Wintersport-Saison 2019/20: Eisschnelllauf-Trainer Lehmann im Zuge der Operation Aderlass entlassen

Wintersport-Telegramm 2019/20 : Eisschnelllauf-Trainer Lehmann im Zuge der Operation Aderlass entlassen

Die ersten Wintersportler sind in die Saison 2019/20 gestartet. In unserem Wintersport-Telegramm halten wir Sie über die Wintersport-Saison auf dem Laufenden.

Der mutmaßlich in den Blutdoping-Skandal um den Erfurter Sportarzt Mark S. verwickelte Eisschnelllauf-Trainer Robert Lehmann-Dolle muss sich einen neuen Job suchen. „Der Olympiastützpunkt Berlin (OSP) bestätigt, dass das Arbeitsverhältnis mit seinem OSP-Trainer Robert Lehmann-Dolle durch Kündigung beendet wurde“, teilte OSP-Leiter Harry Bähr auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch mit.

Aufgrund des laufenden Verfahrens vor dem Arbeitsgericht würden vom OSP Berlin zum Sachverhalt keine weiteren Informationen gegeben, hieß es weiter in der Antwort des Olympiastützpunkts.

Im Mai hatte die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA mitgeteilt, dass gegen den 35 Jahre alten Erfurter ein sportrechtliches Disziplinarverfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht eingeleitet wurde. Dabei war erstmals der Name von Lehmann-Dolle öffentlich bestätigt worden. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Lehmann-Dolle die hoffnungsvollsten Nachwuchsläufer der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft DESG am Stützpunkt Berlin betreut.

Lehmann-Dolle war bereits zuvor von seiner Tätigkeit am OSP freigestellt worden. Offensichtlich haben nun die Ermittlungen der NADA Verstöße gegen die Anti-Doping-Bestimmungen belegt, die eine Weiterbeschäftigung des Thüringers nicht mehr rechtfertigen. Im Januar hatte die ARD-Doping-Redaktion berichtet, dass ein Eisschnellläufer in die „Operation Aderlass“ verwickelt sein soll.

Am Wochenende hatte DESG-Sportdirektor Matthias Kulik am Rande der deutschen Meisterschaften die Kündigung aus „arbeitsrechtlichen Gründen“ noch nicht offiziell bestätigen wollen. Lehmann-Dolle weilte zu den Meisterschaften gleichfalls in Inzell, wollte dort zu seiner Situation aber nichts sagen.

Mittelstreckler Lehmann nahm als aktiver Eisschnelllauf 2006, 2010 und 2014 an Olympischen Winterspielen teil. Seine beste Platzierung verbuchte er in der Teamverfolgung 2006 in Turin auf Rang sieben. Der für den ESC Erfurt startende Lehmann war 2010 deutscher Meister über 1500 Meter und lief im deutschen Trio viermal auf ein Weltcup-Podest. Er beendete nach den Spielen in Sotschi seine sportliche Karriere und genoss danach als Athletensprecher das Vertrauen der Sportler.

Insgesamt sollen mindestens 21 Sportler aus acht Nationen bei Sportmediziner Mark S. Blutdoping praktiziert haben. Auslöser der staatsanwaltlichen Ermittlungen war der Film „Die Gier nach Gold“ der ARD.

+++++9. November 2019+++++

Claudia Pechstein holt 39. Titel - Konkurrentinnen treten nicht an

Claudia Pechstein hat am Samstag den wohl kuriosesten Meistertitel ihrer Karriere erkämpft und über 5000 Meter ihr 39. Gold bei deutschen Eisschnelllauf-Meisterschaften erkämpft. In 7:10,07 Minuten lag sie beim international ausgeschriebenen Titelkampf in Inzell fast zehn Sekunden hinter der dreimaligen Olympiasiegerin Martina Sablikova aus Tschechien (7:00,51). Ihre deutschen Konkurrentinnen Roxanne Dufter (Inzell) und Michelle Uhrig (Berlin) hatten zuvor abgemeldet, dennoch erhielt Pechstein die DM-Goldmedaille umgehängt.

