Biathlon: Denise Herrmann soll in die Fußspuren von Laura Dahlmeier treten

Biathlon : Herrmann soll in die Fußspuren von Dahlmeier treten

Laura Dahlmeier plant eine Ausbildung zur Trainerin. Der Rücktritt seiner Vorzeigeathletin beschäftigt den Deutschen Skiverband nach wie vor.

Kletter-Abenteuer, Mountainbike-Touren, Berg-Läufe: Laura Dahlmeier genießt das Leben ohne Biathlon in ihren geliebten Bergen in vollen Zügen. Während die 26-Jährige derzeit ihre Zukunft inklusive Trainerausbildung plant, ist der Deutsche Skiverband (DSV) im Jahr eins nach dem Rücktritt seiner Vorzeigeathletin um (Zweck-)Optimismus bemüht. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf Verfolgungs-Weltmeisterin Denise Herrmann.

"Denise kann die Position als Frontfrau bekleiden", sagte Bundestrainer Mark Kirchner am Donnerstag am Rande der deutschen Meisterschaften in Ruhpolding. Die Situation komme ihm ohnehin bekannt vor. 2012 habe nach dem Abschied von Magdalena Neuner auch jeder gefragt: "Und was kommt jetzt? Da kam Laura Dahlmeier. Es ist eine Chance für die anderen Mädels. Sie sind jetzt gefragt."

Karin Orgeldinger, Sportdirektorin Biathlon und Nordisch, sprach ohne Dahlmeier von einer "großen Lücke". Weltcupsiege "in dieser Reihe wird es erst einmal nicht mehr geben. Aber mir ist nicht wirklich bange. Es ist beeindruckend, wie die Athletinnen die Chance der offenen Tür nutzen wollen", betonte sie.

Man werde die siebenmalige Weltmeisterin Dahlmeier "nicht eins zu eins ersetzen können. Wir müssen mit der Situation umgehen", sagte auch Bernd Eisenbichler, neuer Sportlicher Leiter im Bereich Biathlon: "Aber die jungen Athleten entwickeln sich erfreulich. Und auch im vergangenen Winter gab es Podestplatzierungen durch fünf verschiedene Athleten."

Mit Blick auf die Biathlon-WM in Antholz im kommenden Februar sei der Druck auch ohne Dahlmeier "extrem hoch", so Eisenbichler weiter: "Wir müssen Medaillen holen. Das ist unser Anspruch, auch wenn es ohne Laura ein Stück weit schwerer wird."

Vor allem Herrmann (Oberwiesenthal) soll in die riesigen Dahlmeier-Fußspuren treten. Die 30-Jährige werde, sagte Kirchner voller Zuversicht, "weiter Maßstäbe setzen. Sie marschiert vorne weg." Eine Erwartungshaltung, die Herrmann annimmt. Doch den Druck mache sie sich ohnehin "selbst am meisten", sagte sie: "Ich versuche konsequent meine Sache weiterzumachen."

Während sich die deutsche Biathlon-Elite derzeit intensiv auf den Weltcupstart Ende November in Östersund vorbereitet, plant Dahlmeier eine Ausbildung zur Trainerin. Die zweimalige Olympiasiegerin startet in der kommenden Woche einen Lehrgang zur B-Lizenz. "Ich wollte schon während meiner sportlichen Karriere wissen, was die wissenschaftlichen Grundlagen des Trainings sind", sagte Dahlmeier dem SID: "Jetzt habe ich die Zeit dazu und freue mich, dass es nächste Woche losgeht."

Einen baldigen Einstieg ins Trainergeschäft schließt sie allerdings aus: "Ich habe nicht vor, sofort ins aktive Trainergeschäft einzusteigen oder zukünftig Bundestrainerin zu werden. Ich kann mir aktuell auch nicht vorstellen, dass es irgendwann ein Thema sein wird, aber man weiß nie, was die Zukunft bringt."

Der DSV will Dahlmeier künftig in irgendeiner Form einbinden. "Sie möchte jetzt erst einmal Abstand gewinnen und schauen, was das Leben außerhalb des Biathlons bringt. Sie hat gesagt, dass sie auf uns zukommt", sagte Orgeldinger.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Denise Herrmann

(sid/old)
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