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Biathlon 2021: Peiffer sprintet auf Rang drei - Biathletinnen rehabilitieren sich

Biathlon-Weltcup : Peiffer sprintet auf Rang drei - Biathletinnen rehabilitieren sich

Der herausragende Staffelsieg gibt den deutschen Biathleten Selbstvertrauen. Im Sprint verpasst Arnd Peiffer den Sieg nur knapp. Die Damen zeigen sich formverbessert. In unserem Telegramm verpassen Sie nichts.

Beflügelt vom ersten Staffelsieg seit über vier Jahren hat Arnd Peiffer für den nächsten Glanzpunkt beim Biathlon-Weltcup in Nove Mesto gesorgt. Der Olympiasieger lief am Samstag im Sprint über zehn Kilometer auf einen hervorragenden dritten Platz und verpasste seinen elften Weltcupsieg nur um 4,4 Sekunden. Nach der enttäuschenden WM, bei der Peiffer als Zweiter im Einzel für die einzige Medaille gesorgt hatte, überzeugten auch Benedikt Doll (30) als Sechster und Erik Lesser (32) auf Rang 14.

„Ich weiß, wo ich die Zeit liegen gelassen habe, mein Stehendschießen war etwas zu lang. Aber das Podium ist immer eine schöne Sache und etwas besonderes“, sagte Peiffer nach seinen fünften Einzelpodest dieser Saison im ZDF. Beim zweiten Schießen war Peiffer mit 27,9 Sekunden 6,2 Sekunden langsamer als der siegreiche Simon Desthieux. Der Franzose distanzierte bei seinem ersten Weltcupsieg den ebenfalls fehlerfreien Schweden Sebastian um gerade mal 2,4 Sekunden.

Damit gehen die Schützlinge von Bundestrainer Mark Kirchner mit sehr guten Aussichten in die Verfolgung am Sonntag (16.00 Uhr/ZDF und Eurosport). Einen Tag nach dem fulminanten Start-Ziel-Sieg im Team hatte auch Doll die Chance auf den Sieg. Doch der erste Schuss im Stehendanschlag rutschte dem Ex-Weltmeister zu schnell raus und so lag der 30-Jährige am Ende 14,5 Sekunden hinter Platz eins zurück. „Das war ein technischer Fehler, die Null wäre drin gewesen. Das darf nicht passieren“, sagte Doll.

Lesser, der nach seiner enttäuschenden WM nun wieder auf dem Weg zur Normalform ist und das schon bei seiner hervorragenden Staffelleistung am Freitag gezeigt hatte, musste läuferisch etwas „büßen. Das ist noch Luft nach oben. Aber die Weltcuppunkte nehme ich gerne mit“, sagte der Thüringer (+ 50,7).

Einen rabenschwarzen Tag erlebte dagegen Johannes Kühn, der nach einem Fehler liegend beim Stehendanschlag alle fünf Scheiben verfehlte und danach enttäuscht das Rennen aufgab. Er fehlt wie Roman Rees (61.) in der Verfolgung, Staffelschlussläufer Philipp Nawrath wurde 53.

Den Damen glückte nach ihrem Staffel-Debakel die Wiedergutmachung, einen Podestplatz verpassten sie trotz guter Leistungen allerdings. Nach je einem Schießfehler liefen Franziska Preuß sowie Vorjahressiegerin Denise Herrmann auf die Plätze acht und zehn. Damit verschafften auch sie sich eine gute Position fürs Jagdrennen (12.00 Uhr/ZDF und Eurosport). Preuß muss 25 Sekunden auf Sprintsiegerin Tiril Eckhoff aufholen, Herrmann 29 Sekunden. Für die norwegische Weltmeisterin war es der fünfte Sprintsieg in Serie, mit dem die 30-Jährige ihre Führung im Gesamtweltcup ausbaute.

„Ich habe es geschafft, einen soliden Rhythmus zu schießen, dieser eine Fehler ist aber ärgerlich“, sagte Preuß. Das ist so ziemlich die Zeit für eine Strafrunde, ohne wäre Preuß wohl aufs Podium gelaufen. Lediglich sieben der 106 Starterinnen kamen fehlerfrei durch, sodass die Schießleistungen der Deutschen positiv zu bewerten sind. In der Loipe passte es wie schon beim Staffel-Desaster mit Rang zwölf aber noch nicht wieder zu hundert Prozent.

