Nächste Super-Bowl-Pleite Seuchen-Bilanz von 49ers-Coach Shanahan geht weiter

Las Vegas · Kyle Shanahan hat zum dritten Mal das große Finale der NFL verloren, zum zweiten Mal als Head Coach der San Francisco 49ers. Seine Karriere ist geprägt von bitteren Niederlagen – wie dem größten Comeback der Super-Bowl-Geschichte.

Super Bowl: Die Bilder zum Spiel zwischen den Chiefs und 49ers
85 Bilder

Die Bilder zum Super Bowl zwischen den Chiefs und 49ers

85 Bilder
Foto: dpa/Frank Franklin II

Das Coaching wurde Kyle Shanahan quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater Mike arbeitete von 1975 bis 2013 als Footballtrainer, von 1984 an in der NFL. Mit den Denver Broncos gewann er zwei Super Bowls. Etwas, dass Kyle Shanahan noch gar nicht geschafft hat. In diesem Jahr nimmt er zum dritten Mal Anlauf, mit den San Francisco 49ers steht er im großen Finale der NFL.

Shanahans Coaching-Laufbahn, die 2003 schon im Alter von 23 Jahren begann, ist eine durchaus erfolgreiche, heute gilt er als absolutes Offensiv-Genie und Vorbild für alle, die Offense in der NFL trainieren. Nur zum großen Wurf hat es bisher eben nie gereicht, teilweise scheiterte er auf tragische Weise. So lief es bisher für den heutigen 49ers-Head-Coach in den Play-offs:

Tampa Bay Buccaneers

Als „Offensive Qualitay Control Coach“ steht man in der Hackordnung ganz unten, doch da fängt man als junger Trainer in der NFL eben an. Der Job ist es hauptsächlich, zur Spielvorbereitung Gegner zu analysieren und Statistiken auszuwerten. Von 2004 bis 2005 war Shanahan in dieser Position bei den Buccaneers und in seinem zweiten Jahr erreichte man mit elf Siegen die Play-offs und hatte dort in der ersten Runde ein Heimspiel gegen die Washington Redskins (heute Commanders).

Super Bowl - Diese Teams haben in der NFL die meisten Titel gewonnen
7 Bilder

Die Rekordtitelträger der NFL

7 Bilder
Foto: AP/Ashley Landis

Die Gäste erreichten gerade einmal 120 Yards mit ihrer Offensive, ein sehr niedriger Wert – und der niedrigste, mit dem ein Team jemals ein Play-off-Spiel gewann. Washington setzte sich nämlich mit 17:10 durch, weil die Defense gleich zwei Touchdowns erzielte. Tampas Offensiv-Performance war ebenfalls zum Vergessen. Shanahans Einfluss darauf war aber natürlich nicht besonders groß. Er wurde danach sogar von den Houston Texans als Wide-Receiver-Coach verpflichtet – ein deutlicher Aufstieg.

Washington

Mit den Texans erreichte Shanahan nie die Play-offs. In seiner Zeit dort wurde er aber zum Offensive Coordinator befördert, der zweithöchsten Stellung eines Trainers. Als solcher wechselte er 2010 auch nach Washington und zu seinem Vater, der dort Head Coach wurde. 2012 gelang eine starke Saison mit dem hoffnungsvollen Rookie-Quarterback Robert Griffin III. Der aber verletzte sich schon im Dezember am Knie, wurde in den Play-offs aber dennoch eingesetzt, verletzte sich erneut (diesmal schwer) und Washington schied aus. Der Umgang mit Griffin wurde harsch kritisiert.

Atlanta Falcons

Nach der Saison 2013 feuerte Washington seinen Trainerstab, Kyle Shanahan heuerte daraufhin für ein Jahr bei den Cleveland Browns an. Nach internen Streitigkeiten endete seine Zeit dort schon nach einem Jahr, und er ging zu den Falcons. Im zweiten Jahr in Atlanta ging Shanahans Stern dann so richtig auf. 2016 stellten die Falcons unter seiner Regie die Offensive mit den meisten Punkten, Quarterback Matt Ryan wurde zum wertvollsten Spieler der Saison gewählt. Zudem stürmte man bis in den Super Bowl – doch an den erinnert sich Shanahan gewiss nicht gerne zurück.

