Biathlon-Weltcup in Oberhof: Schnee aus Neusser Skihalle sichert Wettkämpfe

2000 Kubikmeter nach Thüringen : Schnee aus Neuss sichert Biathlon in Oberhof

Seit 16 Jahren versorgt die Skihalle Neuss das Biathlon-Event auf Schalke mit Schnee. Nun sichert dieser Schnee auch den laufenden Weltcup in Oberhof. Für die Betreiber der Skihalle ist es eine lukrative Win-Win-Situation.

Wenn in diesen Tagen die Biathlon-Weltspitze für den ersten Weltcup des Jahres in Oberhof zu Gast ist, hat die Skihalle Neuss ihren Anteil daran, dass die Wettkämpfe überhaupt stattfinden können. Aufgrund mangelnden Schneefalls und zu hoher Temperaturen konnten die Organisatoren in Oberhof die Strecken für den Biathlon-Weltcup nicht ausreichend präparieren. Deshalb bat man in Gelsenkirchen um Hilfe, wo Ende Dezember noch vor 46.000 Zuschauern die Biathlon World Team Challenge auf Schalke stattgefunden hatte. Insgesamt 2.000 Kubikmeter Schnee wurden mit Lastwagen aus dem Ruhrgebiet in den Thüringer Wald transportiert. Und es war eben Schnee, der zuvor in der Neusser Skihalle produziert und abgetragen worden war. Das Geschäft mit dem Schnee ist ein lukratives für die Skihalle, wie August Pollen, Geschäftsführer des Alpenpark Neuss erklärt: „Wir besitzen für die Produktion die gesamte Infrastruktur, die wir sowieso das ganze Jahr unterhalten. Der Schnee ist eh vorhanden, also können wir ihn doch auch ganz einfach mehrfach nutzen.“

Seit 16 Jahren beliefert die Skihalle so das Biathlon-Event, das im Fußballstadion des FC Schalke 04 stattfindet. Zuletzt erst wurde der Vertrag um vier weitere Jahre verlängert. Dass die Wintersport-Welt immer wieder auf den Schnee aus Neuss zurückgreift und jetzt sogar mit ihm die Durchführung eines Weltcups gesichert werden konnte, liegt an dem patentierten System der Halle. Zwölf in die Hallendecke integrierte Schneekanonen produzieren für das Skifahren bestens geeigneten Pulverschnee. Dafür wird zunächst Wasser durch einen Kühlkreislauf geleitet und dann mithlfe von Hochdruckkompressoren durch feine Düsen gepresst. Die dadurch entstehenden Schneekristalle rieseln aus 14 Metern Höhe zu Boden und liefern optimale Pistenverhältnisse in der Halle. Bis zu 80 Kubikmeter Neuschnee produzieren die Schneekanonen mit dem patentierten System am Tag. „Insgesamt liegen wohl immer so 9.000 bis 10.000 Kubikmeter Schnee in der Halle“, erklärt Pollen weiter.

Ein weiterer Grund, warum sich der Schnee bestens für den Transport und die Verwendung auf den Biathlon-Strecken eignet, ist der Fahrbetrieb in der Skihalle. „Durch die Skifahrer wird der Schnee in der Halle komprimiert. Anders als bei normalem Neuschnee ist zwischen dem befahrenen Schnee auf unserer Piste weniger Luft. So kommt keine Wärme in den Schnee, und er kann besser und länger wiederverwendet werden“, beschreibt der Geschäftsführer den Prozess.

4.000 Kubikmeter Schnee waren im Dezember von Neuss nach Gelsenkirchen gebracht worden, um dort die Strecke für den Team-Wettbewerb zu präparieren. Nun konnte die Hälfte dieses Schnees zum Weltcup nach Oberhof gebracht werden. „Der Schnee konnte einfach wieder eingeladen und in Oberhof neu präpariert werden. Das funktioniert nur, weil er vorher so gut komprimiert wurde.“

Ganz zur Freude der Weltcup-Ausrichter in Thüringen. Ohne den Neusser Schnee wäre eine Durchführung der Sprint- und Staffel-Wettkämpfe, sowie des Massenstarts an diesem Wochenende nicht gesichert gewesen. Und das wäre nicht weniger als ein Super-GAU für die Biathlon-Hochburg in Oberhof gewesen, wo 2023 die Weltmeisterschaft stattfinden wird. Die Organisatoren rechnen an den vier Wettbewerbstagen mit insgesamt 60.000 Zuschauern, zudem werden alle Weltcuprennen live von der ARD übertragen. Rund 15.000 Kubikmeter Schnee wurden in dem großen Wintersportzentrum insgesamt benötigt, um die Strecken zu präparieren. „Es ist kein Novum, dass wir von anderen Stellen Schnee nach Oberhof holen“, erzählt Ines Leining, stellvertretende Chefin des Organisationskomitees in Oberhof. „Wir haben hier zwar selber ein Schneedepot und sind meistens gut ausgekommen, aber in diesem Jahr war es zu warm für die Schneekanonen. Außerdem haben wir hier nicht so viel Platz für ein größeres Depot.“