Herrmann war da mit der siebten Laufzeit noch die Beste. Die Sächsin, die wegen eines Infekts in der Staffel geschont wurde, zeigte sich angesichts des Trainingsausfalls „wirklich ganz zufrieden“, vor allem mit dem Schießen. „Läuferisch ist es noch nicht das, wo ich hin will und was ich kann“, sagte die 32-Jährige. Auf der Schlussrunde hatte sie noch einen „kleinen Sturz“, „auch noch vor den Füßen meines Trainers, den hätte ich mir sparen können“, sagte Herrmann.

Maren Hammerschmidt (31) beendete das Rennen als 20., Vanessa Hinz (28) kam als 23. ins Ziel. Janina Hettich (24) wurde 29. und Weltcup-Debütantin Vanessa Voigt (23) verpasste als 64. die Qualifikation für die Verfolgung.

+++++5. März 2021+++++

Männer-Staffel feiert ersten Weltcupsieg seit vier Jahren

Der Jubel über seine Wiederauferstehung kannte bei Erik Lesser keine Grenzen. Freudestrahlend schloss er seinen Kumpel Arnd Peiffer in die Arme, um danach Benedikt Doll und Philipp Nawrath zu herzen. Mit einer bärenstarken Leistung legte der 32-Jährige nach seiner Katastrophen-WM den Grundstein für den ersten deutschen Staffel-Sieg nach 1504 Tagen. Zuletzt hatte ein DSV-Quartett vor über vier Jahren am 21. Januar 2017 in Antholz triumphiert.

"Die Mannschaft hat sich mit einem sensationellen Rennen belohnt. So schnell kann es im Biathlon gehen. So ein Sieg nach so langer Zeit hat immer eine besondere Bedeutung. Das ist Balsam für das ganze Team und zeigt, dass richtig viel Potenzial in dem Team steckt. Das hat die Mannschaft eindrucksvoll bewiesen", sagte Bundestrainer Mark Kirchner im ZDF.

Vor allem Lesser hielt 13 Tage nach seinem WM-Debakel dem immensen Druck stand. "Ich bin froh, dass es nicht so war wie in Pokljuka, aber das wäre auch ganz schwer gewesen. Es lief wieder ganz normal, dann kann ich auch mal den Gesamtweltcup-Zweiten attackieren. Ich hoffe, dass das wieder Normalität wird", sagte der Startläufer sichtlich erleichtert.

Bei der WM war er auf Position eins entkräftet eingebrochen, ein indiskutabler siebter Platz der deutschen Staffel war die Folge. Und nun das! "Ich freue mich besonders für Erik, der zeigen konnte, was für ein grandioser Startläufer er ist. Es muss nicht jeder nach einer schlechten Leistung seine Karriere beenden, das hat Erik eindrucksvoll gezeigt", betonte Routinier Peiffer.

Nach überzeugenden Leistungen am Schießstand mit nur fünf Nachladern und stark in der Loipe gewannen Peiffer, Lesser und Co. mit satten 1:21,7 Minuten Vorsprung vor Russland (0+8) und Norwegen (3+9/1:33,2). Der Weltmeister sicherte sich durch Platz drei die kleine Kristallkugel für die Disziplin-Wertung. Für das deutsche Team war es nach zwei dritten Plätzen zu Saisonbeginn die dritte Podiumsplatzierung des Winter.

Schon vor der Überraschung hatte sich Lesser zuversichtlich gezeigt. "Ich habe ein neues Update geladen. Das Betriebssystem ist wieder hochgefahren", sagte er - und lieferte. Nach zwei Nachladern übergab Lesser noch vor Doppel-Weltmeister Sturla Holm Lägreid auf Position eins auf Doll.

Auch der 30-Jährige überzeugte. "Es macht tausend Mal mehr Spaß, vorne wegzulaufen. Ich konnte agieren", sagte Doll, der die Führung sogar leicht ausbauen konnte. Da wollte sich Routinier Peiffer nicht lumpen lassen. Der 33-Jährige, der mit Silber im Einzel für die einzige WM-Medaille der Männer gesorgt hatte, leistete sich nur einen Schießfehler und wechselte 36,7 Sekunden vor Frankreich auf Nawrath.

Der 28-Jährige ersetzte aus der WM-Staffel Roman Rees - und behielt die Nerven. Seine Aufregung habe sich "in Grenzen gehalten. Das war für mich eine ehrenvolle Aufgabe als Schlussläufer. Ich konnte das Vertrauen Gott sei Dank bestätigen", sagte Nawrath.

Im Gegensatz zu den deutschen Frauen, die mit Platz zwölf am Donnerstag eine historische Enttäuschung erlebt hatten, holten sich die Männer für das Wochenende viel Selbstvertrauen. Der Weltcup wird am Samstag mit den Sprints der Frauen über 7,5 km (11.00 Uhr) und der Männer über 10 km (15.40/beide ZDF und Eurosport) fortgesetzt. Die Verfolger am Sonntag schließen Teil eins der Veranstaltung in Nove Mesto ab.

+++++4. März 2021+++++

DSV-Staffel erlebt historisches Desaster und verliert die kleine Kristallkugel an Schweden

Die Trainerkritik nach dem Staffel-Debakel der deutschen Biathletinnen war schonungslos. „Viel Positives fällt mir nicht dazu ein. Das war von vorne bis hinten schlecht“, sagte Disziplincoach Florian Steirer nach dem desaströsen Platz zwölf beim Weltcup-Auftakt im tschechischen Nove Mesto. Nur anderthalb Wochen nach WM-Silber verloren die deutschen Skijägerinnen zudem im letzten Staffelrennen der Saison auch noch die Kleine Kristallkugel der Disziplinwertung. Die holten sich durch ihren Finalsieg die Schwedinnen, die bei Punktgleichheit mit den DSV-Damen einen Saisonerfolg mehr zu Buche stehen haben.

Nachdem die Ukraine wegen eines anscheinenden Wechselfehlers zunächst in den Ergebnislisten disqualifiziert, dann aber nach Auswertung der Bilder durch die Jury doch regulär gewertet wurde, kamen am Donnerstag Maren Hammerschmidt, Vanessa Hinz, Janina Hettich und Preuß nicht als Elfte ins Ziel. Nur im Dezember 2019 in Hochfilzen war es mit Rang zwölf für eine deutsche Damen-Staffel genauso so schlecht wie jetzt gelaufen.

Das einzig Positive beim Auftritt von Maren Hammerschmidt, Vanessa Hinz, Janina Hettich und Franziska Preuß war am Donnerstag die Schießleistung von Preuß. In der Loipe waren die Deutschen ohne die nach einem Infekt noch geschonte Denise Herrmann, die bei der WM in Pokljuka mit Hinz, Hettich und Preuß Silber gewonnen hatte, diesmal nicht konkurrenzfähig. „Was wir heute in der Loipe abgeliefert haben, war grottenschlecht“, sagte Steirer im ZDF. In den fünf Staffelrennen zuvor waren seine Damen nie schlechter als Vierte gewesen.

Beim Aufwärmen mit lustigen Spielchen an der Tischtennisplatte waren die deutschen Biathletinnen noch bester Laune. Diese war dann nach einer ernüchternden Vorstellung schnell verflogen. „Es ist von Anfang an zäh gegangen, da steht man unter Zugzwang, und dann ist die Lockerheit weg und man geht verkrampfter ran“, sagte Preuß (26), die sich mit ihrem Auftritt zumindest Selbstvertrauen für das Wochenende mit Sprint und Verfolgung holte: „Ich bin ganz zufrieden mit meinem Rennen.“

Für die Kolleginnen ging vom Start weg nichts. „In der zweiten Runde bin nicht mehr vom Fleck gekommen“, sagte Hammerschmidt (31), die nach ihrer Fußverletzung nicht in Schwung kommt. Da auch bei Hinz (28) nicht viel zusammenlief, wurde der Rückstand immer größer, und Hettich (24) ging 1:48,0 Minuten hinter Norwegen als 13. ins Rennen. „Da war komplett der Wurm drin in meinem Wettkampf, bei mir ist es komplett in die Hosen gegangen“, sagte Hinz. Hettich als beste Liegendschützin des Feldes konnte gerade so die Strafrunde vermeiden, so dass Preuß mit einer Hypothek von mehr als zwei Minuten als 14. ihr Rennen aufnahm und am Ende nur noch Schadensbegrenzung betreiben konnte.

Die Männer wollen es am Freitag (15.20 Uhr/ZDF und Eurosport) nach dem WM-Debakel mit Platz sieben in der Besetzung Erik Lesser, Benedikt Doll, Arnd Peiffer und Philipp Nawrath besser machen. Vor allen Lesser (32) steht im Mittelpunkt. Er hatte als Startläufer bei der Weltmeisterschaft in Pokljuka einen Einbruch erlitten, so dass sein Team gleich zu Beginn des Wettkampfes aus dem Rennen war.

