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Biathlon: Neuer Boss Kirchner hofft auf "viele Ausreißer nach ganz oben"

Boss der Biathleten : Kirchner hofft auf "viele Ausreißer nach ganz oben"

Mark Kirchner ist der neue verantwortliche Bundestrainer der deutschen Biathleten. Der 48-Jährige hofft auf eine erneut erfolgreiche Saison - auch wenn zum Auftakt die Nummer eins im Team vermutlich fehlt.

Mark Kirchner hält überhaupt nichts von Klischees, Schubladendenken ist dem starken Mann der deutschen Biathleten daher völlig fremd. Als der 48-Jährige vor dem Auftakt in die Weltcup-Saison allerdings über seine ersten Erfahrungen als hauptverantwortlicher Bundestrainer sprach, stützte er eine dieser vorherrschenden Meinungen - natürlich ganz unfreiwillig.

Einfacher zu trainieren, verriet Kirchner im SID-Interview, seien nach all den Jahren als Herrencoach dann doch "eher die Männer". Der simple Grund: "Sie gehen mit Situationen weniger emotional um und stecken sie mental besser weg." Die Frauen hätten hingegen "manchmal mehr Diskussions- und Redebedarf, sie wollen die Dinge genau abklären."

Dass diese unterschiedlichen Eigenschaften den ambitionierten Zielen der erfolgsverwöhnten DSV-Athleten im Weg stehen könnten, glaubt Kirchner wiederum nicht. Denn das Wichtigste - Ehrgeiz, Leidenschaft, Gier - verkörpern Frauen und Männer beidermaßen in Perfektion. "Wenn die Überzeugung für gewisse Dinge erstmal vorhanden ist", sagte Kirchner, "sind beide gleichmotiviert und -engagiert."

Ob sich die harte Arbeit während der zahlreichen Sommerlehrgänge oder dem jüngsten Trainingslager unlängst im norwegischen Sjusjoen auszahlen wird, erfährt Kirchner jedoch erst in den nächsten Tagen. Vermutlich noch nicht am Sonntag, da in den Mixed-Wettbewerben (ab 12.00 Uhr/ARD und Eurosport) selten die besten Athleten in die Loipe geschickt werden. Sondern eher ab Mittwoch, wenn die ersten Einzelrennen der Saison anstehen.

Auf seine Nummer eins, die herausragende Persönlichkeit im Lager des Deutschen Skiverbandes (DSV), muss Kirchner dann vermutlich aber noch verzichten. Die offizielle Bestätigung des DSV steht zwar noch aus, Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier wird wegen der Folgen ihrer krankheitsbedingten Zwangspause aber wohl fehlen. "Und rein auf die Leistung und die Erfolgsquote bezogen, wäre das natürlich schlecht", sagte Kirchner, der einen möglichen Ausfall allerdings als "Chance und Bewährungsprobe für die anderen Frauen" sehen würde.

Unter anderem könnte die ehemalige Langläuferin Denise Herrmann in die Bresche springen, sie hatte im vergangenen Jahr zum Saisonauftakt in Abwesenheit von Dahlmeier ihre ersten und bislang einzigen beiden Weltcup-Siege eingefahren. "Laura ist zwar eine absolute Leistungsträgerin", sagte Herrmann: "Aber das Grundniveau ist bei uns im Team insgesamt doch sehr hoch."

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Auch deshalb erwartet Kirchner weitere Siege, jeder werde schließlich "an den Erfolgen gemessen, die er schon erreicht hat". Von genauen Platzierungen oder einer exakten Medaillenvorgabe für die WM im März im schwedischen Östersund sah Kirchner allerdings ab, vielmehr "wollen wir kontinuierlich bei den Besten dabei sein und möglichst viele Ausreißer nach ganz oben haben".

Während das bei den Frauen in der Vorsaison mit fünf Siegen recht gut gelang und auch in diesem Winter zu erwarten ist, dürfte es bei den Männern recht knifflig werden. Das liegt aber keinesfalls daran, dass den Deutschen die nötige Klasse fehlt - in Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer und den amtierenden Weltmeistern Simon Schempp und Benedikt Doll sind hochdekorierte Männer im Team. Das Problem sind eher zwei andere.

"Martin Fourcade und Johannes Thingnes Bö waren in der vergangenen Saison total dominant. Wenn die beiden perfekte Rennen abliefern, ist es sehr schwer, sie zu schlagen", sagte Doll dem Nachrichtenportal t-online.de: "Wir im deutschen Team haben uns aber vorgenommen, die beiden mehr zu ärgern. Neue Saison, neues Glück!"

SID nr as ma

(lt/sid)