Super Bowl: Das waren die legendärsten Momente
Infos

Die dramatischsten Super Bowls der Geschichte

Infos
Foto: AP/Kathy Willens

Mit 28:3 führten die Falcons im dritten Viertel, es sah alles nach einem dominanten Sieg und dem ersten Titel der Franchise-Geschichte aus. Doch dann klappte plötzlich nichts mehr, die New England Patriots mit Tom Brady kamen noch einmal zurück, glichen aus und gewannen schließlich in der Verlängerung – es war das größte Comeback der Super-Bowl-Geschichte .In die Verantwortung genommen wurde auch Shanahan, der in der zweiten Hälfte zu aggressiv geblieben sei, statt vor allem die Uhr zu kontrollieren.

San Francisco 49ers

Nur einen Tag nach der Super-Bowl-Pleite wurde Shanahan in San Francisco als neuer Head Coach vorgestellt. Seine Zeit dort begann holprig: Nach einem Start mit neun Niederlagen am Stück wurde Jimmy Garoppolo per Trade verpflichtet, mit dem ein Umschwung gelang. Früh in der folgenden Saison verletzte sich Garoppolo aber schwer am Knie, und auch die Spielzeit 2018 endete in einer negativen Bilanz.

Super Bowl: Alle Highlights im Video
Infos

Alle Super-Bowl-Highlights im Video

Infos
Foto: AP/Eric Gay

Doch mit der Saison 2019 begann eine erfolgreiche Phase der 49ers, die bis heute anhält. 13 Siege gelangen in der regulären Saison, in den Play-offs setzte man sich zweimal souverän durch und stand im Super Bowl gegen die Kansas City Chiefs. Auch der verlief für Shanahans Team zunächst prächtig, kurz vor dem Ende des dritten Viertels lagen die 49ers mit 20:10 vorne. Doch erneut gab es ein Comeback: Die Chiefs erzielten 21 unbeantwortete Punkte im Schlussviertel und gewannen somit 31:20. Wieder einmal war Shanahan eine Führung im Super Bowl aus der Hand geglitten.

Die Saison 2020 war für die 49ers erneut von Verletzungen geprägt und die Play-offs wurden verpasst. Im folgenden Jahr ging es dann wieder bis ins NFC Championship Game, wo man zu Beginn des Schlussviertels gegen die favorisierten Los Angeles Rams 17:7 vorne lag – um dann noch mit 17:20 zu verlieren. Die Rams gewannen später den Super Bowl.

Auch 2023 standen die 49ers im Championship Game, diesmal waren sie bei den Philadelphia Eagles zu Gast. Dort war man aber chancenlos aufgrund wegen der Quarterback-Situation: Rookie Brock Purdy, ohnehin schon der dritte Quarterback der Saison, der aber starke Leistungen gezeigt hatte, verletzte sich an seinem Wurfarm. Ihn ersetzte die Nummer vier Josh Johnson, der sich dann wiederum verletzte und nicht mehr weitermachen konnte. Purdy quälte sich nochmal zurück ins Spiel, doch etwas bewirken konnte er verletzt nicht. Zum zweiten Mal in Folge schied San Francisco kurz vorm Ziel aus.

2024 schafften die 49ers dann mal wieder die Hürde Championship Game und erreichten den Super Bowl. Der Gegner: wie 2020 die Chiefs. Und wieder führte man mit zehn Punkten, nämlich 10:0 im zweiten Viertel. Und wieder reichte es nicht – nach Verlängerung unterlag San Francisco mit 22:25. Es war Shanahans dritte Super-Bowl-Pleite. In allen Endspielen hatte er mit seinen Teams geführt und die Partien spät hergegeben.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort