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NHL: Dennis Seidenberg über sein Leben im Corona-Hotspot New York

"Sieht ziemlich katastrophal aus" : NHL-Profi Seidenberg und das Leben im Corona-Hotspot New York

Dennis Seidenberg erlebt die Coronakrise in New York aus nächster Nähe. Der frühere Stanley-Cup-Sieger berichtet über den chaotischen Alltag, blickt aber auch bereits auf die sportliche Zukunft.

Die Weltstadt New York stemmt sich verzweifelt gegen das Coronavirus. Auch rund 25 Kilometer östlich von Manhattan, in Garden City, bekommt Dennis Seidenberg die Folgen der Pandemie hautnah zu spüren. "Es sieht ziemlich katastrophal aus, speziell in den Krankenhäusern", berichtete der frühere Eishockey-Nationalspieler und Stanley-Cup-Sieger von 2011 mit den Boston Bruins.

New York - die Stadt, die niemals schläft - wirkt derzeit wie eine Geisterstadt. Und auch in seinem Wohnort steht das Leben still. "Wenn man auf die Straße geht, ist alles leer. Die Geschäfte sind zu, in Restaurants gibt es nur Take away", sagte Seidenberg im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID). Mehr als 50.000 Menschen haben sich in der größten Stadt der USA infiziert, über 1000 sind gestorben.

Der Sport ist in den USA längst zum Erliegen gekommen, darunter auch die Eishockey-Profiliga NHL. Seidenberg überbrückt die seit 12. März anhaltende Zwangspause mit ein paar Runden auf dem Golfplatz, beim Kochen und verbringt viel Zeit mit seinen drei Kindern. "Da heißt es am Morgen zwei Stunden Hausaufgaben machen auf dem iPad", sagte Seidenberg, der sich danach im Garten mit dem Nachwuchs in verschiedensten Sportarten misst.

Nach seinem Karriereende im vergangenen Oktober gehört Seidenberg dem Trainerstab der New York Islanders an und kümmert sich dabei vor allem um die verletzten Spieler. Mit seinen Schützlingen steht er in täglichem Kontakt. Dass die Saison vorzeitig abgebrochen werden könnte, glaubt er nicht.

"Die Liga will am Ende der Saison auf jeden Fall einen Stanley-Cup-Sieger haben. Sie werden alles tun, um irgendwie die Spiele in der regulären Saison und die Play-offs zu Ende zu bringen", sagte der 38-Jährige. Bis in den September hinein könnte laut Überlegungen gespielt werden, meint Seidenberg. Nach einer Pause im Oktober würde die neue Saison dann im November losgehen.

Bevor Corona auch die NHL in Atem hielt, bestimmte vor allem Leon Draisaitl die Schlagzeilen. Der Kölner spielte bei den Edmonton Oilers seine mit Abstand beste Saison und führt souverän die Scorerliste an.

"Wenn man sich die Statistiken anschaut, dann denkt man, das kann kein Deutscher sein", sagte Seidenberg voller Anerkennung und adelte seinen Landsmann weiter: "Es ist unglaublich, einen Deutschen zu haben, der in der NHL so dominiert. Er ist so kreativ, so kraftvoll. Er weiß in jedem Spiel zu dominieren und Punkte zu erzielen."

Mit Freude blickt der frühere Mannheimer Seidenberg auch auf die neue Generation an deutschen Spielern wie Tim Stützle oder John-Jason Peterka (beide 18), die als heiße Kandidaten im diesjährigen Draft gehandelt werden. "Es ist schön, dass junge Spieler mit Qualität nachkommen. Das ist gut für das deutsche Eishockey", sagte er.

(ako/sid)