Biathlon-Olympiasiegerin: Kommentar zum Rücktritt von Laura Dahlmeier

Biathlon-Olympiasiegerin hört auf : Laura Dahlmeier bleibt sich treu

Biathlon-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier hat ihren Rücktritt aus dem Leistungssport erklärt - mit gerade einmal 25 Jahren. Das ist mutig, aber konsequent. Ein Kommentar.

Laura Dahlmeier ist eine Frau, die keine halben Sachen macht. Deswegen ist ihr Rücktritt vom Leistungssport mit 25 Jahren mutig – aber vor allem konsequent. Nach Magdalena Neuner ist sie bereits der zweite deutsche Biathlon-Star, der noch relativ jung zurücktritt. Neuner war 2012 zurückgetreten. Damals war sie 24 Jahre alt.

Ihre Nachfolgerin als Seriensiegerin im deutschen Team war Dahlmeier. Den Biathlon-Sport hat sie seit ihrer Kindheit mit vollem Einsatz gelebt und geliebt. Zwölf Monate im Jahr hat sie für ihr großes Ziel Profisportlerin gearbeitet. Mit viel Ehrgeiz und Kampfgeist. Sie hat ihren Körper in unzähligen Trainingseinheiten geschunden und ist im Wettkampf bis zur Erschöpfung gelaufen. So ist sie mit Anfang 20 zum Star im deutschen Biathlon-Team geworden. So ist die Bayerin 2018 in Südkorea Olympiasiegerin geworden – der Höhepunkt ihrer Karriere. Erinnern kann sie sich an den Wettkampf nicht, so sehr hatte sie sich verausgabt. Typisch für Dahlmeier.

Sie hat ihr ganzes Leben dem Sport untergeordnet. Und so manches Mal auch ihre Gesundheit. 2017 brach sie nach zwei Rennen bei der WM in Hochfilzen zusammen - wurde aber fünffache Weltmeisterin. Nach dem Sprint versagte ihr Kreislauf beim Umziehen. Aus der Pressekonferenz nach dem Staffel-Gold wurde die zitternde und entkräftete Dahlmeier vom Teamarzt hinausgeführt. In der vergangenen Saison kämpfte Dahlmeier mit Infekten und ließ wegen eines stark geschwächten Immunsystems die ersten Rennen aus. Schon da stand ein Rücktritt im Raum. Doch sie kämpfte sich für die WM 2019 in Östersund zurück. Holte zweimal Bronze.

Jetzt sind ihr die Ziele ausgegangen. Zumindest in ihrem Sport. Mit gerade einmal 25 Jahren. Sie wisse nicht mehr, welches Ziel genau sie sich vornehmen solle, schreibt Dahlmeier auf ihrer Homepage über die Gründe für ihren Rücktritt. Allein das zeige ihr, dass sie nicht mehr hundertprozentig davon überzeugt sei, Biathlon auf Spitzenniveau betreiben zu wollen. Und wenn eine Laura Dahlmeier etwas nicht mehr zu einhundert Prozent macht, dann macht sie es eben gar nicht. Das ist eine mutige Entscheidung, denn in ihrem Alter könnte sie mindestens noch einmal Olympiasiegerin, mehrfache Weltmeisterin und Weltcupsiegerin werden. Im deutschen Team ist sie ohnehin nahezu konkurrenzlos. Der Status als Star wäre ihr auch die nächsten Jahre noch sicher gewesen. Kritiker werden diese Argumente in den nächsten Tagen anführen, wenn es darum geht, ob Dahlmeier viel zu früh zurückgetreten ist, ob es nicht genug Ziele gegeben hätte.

Das mag alles stimmen. Aus Dahlmeiers Sicht ist der Rücktritt verständlich. Sie ist nicht mehr bereit, alles für ihren Sport zu geben. Sie ist nicht mehr bereit, ihre Gesundheit und Freizeit für Siege zu opfern. Deswegen ist ihre Entscheidung zwar mutig, aber auch richtig und konsequent. Eine nicht vollends motivierte Dahlmeier wäre künftig vielleicht noch unter den Top Ten gelandet, aber sicher keine Seriensiegerin mehr. Das ist nicht der Anspruch der Olympiasiegerin und auch nicht der, der deutschen Biathlon-Fans und Öffentlichkeit an „ihre Gold-Laura“. Sie sagt „Servus“, bevor sie als Mitläuferin in Erinnerung bleibt - oder noch schlimmer, bevor ihr Körper unter Belastung und Druck irgendwann gänzlich streikt.

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