„Mein Ziel war es, konstant zu laufen, es ist eine ordentliche Zeit herausgesprungen“, sagte Rekordmeisterin Pechstein. „Dass sich keine der Konkurrentinnen auf den 5000 Metern gestellt hat, dafür kann ich nichts“, fügte die 47 Jahre alte Berlinerin hinzu.

Nico Ihle revanchierte sich am Samstag für seine Vortagsniederlage über 500 Meter. Auf der doppelten Distanz holte sich der Chemnitzer in 1:09,74 Minuten seinen insgesamt 14 nationalen Titel. Er beendete die Serie des Inzellers Joel Dufter, der den Titel in den vergangenen drei Jahren gewonnen hatte.

Gewohnte Konstanz unterstrich der WM-Vierte Patrick Beckert, der sich nach den 5000 Metern auch Gold über 10 000 Meter sicherte. In 13:14,28 Minuten lief er zum 22. deutschen Meistertitel. „Es ging nur darum, den Titel zu verteidigen und für den Weltcup in Minsk in den Rhythmus zu kommen“, sagte der Erfurter. Die 1000 Meter der Damen hatte Michelle Uhrig in 1:16,76 Minuten für sich entschieden.

+++ 9. November 2019 +++

Gassner und Hermann holen Skeleton-Titel

Alexander Gassner (Winterberg) und Tina Hermann (Königssee) haben sich die Titel bei den deutschen Skeleton-Meisterschaften gesichert. Gassner siegte in der Eisarena Königssee vor Lokalmatador Felix Keisinger (+0,13 Sekunden). Titelverteidiger Axel Jungk (Oberbärenburg/+0,14) belegte nach zwei Läufen Platz drei.

Hermann feierte ihren dritten DM-Titel in Serie. Sie verwies Jacqueline Lölling (Hochsauerland/+0,45) und Susanne Kreher (Oberbärenburg/+2,0) auf die Ränge zwei und drei.

Am Montag wird Cheftrainer Dirk Matschenz sein Weltcup-Team nominieren. Gassner, Hermann, Lölling und Sophia Griebel (Suhl) haben ihren Platz bereits sicher.

+++ 9. November 2019 +++

Teeuwen erklärt Rücktritt mit „Anfeindungen“

Stefanie Teeuwen hat ihren überraschenden Rücktritt als Präsidentin mit einem Streit innerhalb der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) und Angriffen gegen ihre Person begründet. "Ich habe das mit Leidenschaft gemacht", sagte sie der Süddeutschen Zeitung: "Aber wenn es auf einer persönlichen Ebene zu Anfeindungen kommt, und es irgendwann die Gesundheit betrifft, dann muss man sich fragen, ob das noch das Richtige ist."

Zu den Details wollte sich Teeuwen (50), die drei Jahre an der DESG-Spitze gestanden hatte, nicht äußern, da gelte es, Schaden vom Verband abzuhalten. Sie sagte aber, dass es "Mitspieler gab, die nur Steine in den Weg legten".

Das verbleibende DESG-Präsidium, das derzeit nur noch aus Shorttrack-Vize Uwe Rietzke und Schatzmeister Dieter Wallisch besteht, will im Rahmen der internationalen deutschen Meisterschaften am Wochenende in Inzell das Interesse möglicher Kandidaten für die Position ausloten, die vorerst wohl nur kommissarisch besetzt wird.

Die fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein (47) hatte ihren Lebensgefährten Matthias Große als Teeuwens Nachfolger ins Gespräch gebracht. Laut SZ sagte Bundestrainer Erik Bouwman: "Das ist genau so unrealistisch, als würde ich meine Frau für das Präsidentenamt vorschlagen."

+++ 8. November 2019 +++

Claudia Pechstein holt 38. Titel - Ihle verpasst 500-Meter-Gold

Claudia Pechstein hat ihren Rekord bei deutschen Meisterschaften mit Eisschnelllauf-Titel Nummer 38 ausgebaut. Die 47 Jahre alte Berlinerin kam am Freitag beim nationalen Titelkampf in Inzell über 3000 Meter auf gute 4:05,57 Minuten und verwies Roxanne Dufter aus Inzell mit mehr als vier Sekunden Vorsprung auf Platz zwei. „Die Zeit stimmt mich froh, denn ich war noch ein wenig schneller als beim Saisoneinstieg. Der 38. Titel macht mich einfach nur stolz“, meinte Pechstein, die drei weitere DM-Starts plant. Wie die beiden Erstplatzierten erfüllte auch Michelle Uhrig aus Berlin in 4:10,73 die interne Norm für die kommende Woche in Minsk beginnende Weltcupsaison.

