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Biathlon 2020/21: Marion Deigentesch ersetzt Anna Weidel bei Weltcup in Antholz

Biathlon-Telegramm 20/21 : Schempp weiter außen vor - Deigentesch ersetzt Weidel

Marion Deigentesch ersetzt bei der WM-Generalprobe im italienischen Antholz Anna Weidel im deutschen Weltcup-Team. Das sechsköpfige Herrenteam bleibt unverändert. In unserem Telegramm 2020/21 verpassen Sie nichts.

Der ehemalige Biathlon-Weltmeister Simon Schempp gehört erwartungsgemäß nicht zum deutschen Aufgebot für die WM-Generalprobe in Antholz. Wie der Deutsche Skiverband (DSV) mitteilte, bleibt das sechsköpfige Herrenteam um Arnd Peiffer, Erik Lesser und Benedikt Doll unverändert. Der einstige deutsche Vorzeigeathlet Schempp hat somit keine Chance mehr, um sich für die WM in Pokljuka (10. bis 21. Februar) zu qualifizieren.

Bei den Damen gibt es dagegen eine Veränderung. Die am vergangenen Wochenende im IBU-Cup starke Marion Deigentesch rückt für Anna Weidel in die Mannschaft. Angeführt wird das sechsköpfige Aufgebot von der Gesamtweltcupfünften Franziska Preuß und Denise Herrmann.

"Der Aufwärtstrend hat sich am vergangenen Wochenende in Oberhof fortgesetzt", sagte der sportliche Leiter Bernd Eisenbichler: "Die Wettkämpfe in Antholz sind nochmal sehr wichtig für die Aktiven." Denn nach den Rennen in Südtirol werde sich die sportliche Führung zusammensetzen und "entscheiden, mit welchem Team wir zur WM nach Pokljuka fahren."

Schempp hatte zu Jahresbeginn in Oberhof sein Saisondebüt im Weltcup gefeiert. Nach schwachen Leistungen wurde er vor Teil zwei des Heimweltcups aber schon wieder aus dem Team genommen.

+++++18. Januar 2021+++++

Preuß wird zur deutschen WM-Hoffnung - Schempp nur Zuschauer

Die Glückwünsche für seine Freundin konnte Simon Schempp nicht mal persönlich überbringen. Während sich Franziska Preuß in Oberhof zur großen WM-Medaillenhoffnung aufschwang, musste die einstige Nummer eins der deutschen Biathleten die Rennen im Fernsehen verfolgen. Der formschwache Ex-Weltmeister Schempp spielt gut drei Wochen vor den Titelkämpfen in Pokljuka (10. bis 21. Februar) keine Rolle im Team und wird ziemlich sicher schon wieder einen Saison-Höhepunkt verpassen. Preuß ist hingegen zur rechten Zeit endlich in der Verfassung, die sie sich lange vergeblich wünschte.

„So stabil habe ich mich noch nie gefühlt“, sagte Preuß. Und so führte sie in Thüringen erst die Staffel zum Heimsieg und wurde am Sonntag zum Abschluss auch noch Zweite im Massenstart. „Besser kann ich es kaum haben. Ich bin auf alle Fälle zuversichtlich und habe Selbstvertrauen tanken können“, sagte Preuß. Schempp nannte sie nach ihrem knapp verpassten zweiten Einzelsieg „Vizechef im Ring“ und applaudierte seiner langjährigen Partnerin bei Instagram. Ende Dezember waren sie in Ruhpolding bei einem Showrennen noch gemeinsam am Start und hatten 2016 schon WM-Silber in der Mixedstaffel geholt.

Bis vor einer Woche war der 32-Jährige Schempp selbst noch in Oberhof und startete beim ersten Teil des Weltcups am Rennsteig. Nach schwachen Ergebnissen mit den Rängen 58 (Sprint) und 45 (Verfolgung) verlor er seinen Platz im Team wieder und kämpft um den Anschluss.

Schon die vergangenen beiden Weltmeisterschaften verpasste der Schwabe, der jahrelang Schlussläufer der Staffel war. Verletzungen, Formschwäche - die Topleistungen sind in weiter Ferne. 2017 wurde er Weltmeister im Massenstart, ein Jahr später wäre er in Pyeongchang fast Olympiasieger geworden. Im Zielsprint setzte sich der Franzose Martin Fourcade hauchdünn durch - und Schempp gewann Silber.

„Wir hoffen, dass er da hinkommt, wo er mal war und uns im Team weiterhilft“, sagte Teamkollege Erik Lesser im vergangenen Jahr über Schempp. Eine Rückkehr ist dennoch offen, weitere Einsätze im Weltcup ungewiss. Dabei geht es nun ausgerechnet nach Antholz. Es ist der Ort, der ihm liegt wie kein anderer. Fünf seiner zwölf Weltcupsiege holte Schempp in der Höhe von Südtirol. Doch er wird nicht dabei sein und soll im zweitklassigen IBU-Cup am Arber in Bayern an seiner Form arbeiten. In der Loipe waren die Rückstände zuletzt riesig.

