US-Sportwelt: Megan Rapinoe ist Donald Trumps neue Gegnerin

US-Sportwelt gegen den Präsidenten : Megan Rapinoe ist Trumps neue Gegnerin

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Donald Trump liegt mit dem US-Sport im Clinch. Im Streit mit Fußball-Star Megan Rapinoe trifft der Präsident auf eine Gegnerin, die seine Argumentation aus den Angeln hebt.

Basketball-Superstar LeBron James, Footballer Colin Kaepernick, Basketball-Coach Steve Kerr - die Liste der US-Sportler, die im Clinch mit Donald Trump liegen, ist lang. Während der öffentliche Schlagabtausch mit den oben genannten abgekühlt ist, hat der 73 Jahre alte US-Präsident eine neue Sparringspartnerin gefunden: die lesbische Fußball-Spielerin Megan Rapinoe, die mit den USA den Weltmeistertitel geholt hat.

Nachdem sie bei der Weltmeisterschaft in Frankreich danach gefragt worden war, ob sie nach einem WM-Erfolg das Weiße Haus besuchen würde und darauf geantwortet hatte: „Ich gehe doch nicht ins beschissene Weiße Haus“, nahm das Spiel seinen fast schon gewohnten Lauf. Trump ließ bei Twitter eine Wut-Arie auf sie niederregnen. Sie solle erst einmal gewinnen und dann reden. Ihr Verhalten sei unamerikanisch, sie habe die Flagge missachtet. Der US-Präsident stellt die Sportlerin als Anti-Patriotin dar. So hatte er es schon mit Colin Kaepernick getan, der aus Protest gegen Ungleichbehandlung und Rassismus während der Nationalhymne, die in den großen US-Sportligen vor jedem Spiel gespielt wird, auf die Knie gegangen war. „Hurensöhne“, nannte der Trump den Footballer und jene, die es ihm gleichtaten. LeBron James nannte der Präsident dumm, nachdem der Basketballer ihm vorgeworfen hatte, er heize den Rassismus in den USA an.

Mit der Fußballerin hat Trump eine Gegnerin bekommen, die ihm rednerisch überlegen ist. Gegenwind bekam der Präsident schon vorher, Rapinoe aber pocht auf amerikanische Werte, ihre Botschaft trägt sie professionell vor einem Millionenpublikum vor. Auf die Vorwürfe des Präsidenten antwortete die Fußballerin: „Ich fühle mich extrem amerikanisch.“ Was sei denn bitte amerikanischer als Widerstand, fragt sie. Sie stellt den von Trump proklamierten Patriotismus-Begriff, mit dem er Millionen Wähler an sich gebunden hatte, infrage. Damit schlägt sie den Präsidenten gewissermaßen mit den eigenen Waffen.

In einem Interview mit dem Fernsehsender CNN wandte sich die 34-Jährige nun direkt an die Regierung: „Ich würde sagen, dass Ihre Botschaft mich ausschließt. Sie schließen mich aus, Sie schließen Menschen aus, die wie ich aussehen. Sie schließen auch People of Color aus.“ People of Color ist eine Selbstbezeichnung von Menschen mit Rassismuserfahrungen.

Rapinoe kritisierte auch den Wahlslogan Trumps, den er zum Dogma seines Schaffens erhoben hat: Make America great again, zu Deutsch: Macht Amerika wieder groß. Solche oder ähnliche Statements der Republikaner seien laut Rapinoe ein Zeichen für eine Abkehr von liberalen Werten. Das ist ein starkes Statement, das dem Kern des amerikanischen Selbstverständnisses referiert: Jeder kann werden, was er will, sein, wie er will. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten eben. Kann ein Land, in dem verschiedene Gruppen ausgegrenzt werden, diesem Titel noch gerecht werden? Die Antwort liegt auf der Hand.

Die Fußballerin, die aus einfachen Verhältnissen stammt, zeichnet ein Bild der Vielfalt, für die Amerika wie kein anderes Land der Welt steht. Es sind diese Dinge, die Amerika einmal groß gemacht haben: Freiheit und Vielfalt. Möglichkeiten für jedermann. „Sie müssen es besser machen“, fordert Rapinoe von der Regierung. Als homosexuelle Amerikanerin weiß ich, was es heißt, wenn die Flagge nicht alle deine Freiheiten beschützt", sagt sie.

In den sozialen Medien bekommt die 34-Jährige Zuspruch für ihre Haltung - und auch dafür, dass sie nicht vor einem der mächtigsten Männer der Welt zurückschreckt. Andere Sportler weiß sie schon lange auf ihrer Seite. NFL-Spieler verehren sie, die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton nennt sie ein Vorbild, Fans lassen sich ihr Gesicht als Motiv tätowieren, nach dem WM-Sieg der USA 2015 schnitt es einer in ein Maisfeld. Nach diesem Titel hatte sie das Weiße Haus noch besucht.

Nach Washington wird Rapinoe trotz allem wohl auch in diesem Jahr kommen. Einer Einladung der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, der ranghöchsten Demokratin Nancy Pelosi, ins Kapitol wolle sie folgen. Rapinoe versteht sich als Patriotin. Nur eben nicht im Sinne Trumps.

US-Fußballerin Megan Rapinoe. Foto: USA TODAY Sports/Brad Penner

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir „People of Color“ wörtlich mit „farbige Leute“ übersetzt. Im Deutschen ist „farbig“ jedoch als kolonialistischer Begriff negativ konnotiert. Deshalb haben wir die Formulierung überarbeitet.

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