NHL: Dominik Bokk geht zu den St. Louis Blues, Philipp Grubauer verlässt Meister Washington

NHL: Eishockey-Talent Bokk nach St. Louis - Grubauer wechselt

Gerade erst holte Philipp Grubauer mit den Washington Capitals die Meisterschaft in der US-Eishockey-Profiliga NHL - jetzt wechselt er nach Colorado. Für das Top-deutsche Top-Talent Dominik Bokk hat sich beim sogenannten Draft unterdessen ein Traum erfüllt.

In Sachen Lässigkeit muss sich Eishockey-Jungstar Dominik Bokk schon vor Beginn seines Abenteuers NHL bei den St. Louis Blues wohl vor niemandem in der nordamerikanischen Profiliga verstecken. Als die Blues-Bosse in der Draftshow auf der Bühne in Dallas stolz Bokks Namen als ihre Wahl ausriefen, zermalmte der 18 Jahre alte Schweinfurter während der Gratulationen seiner Eltern und seiner neuen Chefs weiter nahezu ungerührt seinen Kaugummi und gab den Coolen.

Dabei war Bokk gerade in einen elitären Kreis aufgestiegen, für den Franken wurde der Herzenswunsch eines jeden Eishockey-Spielers wahr. Erst als fünfter Deutscher wurde der hochveranlagte Flügelstürmer bereits zu Beginn der traditionell-spektakulären Talenteverteilung von einem NHL-Team ausgewählt und darf damit ernsthaft von einer Profilaufbahn in der stärksten Liga der Welt träumen.

"Ein Traum erfüllt sich. Es fühlt sich großartig an. Ich bin sehr gespannt, was jetzt alles geschehen wird", kommentierte Bokk seinen mutmaßlichen Karrieresprung und kündigte eine Feier mit seinen eigens für den Draft aus Deutschland angereisten Eltern an: "Wir gehen erst mal zusammen essen und machen dann eine kleine Party."

In Feierlaune waren auch die Blues. "Wenn man Geschwindigkeit und Technik gepaart mit Esprit mag, wird man diesen Kerl mögen", begründete Blues-Scoutingchef Bill Armstrong die Entscheidung seiner Organisation für den Junioren-Nationalspieler vom schwedischen Erstligisten Växjö Lakers.

Wie stark das Interesse von Armstrong und seinen Kollegen an Bokk nach einem neuerlichen Meeting mit ihrem Objekt der Begierde am Vorabend der Entscheidung war, machte ein Deal der Blues noch nach Beginn des Drafts deutlich: Um möglichst wenigen Konkurrenten noch Zugriff auf Bokk zu lassen, kauften die Blues dem Ligarivalen Toronto Maple Leafs die 25. Stelle in der ersten Runde ab und überließen den Kanadiern neben ihrer ursprünglichen Position 29 auch ihre Wahlmöglichkeit im dritten Durchgang.

Dabei deutet sich für Bokk trotz der nunmehr weit geöffneten NHL-Türen zunächst noch eine Verlängerung seines Engagements in Växjö an. "Klar ist die NHL das Ziel, aber ich will das Ganze nicht übereilen. Ich werde versuchen, mich in der Profi-Mannschaft der Lakers zu etablieren", verriet der Teenager die vorläufige Absprache mit seinem neuen Arbeitgeber.

In Växjö waren die Blues-Späher auch auf den technisch versierten Angreifer aufmerksam geworden. Nachdem Bokk sich vorigen Sommer gegen die Möglichkeit eines Wechsels aus dem Talentschuppen der Kölner Haie nach Nordamerika zu den Prince Albert Raigers entschieden und stattdessen die Offerte der Schweden angenommen hatte, überzeugte der Torschützenkönig der U18-WM 2017 bei den Växjö Juniors und erhielt kurz vor Weihnachten einen Profi-Vertrag bei den Skandinaviern.

Nationaltorhüter Philipp Grubauer geht in die Berge

Durch seine Wahl deutet sich für Bokk eine Bilderbuch-Karriere wie bisher nur für ganz wenige deutsche Profis an. Lediglich Olaf Kölzig (1989/Nr. 19), der heutige Bundestrainer Marco Sturm (1996/21), Marcel Goc (2010/20) und zuletzt Leon Draisaitl (2014/3) waren wie nun auch Bokk bereits in der ersten Runde von NHL-Klubs gedraftet worden.

Unterdessen wird Nationaltorhüter Philipp Grubauer in der kommenden Saison für die Colorado Avalanche auf dem Eis stehen. Die Washington Capitals verkündeten Grubauers Wechsel am Freitag (Ortszeit) kurz vor dem Beginn der alljährlichen Talentziehung. Der 26-jährige Rosenheimer wurde von den Capitals an 112. Stelle im NHL-Draft 2010 ausgewählt und verbrachte die letzten sechs Spielzeiten in der US-Hauptstadt. In der abgelaufenen Saison konnte er als erster deutscher Torhüter und insgesamt vierter deutscher Spieler den Stanley-Cup gewinnen.

Grubauer verbuchte in 35 Einsätzen während der regulären Saison einen Gegentorschnitt von 2,35 und eine Fangquote von 92,3 Prozent sowie drei Shutouts. Neben dem Deutschen sendeten die Capitals Verteidiger Brooks Orpik nach Denver. Nach sechs Jahren als Ersatzmann in Washington hat Grubauer nun die Chance, sich die Stammposition im Tor eines NHL-Teams zu sichern. In der vergangenen Saison war der 30-jährige Russe Semyon Varlamov die Nummer eins im Tor der Avalanche.

(sid/dpa/cbo)
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