Zuvor hatte Nico Ihle seinen zehnten Titel über 500 Meter knapp verpasst. Der 33 Jahre alte Chemnitzer musste auf 35,50 Sekunden Joel Dufter (Inzell/35,41) den Vortritt lassen. Schon vor dem Rennen hatte Ihle seinen Entschluss öffentlich gemacht, seine Karriere bis zu den Olympischen Winterspielen in Peking 2022 fortzusetzen. „Ich trainiere jetzt in einer größeren Trainingsgruppe gemeinsam mit Joel. Das motiviert mich ungemein“, verkündete der Sachse. „Ich hatte heute zwei, drei Wackler auf den ersten 100 Metern. Das hat Geschwindigkeit gekostet“, sagte Ihle. Dufter freute sich, dass er auch über 100 Meter diesmal vor seinem Rivalen lag.

Die Meisterschaften sind erstmals international ausgeschrieben, damit sind die Starterfelder dreimal so groß wie in der Vergangenheit. Auch die Belgier und die Österreicher um Weltmeisterin Vanessa Herzog ermitteln in der Max-Aicher-Arena ihre nationalen Meister.

+++ 8. November 2019 +++

Pechstein-Freund will neuer Präsident der Eisschnellläufer werden

Claudia Pechsteins Lebensgefährte Matthias Große will die von einer Krise in die nächste taumelnde Deutsche Eischnelllauf-Gemeinschaft (DESG) als Präsident „vor dem drohenden Untergang“ retten. Der Berliner Immobilien-Unternehmer machte am Freitag seine Ambitionen deutlich. „Dieser Verband hat so viele Verbindlichkeiten. Man weiß nicht einmal, ob sie nicht schon hätten Insolvenz anmelden müssen. Es geht einfach nicht so weiter“, sagte Große der Deutschen Presse-Agentur. „Die leben wie die Fürsten und haben gar kein Geld. Ich will Flagge zeigen.“

Der für alle überraschende Rücktritt der führungsschwachen Präsidentin Stefanie Teeuwen hatte einen Tag vor den deutschen Meisterschaften ein bezeichnendes Bild auf den nach dem Rückzug des Hauptsponsors DKB finanziell am Boden liegenden Verband geworfen. „Die Finanzsituation ist schwierig, aber wir stehen nicht vor der Pleite. Aber 400 000 Euro zu ersetzen, ist nicht einfach“, räumte DESG-Schatzmeister Dieter Wallisch ein. Der Pensionär aus München ist neben Vizepräsident Uwe Rietzke das einzig noch verbliebene Präsidiums-Mitglied, nachdem vor einigen Wochen auch Vizepräsident Hubert Graf aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niedergelegt hatte.

Pechstein hatte am Vorabend den Namen ihres Freundes als Präsident ins Spiel gebracht. „Ein Rücktritt der Präsidentin einen Tag vor der Eisschnelllauf-Saison ist so was von unprofessionell. Es sei denn, es ist ihr persönliches Leid widerfahren“, kritisierte der Immoblilien-Unternehmer. Teeuwen hat bisher keine Gründe für ihren Rückzug genannt. Neben den akuten Finanzproblemen könnte auch die fehlende Rückendeckung durch Präsidium und Trainerteam den Ausschlag gegeben haben. „Sie hatte einfach keine Standing im Verband“, sagte der Berliner Stürzpunkt-Trainer Uwe Hüttenrauch.

Wenn er Verantwortung übernähme, würde er den Verband „komplett durchrütteln“, kündigte Große an. Er habe erlebt, was sich dort abspiele, wo nur hinter dem Rücken von Betroffenen geredet werde. „Wer soll diese Suppe auslöffeln? Es geht um die Zukunft der Sportler und des Verbandes“, sagte er. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, werde „es den Verband 2022 nicht mehr geben“, prognostizierte er. „Die Situation destabilisiert die aktuelle Verbandssituation weiter“, konstatierte auch Teeuwens Amts-Vorgänger Gerd Heinze aus Berlin. Er hält aber personelle Diskussionen derzeit für verfrüht.