Die 26 Jahre alte Preuß geht die WM-Generalprobe in Italien derweil ganz positiv an. „Ich freue mich total auf Antholz. Ich schaue jetzt einfach, dass ich die Rennen so konzentriert weiterarbeite und dass ich gut regeneriere“, sagte die Bayerin vor dem Einzel am Donnerstag (14.15 Uhr/ZDF und Eurosport): „Dann bin ich auf alle Fälle angriffslustig.“ So gute Ergebnisse wie gerade lieferte Preuß zuletzt 2015, als sie bei der WM in Kontiolahti erst Gold mit der Staffel holte und dann im Massenstart mit nur 21 Jahren noch Silber gewann.

Auch sie machte danach viele Krisen und Verletzungsphasen durch. Die Selbstzweifel waren groß, doch Preuß kämpfte sich immer wieder zurück und löst nun Denise Herrmann zumindest zeitweise als deutsche Nummer eins ab. Als Fünfte im Gesamtweltcup gewöhnt sie sich langsam auch an die verantwortungsvolle Rolle der Staffel-Schlussläuferin. Dabei half ihr Schempp, der versicherte, dass sie sich das verdient habe. „Es hat mir brutal gut getan, das von ihm zu hören“, sagte Preuß.

+++++17. Januar 2021+++++

Preuß verpasst Sieg im Massenstart - Lesser wettert gegen „Bundestrainer auf der Couch“

Nach dem Sieg mit der Staffel hat Biathletin Franziska Preuß zum Abschluss des Heim-Weltcups in Oberhof auch im Massenstart über 12,5 km überzeugt und einen bärenstarken zweiten Rang belegt. Die 26-Jährige verpasste nach zwei Schießfehlern den zweiten Weltcupsieg ihrer Karriere nur um 3,9 Sekunden. Julia Simon aus Frankreich (3) gewann in 40:11,1 Minuten, Hanna Öberg aus Schweden (3/+11,7 Sekunden) wurde Dritte.

Lesser wird Achter und wettert gegen „Bundestrainer auf der Couch“

Biathlet Erik Lesser hat beim Heim-Weltcup in Oberhof im Massenstart über 15 km mit einem Fehler beim letzten Schießen einen Podestplatz vergeben. Der 32-Jährige belegte als bester Deutscher aber einen guten achten Platz (+31,4 Sekunden). Arnd Peiffer, der den ersten Massenstart des Winters in Hochfilzen gewonnen hatte, kam nach drei Schießfehlern (+37,3) auf Rang elf.

Lesser verteidigte im Anschluss seinen Teamkollegen Philipp Horn mit einer kurzen Wut-Ansprache gegen überzogene Kritik nach der Staffel-Pleite am Freitag beim Heim-Weltcup in Oberhof. „Das geht jetzt an alle Zuschauer, die sich da auslassen mussten über seine nicht ganz gute Leistung. Das ist absolut fehl am Platz. Das können sich die Bundestrainer auf der Couch daheim echt sparen“, sagte der Ex-Weltmeister aus Thüringen am Sonntag in der ARD. Der 32-Jährige konnte nicht verstehen, „was ich am Freitag und Samstag in den sozialen Netzwerken über Philipp Horn lesen musste“. Das habe Horn einfach „nicht verdient gehabt“.

Horn hatte sich im Staffelrennen in Thüringen in Führung liegend gleich drei Strafrunden geleistet und so einen möglichen Sieg noch aus der Hand gegeben. Dies sei jedoch kein Grund, den 26-Jährigen derart zu attackieren, befand Lesser. „Er hat letztes Jahr Martin Fourcade bei der WM zurechtgewiesen. Da war er unser gefeierter Held in der Staffel, und jetzt am Freitag hat er halt nicht die beste Leistung abgeliefert“, sagte Lesser.

Es gebe überhaupt keinen Grund, an der Leistungsfähigkeit des Schlussläufers zu zweifeln. „Er wird trotzdem von uns wieder auf die 4 gesetzt - weil er einfach ein geiler Typ ist“, sagte Lesser. In Oberhof hatte die Männer-Staffel am Ende noch Rang fünf belegt.

Tarje Bö aus Norwegen gewann im Massenstart am Sonntag nach einem Schießfehler in 37:41,9 Minuten knapp vor dem Österreicher Felix Leitner (0/+3,6) und dem Schweizer Benjamin Weger (0/+7,8). Benedikt Doll musste sich nach vier Schießfehlern (+1:00,5 Minuten) mit Rang 17 zufriedengeben. Im Sprint am Mittwoch hatten Peiffer und Lesser mit Platz drei und vier überzeugt.

