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Korbinian Holzer: Ein NHL-Spieler kämpft sich zurück

Korbinian Holzer : Ein NHL-Spieler kämpft sich zurück

Lange hatte Eishockeyspieler Korbinian Holzer Angst, Schwächen zu zeigen. Während seiner Verletzungspause hat der Verteidiger gelernt, dass nichts so wichtig ist wie die eigene Gesundheit. Trotzdem schuftet er für sein Comeback.

Es gibt nicht diesen einen Moment, an dem Korbinian Holzer alles festmachen kann. Kein Foul an das er sich erinnert, kein missglückter Schuss, kein Unfall. Irgendwann waren die Schmerzen da. Und sie haben ihn lange begleitet. Fast zwei Jahre hat er sich gequält, getaped, gezwungen immer weiterzumachen, wenn der Körper signalisiert hat, dass es genug ist. Aus sportlichem Ehrgeiz, aus Angst, in der nordamerikanischen Profiliga NHL den Anschluss zu verlieren. Wer dort Schwäche zeigt, ist ganz schnell raus. Das hat er gelernt in den acht Jahren im Wettstreit mit den besten Spielern der Welt. Im vergangenen Sommer ist er wieder auf das Eis gegangen, um sich auf die neue Saison vorzubereiten. Doch diesmal hatte das Handgelenk derart blockiert, dass er nun auch selbst merkte, etwas verändern zu müssen.

Holzer, 30, ist derzeit bei den Anaheim Ducks engagiert. Das Team aus Kalifornien hat ihm die Genehmigung erteilt, sich von einem Spezialisten in Deutschland untersuchen zu lassen. Der Handchirurg war nach den ersten Untersuchungen durchaus beeindruckt, wie es Holzer solange überhaupt geschafft hat, einen Schläger in seiner Hand zu halten. Vermutlich hat er irgendwann ein Trauma an dem Gelenk erlitten. Die Operation ist mittlerweile acht Wochen her, seitdem quält der gebürtige Münchener sich jeden Tag mindestens vier, manchmal acht Stunden in der Reha in der Nähe von Bad Tölz. „Ich weiß noch nicht, wann ich zurück aufs Eis kann“, sagt er. „Man muss Geduld mit sich selbst haben. Aber die Ärzte und Physios sind zufrieden mit mir. Dann bin ich es auch. Es geht voran.“

Korbinian Holzer ist auf dem Eis eine Naturgewalt. Als junger Bursche mit 19 kam er 2007 zur Düsseldorfer EG. Weil der Kader personell ausgedünnt war, bekam der Verteidiger, der aus Bad Tölz kam, sofort die Chance auf Eiszeit in einer Reihe mit Marian Bazany. Ein erfahrener Recke und ein Jungspund. Schon nach den ersten Checks von Holzer war jedem rund um die Brehmstraße klar, dass die DEL schon bald zu klein für ihn werden würde. Ein Jahr zuvor hatte er bei den Toronto Maple Leafs unterschrieben, entschied sich aber dafür, zunächst noch etwas mehr Spielpraxis zu sammeln. In Kanada wurde er zunächst in der zweitklassigen AHL eingesetzt, am 6. November 2010 debütierte er schließlich als erster Deutscher für die Maple Leafs in der NHL.

„Sicher, ich hätte mich noch besser etablieren können“, erzählt er. „Aber es hätte auch viel, viel, viel schlechter laufen können.“ In Toronto hatte er sich mit der Zeit ein gutes Standing verschafft. Doch Profisport in den USA ist ein gigantisches Geschäft mit viel Politik in den Hinterzimmern. Mitten in der Saison wurde er bei einem Tauschgeschäft zu den Anaheim Ducks transferiert. Gefragt wurde er vorher nicht. Die Entscheidung war längst gefallen. „Ich wusste, dass so etwas mal passieren konnte. An mir hat das lange genagt, es hat mich belastet, ich hatte Angst davor, was Trainer und Manager wohl von mir denken könnten. Mögen sie mich? Mache ich alles richtig? Stehe ich auf der Abschussliste?“, erinnert sich der Nationalspieler an die Anfänge. „Ich habe mich davon frei gemacht. Ich genieße das alles, nichts ist für mich selbstverständlich.“

Seine Laufbahn neigt sich langsam dem Ende entgegen. Es gibt schon erste Pläne für die Zeit danach. Mit seiner Freundin Daniela, mit der er die Kinder Emelie und Samuel hat, will er nächstes Jahr in Lenggries ein Haus bauen. „Die Kleine geht in den Kindergarten, wir wollen sie da jetzt nicht schon wieder rausreißen. Jetzt haben andere endlich mal Priorität, die oft zurückstecken mussten“, sagt Holzer. „Sobald ich wieder fit bin, werde ich erst einmal alleine zurück nach Kalifornien. Ich werde mir die Spielpraxis in der AHL zurückholen. Aber die NHL bleibt mein Traum.“

Dafür ist er aber nicht mehr bereit alles zu opfern. Vor allem seine Gesundheit nicht.