Unmittelbar nach dem Rücktritts-Hammer von Teeuwen waren Spekulationen über die Nachfolge ins Kraut geschossen. „Ein neuer Eisschnelllauf-Präsident muss drei wichtige Komponenten erfüllen: Er muss nicht nur Englisch und Deutsch, sondern auch ein bisschen Niederländisch und Norwegisch sprechen, er muss gut mit der Wirtschaft vernetzt sein und er muss ein Standing haben beim DOSB und dem Eislaufverband ISU“, erklärte Trainer-Urgestein Hüttenrauch als Mann der Basis sein Anforderungsprofil.

Wallisch will nun aber nichts über das Knie brechen. „Mit zwei Präsidiumsmitgliedern sind wir noch geschäftsfähig“, erwähnte der Schatzmeister. Erst nach den Meisterschaften würden sich die letzten Funktionsträger zusammensetzen, um über Wege aus der Krise zu beraten. Er hält es für möglich, dass eines der Präsidiumsmitglieder kommissarisch bis zur nächsten Wahl das Chef-Amt übernimmt.

DESG-Sportdirektor Matthias Kulik gibt sich diplomatisch. „Es geht hier um politische Entscheidungen im Sinne des Verbandes. Deshalb will ich ganz zurückhaltend reagieren“, reagierte er auf Pechsteins Vorschlag, der unter Trainern einiges Kopfschütteln ausgelöst hatte.

„Da kann ich nicht ernst nehmen. Das ist genau so unrealistisch, als würde ich meine Frau für das Präsidentenamt vorschlagen“, sagte Bundestrainer Erik Bouwman, der zuvor bei Pechstein wegen der Ausbootung aus seiner Trainingsgruppe auf Kritik gestoßen war.

+++++ 14. Oktober 2019 +++++

Rodel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger ist schwanger und verzichtet auf Weltcupsaison

Die viermalige Rodel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger ist schwanger und wird im kommenden Winter nicht an den Weltcups und den Weltmeisterschaften in Sotschi teilnehmen. Das gab der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) am Montag bekannt. Die 31-Jährige aus Miesbach erwartet im April 2020 ihr erstes Kind. Ihr Ziel bleiben die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking.

"Mein Mann Markus und ich freuen uns sehr darüber, dass wir uns nach unserer Hochzeit im letzten Sommer jetzt unseren Wunsch nach einer eigenen Familie erfüllen können", sagte Geisenberger: "Vorausgesetzt, unserem Kind geht es gut, und es läuft so, wie wir uns das momentan vorstellen, würde ich meine sportliche Karriere, Stand jetzt, gerne in der vorolympischen Saison fortsetzen."

Bei Facebook postete sie ein Bild mit den Füßen ihres Mannes, ihres Hundes, ihren eigenen Füßen und einem Paar Babyschuhen.

Bundestrainer Norbert Loch erklärte: "Ich freue mich sehr für Natalie. Ich wusste, dass sie nach den Olympischen Spielen von Pyeongchang nur von Jahr zu Jahr plant. Ich würde mich sehr, sehr freuen, Natalie nach ihrer Pause, die sie in dieser Saison einlegt, wiederzusehen. Das Zeug dazu hat sie, das Können, den Ehrgeiz, den Biss, den Fleiß."

Deutschlands erfolgreichste Rennrodlerin hat neben ihren vier olympischen Goldmedaillen insgesamt siebenmal in Folge den Gesamtweltcup und neun Weltmeistertitel gewonnen.

Ihre Schwangerschaft verschärft die Personalsituation bei den international tonangebenden deutschen Rodlerinnen. Die Olympiazweite Dajana Eitberger (Ilmenau) hatte im August ihre Schwangerschaft bekannt gegeben. Vancouver-Olympiasiegerin Tatjana Hüfner (Blankenburg), die vor Geisenberger fünfmal in Folge den Gesamtweltcup gewonnen hatte, beendete am Ende der Saison 2018/2019 ihre Karriere.

(rent/sid)
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