Biathlon: Vanessa Hinz endlich ganz oben auf dem Podest

"So lange an mir gezweifelt": Biathletin Hinz endlich ganz oben auf dem Podest

Vanessa Hinz erlebt in Kontiolahti eine Achterbahnfahrt der Gefühle und feiert ihren ersten Weltcupsieg. Auch die Männer hatten Grund zur Freude.

Schon den letzten Anstieg vor dem Ziel lief Vanessa Hinz mit einem dicken Grinsen auf dem Gesicht hinauf, denn sie wusste: Den ersten Weltcupsieg nimmt ihr keiner mehr. Zum Abschluss der Biathlon-Rennen im finnischen Kontiolahti siegte die 25-Jährige aus Schliersee überraschend im Massenstart - nur rund 26 Stunden zuvor hatte ihre Gemütslage noch ganz anders ausgesehen.

Bei der Fahrt über die Ziellinie riss die Staffel-Weltmeisterin überglücklich die Arme in die Höhe und verbeugte sich vor dem finnischen Publikum. "Ich habe so lange an mir gezweifelt und jetzt stehe ich ganz oben", sagte Hinz im ZDF und war dabei den Tränen nahe: "Dieses Mal war das Glück auf meiner Seite, ich habe das Pech schon oft auf meiner Seite gehabt."

Als beste Weltcup-Resultate hatte Hinz bislang zwei vierte Plätze zu Buche stehen. Schon so oft habe sie gedacht, "jetzt muss es doch mal mit dem Podest klappen" - in Kontiolahti klappte es gleich mit dem Platz ganz oben.

Damit stahl sie auch Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier die Show. Nach ihrer Pause am Samstag - Dahlmeier war wie auch Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer und Simon Schempp in den Mixed-Rennen geschont worden - wurde die Partenkirchnerin nach drei Strafrunden 1:12,4 Minuten hinter Hinz Siebte. Maren Hammerschmidt (4) landete auf Rang elf, Franziska Hildebrand (2) kam als 15. ins Ziel.

Am Vortag sah Hinz' Biathlon-Welt noch völlig anders aus. Gleich acht Nachlader hatte sie in der Single-Mixed-Staffel an der Seite von Roman Rees benötigt, ein enttäuschender elfter Platz war das Resultat.

Am Sonntag zeigte Hinz dann vom Start weg eine tadellose Leistung. Zusammen mit den bis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls fehlerlosen Lisa Vittozzi (Italien) und Anais Chevalier (Frankreich), die am Ende Rang zwei und drei belegten, kam Hinz zum letzten Stehendschießen. Dort behielt die dreimalige Weltmeisterin als einzige des Spitzentrios die Nerven.

Zuvor waren die Männer im Massenstart denkbar knapp am Podest vorbeigeschrammt. Beim Sieg des Österreichers Julian Eberhard (2 Strafrunden) landeten Benedikt Doll (2), Erik Lesser (1) und Peiffer (2) auf den Rängen vier, fünf und sechs, wobei deutlich mehr drin gewesen wäre.

Gerade Peiffer lag lange aussichtsreich im Rennen. Bis zum letzten Schießen war der 30-Jährige in Führung, verballerte dann aber mit zwei Strafrunden die Hoffnungen auf seinen neunten Weltcupsieg. Weltmeister Schempp landete nach vier Strafrunden auf Rang 16, Johannes Kühn schoss gar zehnmal daneben und wurde als 29. Vorletzter.

Damit rehabilitierten sich die Biathleten für die biederen Mixed-Rennen am Vortag. Denn nicht nur Hinz hatte da schwach geschossen, in der Mixed-Staffel benötigte das Quartett Hildebrand, Franziska Preuß, Lesser und Doll gar zwölf Reservepatronen und landete auf dem siebten Platz. Hildebrand, die am Freitag im Sprint nur um 0,5 Sekunden am Sieg vorbeigelaufen war, und Doll mussten sogar in die Strafrunde. Der Sieg ging an Italien, das sich damit auch erstmals die kleine Kristallkugel im Mixed-Weltcup sicherte.

Zeit zum Verschnaufen bleibt für die Skijäger nun jedoch kaum, nach den Rennen in Kontiolahti geht es in Skandinavien Schlag auf Schlag weiter. Schon am Donnerstag stehen am Holmenkollen in Oslo beim vorletzten Weltcup der Saison die Sprints bei Männern und Frauen (ab 12.00 Uhr/ARD und Eurosport) auf dem Programm.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hinz jubelt über ihren ersten Weltcup-Sieg

(sid)