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Wiggins-Edelhelfer Froome will selbst angreifen

Wiggins-Edelhelfer Froome will selbst angreifen

PAU (sid) Sky-Kapitän Bradley Wiggins fährt in diesen Tagen im Gelben Trikot in Richtung Tour-Gesamtsieg. Sein Edelhelfer Christopher Froome würde selbst gerne siegen – und könnte es wohl auch. Schon die erste Bergankunft hatte Froome schließlich mit Leichtigkeit gewonnen. Und auch auf dem schwersten Alpenabschnitt nach La Toussuire hätte der 25-Jährige seinen Chef wohl stehen lassen können, wurde von Teamchef Sean Yates aber zurückgepfiffen. Nur: Froome darf noch nicht siegen. Vor der heutigen ersten Pyrenäen-Etappe versprach der Aufsteiger des Jahres seinem Kapitän zwar seine Loyalität, klang aber deutlich forscher als vor der Tour. "Es ist ein großes Opfer für mich, ich weiß, dass ich die laufende Tour gewinnen könnte – allerdings nicht mit Sky", sagte der 25-Jährige der L'Equipe, "wir hatten uns wegen der vielen Zeitfahr-Kilometer auf Wiggins ausgerichtet, jeder respektiert das."

Die Konstellation bei Sky erinnert stark an das Team Telekom rund 15 Jahre zuvor. 1996 führte ein junger Jan Ullrich Kapitän Bjarne Riis ohne Rücksicht auf eigene Ansprüche zum Toursieg, 1997 bekam er in den Pyrenäen von Riis dann freie Fahrt. Bei Sky könnte es ähnlich laufen. Schon jetzt beansprucht Froome, der mittlerweile auch exzellente Zeitfahr-Qualitäten entwickelt hat, die Kapitänsrolle für 2013: "Wenn die Tour wirklich so bergig wie erwartet wird, hoffe ich, dass Sky mich fair behandelt und das Team für mich fährt. Wiggins ist ein Ehrenmann, er wird mich dann für meine jetzige Arbeit entlohnen und mir helfen."

Bis dahin soll aber noch Froome helfen, das Gelbe Trikot zu verteidigen und Attacken von Titelverteidiger Cadel Evans abzuwehren. "Die Tour wird noch Überraschungen haben, vor Paris werde ich nicht glauben, dass ich geschlagen bin", sagt Evans. Die Chance des mit 3:19 Minuten Rückstand viertplatzierten Australiers ist gering. Weil Wiggins der stärkere Zeitfahrer ist, müsste Evans in den Pyrenäen rund fünf Minuten herausfahren.

Sollte Evans tatsächlich noch gefährlich werden für das Sky-Team, will Froome aber da sein. "Klettern ist nicht Wiggins' Stärke. Wenn ich das Gefühl habe, wir verlieren die Tour, dann folge ich dem Stärksten – egal, ob es Evans oder Nibali ist."

(RP)