Vorbild für Michael Schumacher: So kehrte Kevin Pearce zurück

Snowboarder erlitt Schädel-Hirn-Trauma: So kämpfte sich Kevin Pearce zurück ins Leben

Bei Olympia 2010 hätte er der große Rivale von Shaun White sein sollen, doch am Silvesterabend 2009 verunglückte Kevin Pearce. Ein Kinofilm zeigt nun den Weg zurück ins Leben des Snowboarders.

Er hatte sich wieder rangekämpft, wieder auf dem Snowboard gestanden und irgendwie sogar davon geträumt, wieder der große Rivale von Shaun White zu werden. Doch dann schloss er einen Pakt mit seinem Bruder David.

Dieser hatte Kevin Pearce stets bekniet, nicht mehr Snowboard zu fahren. Weil er ihn nicht verlieren wolle. Er solle endlich seine Situation akzeptieren, bettelt David. Einsehen, dass er seit jenem Unfall an Silvester 2009 nicht mehr derselbe ist. Er hat ihn daran erinnert, dass die Ärzte sagten, ein weiterer Sturz auf den Kopf könne ihn das Leben kosten.

Und er hat ihn an Trevor Rhoda erinnert, den ihre Mutter ihm vorgestellt hatte. Trevor hatte es nicht einsehen wollen, war nach einem Schädel-Hirn-Trauma wieder aufs Brett gestiegen und wieder gestürzt. Sein geistiger Zustand ist seitdem der eines Kleinkindes.

"Ich werde es versuchen"

Kevin Pearce überlegt. "Wirst du dann auch dein Down-Syndrom akzeptieren", fragt er seinen Bruder. David beginnt zu weinen. "Ich werde es versuchen", sagt er. Also versucht es auch Kevin und beendet seine Karriere als Snowboarder endgültig.

Es sind Szenen wie diese, die den Dokumentarfilm "The Crash Reel" laut FAZ sehenswert machen. Am Donnerstag startet die HBO-Produktion in ausgewählten deutschen Kinos. In den USA wurde er von den Kritikern so begeistert aufgenommen, dass viele nach den Nominierungen 2011 und 2012 diesmal den Oscar für Regisseurin Lucy Walker erwarten.

Kevin Pearce liegt das Projekt sehr am Herzen. Er hat sein Privat-Archiv geöffnet und vor Walkers Kamera wieder und wieder seine Seele. "Wenn du hinfällst, kannst du dich wieder aufrappeln. Das ist die Botschaft, die ich Leuten vermitteln will", sagte der 26-Jährige dem Deutschlandfunk: "Ich will ihnen beibringen, dass sie kämpfen müssen. Man kann es schaffen und ein wirklich erfolgreiches, zufriedenes Leben leben."

Bis zur Silvester-Nacht 2009 war Kevin Pearce nicht nur das große Vorbild seines zwei Jahre älteren Bruders David. Er war eine Ikone seines Sports. Der einzige ernsthafte Rivale des Snowboard-Popstars White. Der einzige, der ihm bei Olympia 2010 in Vancouver hätte gefährlich werden können. Und als stiller und bescheidener Typ so etwas wie der Gegenentwurf des schrillen Kaliforniers.

Der Versuch des Doublecork

Doch dann versucht sich Kevin Pearce am Doublecork. An jenem Sprung, den White während ihrer Jahre dauernden Rivalität als großen Trumpf perfektionierte. Pearce stürzt, in jener Halfpipe in Park City, in der 740 Tage später auch die Kollegin Sarah Burke stürzt.

Burke stirbt neun Tage später an ihrem Schädel-Hirn-Trauma. Auch Pearce erleidet jene Verletzung. Er lag 26 Tage im künstlichen Koma und insgesamt vier Monate im Krankenhaus. Der Film zeigt viele gnadenlose Bilder aus dieser Zeit, die betroffen machen. Aber die auch Hoffnung geben. Denn Kevin Pearce hat es geschafft. Auch wenn er seinen Sport endgültig aufgegeben hat.

Der Trailer zum Film:

(sid)
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