Ab Donnerstag bis Sonntag findet in Antholz die Generalprobe für die WM in Pokljuka (10. bis 21. Februar) statt. Die Frauen starten mit dem Einzelrennen über 15 km. Für die Männer steht am Freitag der Einzel-Wettkampf über 20 km auf dem Programm.

+++++16. Januar 2021+++++

Deutsche Frauen-Staffel siegt in Oberhof

Nach der Siegerehrung tanzten und sangen Franziska Preuß, Denise Herrmann, Vanessa Hinz und Janina Hettich im Zielraum ausgelassen. Knapp zwei Jahre hatten die deutschen Biathletinnen auf diesen Glücksmoment, auf diese Explosion der Gefühle warten müssen - nun gelang ausgerechnet beim Heim-Weltcup in Oberhof der lange ersehnte Erfolg in der Staffel über 4x6 km.

"Es ist mega geil. Es tut für die ganze Mannschaft so gut. Das saugt jeder auf. Ich fühle mich mega erleichtert, ich bin einfach nur froh", sagte Preuß überglücklich, nachdem sie mit ihren Kolleginnen ausgelassen unzählige Siegerfotos geschossen hatte. "Wir waren voll motiviert. Das war eine extrem gute Teamleistung", ergänzte Herrmann strahlend.

Das DSV-Quartett (0 Strafrunden + 5 Nachlader) lag in 1:14:31,5 Stunden 17,4 Sekunden vor dem überraschend starken Team aus Belarus (0+9) und 35,7 Sekunden vor Schweden (0+5). Der erste Saisonerfolg der DSV-Frauen war Genugtuung nach den oft enttäuschenden Ergebnissen der letzten Wochen.

"Da fällt heute schon Einiges ab", betonte DSV-Trainer Florian Steirer erleichtert. "Das war heute enorm wichtig. Jetzt weiß ich zu schätzen, was für eine Ehre es ist, eine Staffel zu gewinnen. Über Jahre hat es sich fast wie eine Selbstverständlichkeit angefühlt", sagte Hinz.

Den letzten deutschen Staffel-Erfolg bei den Frauen hatte es am 8. Februar 2019 in Canmore in der Besetzung Hinz, Herrmann, Franziska Hildebrand und Laura Dahlmeier gegeben. Seitdem wurden die DSV-Frauen zwar Vize-Weltmeister in Antholz 2020 und in dieser Saison in Kontiolahti auch schon Dritte - aber für ganz oben reichte es eben nicht. Bis zum Samstag.

Es habe "alles gepasst", sagte Hinz, die auf Position drei an Hettich übergeben hatte. Die leistete sich stehend drei Nachlader. "Ich wollte es nicht ganz so spannend machen. Es hat zum Glück funktioniert", sagte Hettich. Herrmann lief schließlich von Platz fünf auf zwei vor, ehe Preuß mit einer tadellosen Schießleistung den ersten Staffelsieg in Oberhof seit 2008 perfekt machte.

Am Sonntag peilen die deutschen Athleten bei den Massenstarts einen erneuten Coup an. Bei den Männern (12.30 Uhr) sind Arnd Peiffer, Benedikt Doll und Erik Lesser ("Das wird richtig hart") für die 15 km qualifiziert. Für das deutsche Frauenteam gehen Preuß, Herrmann, Hettich und Maren Hammerschmidt (15 Uhr/jeweils ARD und Eurosport) über 12,5 km an den Start.

+++++15. Januar 2021+++++

Horn patzt beim Schießen - DSV-Staffel in Oberhof nur auf Platz fünf

Philipp Horn war nach seinem Schießdebakel in Oberhof völlig ratlos. „Während des Schießens habe ich absolut keine Ahnung gehabt, was ich falsch mache. Ich habe versucht, in die Mitte zu schießen, das hat nicht geklappt“, sagte der Thüringer Biathlet, nachdem die Geschosse einfach nicht den Weg ins Ziel finden wollten.

In Führung liegend vergab der Schlussläufer ausgerechnet beim Weltcup-Heimspiel am Freitag den möglichen ersten deutschen Staffelsieg seit vier Jahren. Der 26-Jährige musste nach dem Liegendschießen gleich dreimal in die Strafrunde und vergab so alle Podestchancen. Zusammen mit Erik Lesser, Benedikt Doll und Arnd Peiffer landete Horn auf seiner Heimstrecke nach 4x7,5 Kilometern auf Platz fünf. „Ich bin einfach nur enttäuscht“, sagte Horn. Den Sieg sicherte sich Weltmeister Frankreich vor Norwegen und Italien.