Der Weltcup in Tschechien ist derweil nicht ganz unumstritten. Die tschechische Regierung hatte angesichts der weltweit höchsten Sieben-Tage-Inzidenz einen harten Shutdown verhängt, die Bürger dürfen ihren Bezirk seit Montag nur noch in Ausnahmefällen verlassen.

Der Weltverband IBU und der Deutsche Skiverband vertrauen aber auf ihre Hygienekonzepte. Bisher waren alle Corona-Tests bei Sportlern und Betreuern negativ, wie die IBU am Donnerstag mitteilte. Zwei Personen aus dem Organisationsteam sind jedoch positiv.

+++++ 3. März 2021+++++

Biathletin Voigt gibt in Nove Mesto Weltcup-Debüt

Biathletin Vanessa Voigt feiert beim ersten Teil des Weltcups in Nove Mesto (4. bis 7. März) ihr Debüt. Die 23-Jährige wurde angesichts ihrer starken Leistungen mit zuletzt drei Siegen im zweitklassigen IBU-Cup erstmals von Bundestrainer Mark Kirchner ins Aufgebot des Deutschen Skiverbandes (DSV) berufen. Insgesamt nominierte Kirchner sechs Frauen, angeführt von Franziska Preuß und Denise Herrmann, sowie sechs Männer um Vizeweltmeister Arnd Peiffer.

Nach einer enttäuschenden WM in Pokljuka mit nur zwei Medaillen - neben Peiffer holte die Frauen-Staffel Silber - ist in Tschechien Wiedergutmachung angesagt. Vor allem Routinier Erik Lesser ist nach seiner desaströsen WM heiß. "Mein Ziel ist, wieder in die Top 15 zu kommen. Ich werde mich in besserer Form zeigen als zuletzt", sagte der 32-Jährige.

Mit der Staffel der Frauen über 4x6 km geht es am Donnerstag (16.05 Uhr/ZDF und Eurosport) in Nove Mesto los. Die Männer-Staffel folgt am Freitag. Am Wochenende stehen Sprint und Verfolgung auf dem Programm.

"Ich freue mich riesig auf meinen ersten Weltcup-Einsatz und bin schon sehr gespannt. Meine aktuelle Saison hätte bis dato nicht besser laufen können", sagte Voigt. Sie wolle vor allem "Spaß haben, es genießen, mir die Großen 'live' anschauen und von ihnen lernen." Neben Voigt ist im Gegensatz zur WM noch Philipp Nawrath dabei.

Das DSV-Aufgebot für Nove Mesto:

Frauen: Maren Hammerschmidt (Winterberg), Denise Herrmann (Oberwiesenthal), Janina Hettich (Schönwald), Vanessa Hinz (Schliersee), Franziska Preuß (Haag), Vanessa Voigt (Rotterode)

Herren: Benedikt Doll (Breitnau), Johannes Kühn (Reit im Winkl), Erik Lesser (Frankenhain), Philipp Nawrath (Nesselwang), Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld), Roman Rees (Schauinsland)

+++++22. Februar 2021+++++

„Hätten uns mehr erwartet“ - Sportdirektor nach Biathlon-WM unzufrieden

Nur zwei Medaillen in zwölf Rennen: Die deutschen Biathleten sind bei der WM in Pokljuka hinter den Erwartungen zurückgeblieben. "Ein bisschen mehr hätten wir uns schon erwartet. Es hat ein Stück weit das glückliche Händchen gefehlt", sagte Bernd Eisenbichler, Sportlicher Leiter der Biathleten, nach den historisch schlechten Titelkämpfen. Vier bis fünf Medaillen hatte der Deutsche Skiverband (DSV) als Ziel ausgegeben.

Olympiasieger Arnd Peiffer durfte als einziger deutscher Skijäger mit Einzel-Silber über eine Medaille in einem Individual-Rennen jubeln, die Frauen-Staffel lief auf der slowenischen Hochebene ebenfalls zu Silber. "Wir sind nicht komplett zufrieden mit der WM", sagte Eisenbichler: "Wir haben trotzdem gute Dinge gesehen, gerade bei den Damen mit vielen Top-8-Platzierungen."

Speziell Franziska Preuß, die alle sieben WM-Rennen bestritt, überzeugte mit starken Leistungen. Als einzige Athletin kam sie als Fünfte (Verfolgung), Sechste (Massenstart), Siebte (Einzel) und Achte (Sprint) in allen Einzel-Rennen in die Top 8. Die DSV-Athleten waren "oft sehr knapp an einer Medaille" dran, betonte Eisenbichler.