcupsieg. Sein Teamkollege Emilien Jacquelin (1 Schießfehler/25,5 Sekunden zurück) wurde Zweiter.

Auch Philipp Horn überzeugte. Er schaffte trotz zweier Strafrunden als 13. die Norm für die WM in Antholz (13. bis 23. Februar). Ex-Weltmeister Doll, der vor Weihnachten noch den Sprint von Le Grand Bornand gewonnen hatte, erwischte dagegen einen Tag zum Vergessen. Nach vier Schießfehlern musste er sich mit dem indiskutablen 44. Platz zufrieden geben.

Am Samstag (ab 12.00 Uhr/ARD und Eurosport) stehen die beiden Staffeln auf dem Programm, vor allem bei den Frauen liegt der Fokus auf Wiedergutmachung für das historische Debakel mit Platz zwölf in Hochfilzen. "Wir wollen natürlich das Podest wieder angreifen", sagte Denise Herrmann, die schon im Sprint am Donnerstag mit Platz zwei geglänzt hatte.

(sid/old)