„Das ist sehr hart“, kommentierte Olympiasieger Peiffer die Patzer. Horns Trefferbild hatte sich nach links unten verlagert, alle Schüssen trafen in kleinem Radius auf, nur eben nicht auf die Scheiben. „Ich hatte den gleichen Wind wie beim Anschießen und habe keine schlechten Schüsse abgegeben“, versicherte Horn. Peiffer sagte: „Das ist blöd gelaufen. Das tut mir leid, aber das ist Teil des Geschäfts.“ Fast regungslos lief Horn dann über die Ziellinie und schien immer noch nicht zu fassen, was er kurz zuvor erleben musste.

„Es fehlt nicht so viel, dass unsere Staffel mal durchkommt“, sagte Peiffer trotzdem. Bis zum letzten Wechsel hatte das Quartett eine starke Vorstellung geliefert und Hoffnungen geweckt, dass es erstmals seit dem Sieg im Januar 2017 in Antholz zu einem Erfolg reicht. Der erste Staffeltriumph in Oberhof seit zehn Jahren rückte aber in weite Ferne, nachdem Horn patzte. Mit acht Schüssen - inklusive Nachlader - traf er nur zwei Scheiben und musste so in der Strafrunde 450 Meter extra absolvieren. Daneben leistete sich der WM-Dritte Deutschland insgesamt elf Nachlader - zu viel für ganz vorne.

Startläufer Lesser übernahm auf seiner persönlichen Schlussrunde erstmals die Führung. Der 32-Jährige beeindruckte vor allem mit einer besonderen Schnellfeuereinlage im Stehendschießen. Lediglich 17,9 Sekunden benötigte der Ex-Weltmeister für die fünf Scheiben. Normalerweise gelten 25 Sekunden schon als sehr flott. „Ich dachte mir: jetzt probierst du es. Zum Glück ist es aufgegangen“, sagte Lesser. Doll musste dann nur den Italiener Lukas Hofer ziehen lassen und übergab an Position zwei an Peiffer. Da lag der große Favorit Norwegen nach einer Strafrunde schon über eine Minute zurück.

Peiffer hielt sich so souverän in der Spitzengruppe, bis der Harzer sogar noch einen kleinen Vorsprung erkämpfte. Horn, mit 26 Jahren der jüngste der DSV-Skijäger, konnte das jedoch nicht nutzen.

Für die deutsche Frauen-Staffel geht es am Samstag (14.45 Uhr/ARD und Eurosport) um den ersten Podestplatz in diesem Jahr. Vanessa Hinz, Janina Hettich, Denise Herrmann und Franziska Preuß treten an und müssen sich vor allem gegen die starken Skandinavier wehren. Favorit auf den Sieg ist erneut Weltmeister Norwegen um Dauersiegerin Tiril Eckhoff. In den bisherigen beiden Staffeln des Winters reichte es für Vize-Weltmeister Deutschland bislang einmal für das Podium.

+++++14. Jnauar 2021+++++

Preuß auf Rang sechs - Herrmann patzt bei Eckhoff-Sieg erneut

Die deutschen Biathletinnen sind vier Wochen vor der WM in Pokljuka weiterhin nicht in Medaillenform. Franziska Preuß belegte beim Heim-Weltcup in Oberhof beim Sprint über 7,5 km zwar einen starken sechsten Platz, doch zum Podium fehlten nach einem Schießfehler 20,9 Sekunden. Denise Herrmann steckt weiter im Tief. Sie musste sich nach erneut schlechter Schießleistung mit drei Fehlern mit dem 15. Rang begnügen. Da nutzte auch die zweitbeste Laufleistung wenig.

Janina Hettich und Maren Hammerschmidt blieben in der Arena am Rennsteig zwar fehlerlos. Beide waren aber läuferisch nicht stark genug, um eine Top-10-Platzierung zu erreichen. Hettich lag als 13. aber immerhin vor Herrmann. Vanessa Hinz verfehlte nach einem Schießfehler die WM-Norm erneut deutlich.

Tiril Eckhoff bleibt dagegen das Maß der Dinge. Die überragende Norwegerin holte sich ihren bereits sechsten Saisonsieg trotz eines Schießfehlers. In 22:33,8 Minuten gewann Eckhoff vor der Italienerin Dorothea Wierer (0/+9,3 Sekunden) und Lisa Theresa Hauser aus Österreich (0/+12,6), die ihren dritten Podestplatz in Folge holte.

Mit der Staffel der Männer über 4x7,5 km geht es am Freitag (14.30 Uhr/ARD und Eurosport) in Oberhof weiter. Am Samstag (14.45 Uhr) findet die Frauen-Staffel über 4x6 km statt. Die beiden Massenstart-Rennen (12.30 und 15.00 Uhr) schließen am Sonntag den Heim-Weltcup ab.

+++++13. Januar 2021+++++

Peiffer sprintet in Oberhof auf Platz drei - 50. Weltcupsieg für Bö