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NHL: Coronakrise bremst Topscorer Leon Draisaitl aus

NHL-Topscorer : Coronakrise bremst Draisaitls Saison seines Lebens aus

Leon Draisaitl spielte die Saison seines Lebens, bis die Corona-Pandemie auch die NHL stoppte. In Edmonton wartet der Eishockey-Star ungeduldig ab.

Wenn der beste Eishockeyspieler der Welt nicht Eishockey spielen darf, empfindet er vor allem eines: "Es ist langweilig", sagt Leon Draisaitl im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID). Die Corona-Pandemie hat auch den deutschen NHL-Star in Kanada ausgebremst. Häusliche Quarantäne empfiehlt die Liga ihren Profis, nachdem sie vor gut einer Woche den Spielbetrieb eingestellt hat - zunächst vorübergehend.

Kein Training mit den Teamkollegen, kein durchgetakteter Alltag im Flugzeug, Hotel und in der Eishalle - stattdessen: "Fernsehen, mit dem Hund spielen. Irgendwie die Zeit totschlagen." Draisaitl sitzt mit seiner Freundin Celeste in seinem Haus in Edmonton und wartet. Geht die Saison seines Lebens irgendwann weiter? Oder bleibt die Spielzeit, in der erstmals ein Deutscher zum besten Scorer der NHL aufstieg, eine unvollendete?

"Die Saison war sehr positiv - auch für die Mannschaft", sagt Draisaitl, der mit 43 Toren und 67 Vorlagen die Scorerliste mit großem Vorsprung anführt, als wertvollster Spieler der Liga gehandelt wurde und mit den Oilers auf dem besten Weg war, erst zum zweiten Mal in 14 Jahren die Meisterrunde zu erreichen. "Die meiste Zeit waren wir in den Play-off-Plätzen. Edmonton hat so lange die Play-offs verpasst, jetzt stehen wir kurz davor, mal wieder reinzukommen, dann passiert so was. Natürlich wäre es schade, wenn es nicht weitergehen sollte. Aber man kann es nicht ändern."

Am Morgen nach dem 2:4 gegen die Winnipeg Jets am 11. März erhielt Draisaitl wie alle NHL-Profis eine Nachricht aufs Handy: "Geht erstmal nach Hause!" Nach dem ersten Corona-Fall in der Basketballliga NBA verhängte auch die NHL schnell eine Zwangspause. "Natürlich ist es für uns Eishockeyspieler blöd, du willst nichts lieber tun als Eishockeyspielen", sagt Draisaitl: "Aber es war die richtige Entscheidung. Es geht um die Gesundheit der Menschen."

Seither versucht der 24-Jährige, "irgendwie fit zu bleiben", mit Joggen in der Umgebung, Fahrradfahren im Haus. "Keiner weiß, wann und ob es überhaupt wieder losgeht." Wie die hochdotierten NBA-Stars haben auch Draisaitl und Co. "als Mannschaft Geld zusammengelegt" für diejenigen, die in der Arena arbeiten und durch die Spielausfälle besonders betroffen sind.

In Kanada ist die Ausbreitung des Virus mit weniger als 1000 bestätigten Infizierten noch nicht so weit fortgeschritten wie in vielen europäischen Ländern. "Die Ansteckungszahlen sind niedriger, der Höhepunkt ist noch nicht erreicht", sagt Draisaitl. Deshalb sind noch mehr Leute auf den Straßen als etwa in seiner Heimatstadt Köln, wie er aus den täglichen Gesprächen mit seiner Familie weiß.

Doch die Reaktion auf die Krise ist ähnlich: Klopapier "ist auch hier schwer zu kriegen", Hamsterkäufe sind kein typisch deutsches Phänomen, "hier ist es nicht anders." Die Wahrscheinlichkeit, dass er selbst krank wird, ist gering, "aber ältere Leute sind gefährdet", sagt Draisaitl, deshalb hält er sich an die Anweisungen und bleibt zu Hause. Auch wenn es langweilig ist.

(ako/sid)