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NHL: Montreal Canadiens nach 28 Jahren wieder im Stanley-Cup-Finale

Feuerwerk und Tränengas : Canadiens nach 28 Jahren wieder im Stanley-Cup-Finale

Rekordmeister Montreal Canadiens hat das Finale um den Stanley Cup erreicht und will die Trophäe erstmals seit 28 Jahren wieder nach Kanada holen.

Nach 28 langen Jahren mussten die Fans der Montreal Canadiens noch ein bisschen länger warten. Als der Finne Artturi Lehtonen nach 99 Sekunden in der Verlängerung den NHL-Rekordmeister erstmals seit 1993 wieder ins Finale um den Stanley Cup geschossen hatte, brach vor dem Bell Centre das Chaos aus - und die Polizei sperrte die Eishockey-Arena ab.

Die 3500 Anhänger, die auf den Rängen coronakonform mit Masken und mehr oder weniger Abstand den entscheidenden 3:2-Sieg im sechsten Play-off-Halbfinale gegen die Vegas Golden Knights miterlebt hatten, durften die Halle nicht verlassen. Denn draußen explodierte die frankokanadische Metropole regelrecht: Tausende feierten in Ekstase mit Feuerwerk und Gesängen.

Es gab aber auch Krawalle. Ein Polizeiwagen wurde demoliert und umgeworfen, die Bereitschaftspolizei, mit Steinen beworfen, setzte Tränengas ein, Müll wurde angezündet. Diese Szenerie hat in der selbst ernannten Eishockey-Hauptstadt der Welt eine lange Tradition, schon in den 50er Jahren hatte es Ausschreitungen rund um das legendäre Montreal Forum bei Spielen der "Habs" gegeben.

Damals waren die Canadiens noch Abonnementmeister in der NHL. Mittlerweile ist es 28 Jahre her, dass sie den Stanley Cup zum insgesamt 24. Mal gewannen - als letzter kanadischer Klub. Auf der Seite des Gegners stand 1993 noch die Eishockey-Legende Wayne Gretzky auf dem Eis - im Trikot der Los Angeles Kings.

Dass ausgerechnet der Rekordmeister die Chance bekommt, die längste kanadische Titelflaute in der NHL zu beenden, ist eine Sensation. "Unglaublich", sagte Torhüter Carey Price nach dem entscheidenden Sieg, "aber wir haben nie an uns gezweifelt."

Montreal war der krasseste Außenseiter vor Beginn der Play-offs. Nach der Hauptrunde nur auf Platz 18 im Gesamtklassement, erreichte das Team lediglich aufgrund der coronabedingten Neueinteilung der Divisionen die K.o.-Runde - in der von Kritikern als "mit Abstand schwächste" belächelten rein kanadischen Nord-Gruppe.

Zuvor war Trainer Claude Julien wegen Erfolglosigkeit gefeuert worden, der neue Coach Dominique Ducharme erkrankte in den Play-offs, in der ersten Runde fehlte gegen die deutlich höher eingeschätzten Toronto Maple Leafs nur noch eine Niederlage zum frühen Aus.

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Doch die vor 112 Jahren gegründeten Canadiens, ganzer Stolz des frankophonen Kanadas, trotzten allen Widerständen, schalteten nicht nur den alten Rivalen Toronto aus, sondern auch die Winnipeg Jets, die Leon Draisaitl und die Edmonton Oilers rausgeworfen hatten - und jetzt auch noch Vegas, zusammen mit dem Presidents'-Trophy-Sieger Colorado das punktbeste NHL-Team.

Torhüter Price, mit 33 Jahren noch immer einer der besten seiner Zunft, lief in den entscheidenden Spielen zur Bestform auf. Jungstars wie Nick Suzuki (21) und Cole Caufield (20) schossen wichtige Tore. Und plötzlich trägt das Team, dem man es am wenigsten zugetraut hatte, die Hoffnungen der ganzen Nation - den Stanley Cup nach fast drei Jahrzehnten ins Eishockey-Mutterland zurückzuholen.

(ako/sid)