NFL im deutschen Fernsehen Was RTL besser macht als Prosieben – und was trotzdem nervt

Meinung | Düsseldorf · Mit dem Super Bowl schließt RTL seine erste NFL-Saison als übertragender TV-Sender in Deutschland ab. Im Gegensatz zum Vorgänger Prosieben wurden einige Dinge verbessert. Was aber nach wie vor nervt – und wer.

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Foto: AFP/ANGELA WEISS

Die erste Saison mit der NFL auf RTL neigt sich dem Ende zu, nur noch der Super Bowl steht an. NFL-Deutschland-Chef Alexander Steinforth hat gegenüber der Deutschen Presse-Agentur schon mal ein erstes Fazit gezogen: „Wir haben zum Beispiel jetzt bei den Play-off-Spielen bis zu 1,5, 1,6 Millionen Leute vorm Fernseher gehabt, mit Einschaltquoten in unserer Kernzielgruppe von bis zu 25 Prozent. Das sind superstarke Werte. Wir sind da sehr, sehr zufrieden, RTL auch.“

Obwohl der Aufschrei bei Fans der vorherigen Prosieben-Übertragungen zunächst groß war, sind sie also offenbar doch zu RTL gewechselt. So wie viele der alten Kommentatoren natürlich, womit das zusammenhängen dürfte. Patrick Esume hatte nach dem Super Bowl vor einem Jahr noch angekündigt, dass es das für ihn erst einmal war mit dem Fernsehen. Einen Tag später ruderte er in seinem Podcast zurück, zur neuen Saison saß er dann bei RTL und kommentierte weiter, ebenso Björn Werner und Jan Stecker zum Beispiel.

„The Last Dance“ bei Prosieben

Das kam nicht bei jedem gut an. Denn das Gehabe in dieser letzten Prosieben-Saison war schlicht anstrengend. Nachdem klar war, dass die NFL-Rechte zu RTL wechseln, schien man ein wenig bockig zu sein. Vor allem aber glorifizierte man sich selbst als die Entdecker und Großmacher des Footballs in Deutschland. Die letzte Saison wurde wie „The Last Dance“ der Chicago Bulls dargestellt. Ohne die Verdienste Prosiebens für den Wachstum der NFL in Deutschland schmälern zu wollen: das war eine Stufe drüber. Die Kommentatoren waren inzwischen selbst zu den Stars der Übertragungen geworden und kosteten das voll aus. Würde es bei RTL nun so weiter gehen?

Glücklicherweise nicht. Schon bei der ersten Übertragung fiel das auf: Die Hoodies von Esume, Werner & Co. wurden durch Anzüge ausgetauscht. Mit der formellen Kleidung wich auch das manchmal selbstdarstellerische Gehabe etwas, der Fokus rückte mehr auf den Sport. Und das hat die Übertragungen deutlich besser gemacht, als sie es bei Prosieben waren. Denn dass die nötige Expertise vorhanden ist, steht ja außer Frage. Dann muss jeder nur noch für sich selbst entscheiden, ob er die Art und Weise des Kommentierens von Esume, Frank Buschmann und Co. mag oder nicht.

Wobei man an dieser Stelle die eine oder andere Ausnahme machen muss: Den Einsatz von Jan Stecker als Kommentator zum Beispiel sollte RTL mal überdenken. Alleine die Übertragung des Championship Games zwischen den San Francisco 49ers und Detroit Lions reicht, um viele Argumente dagegen zu sammeln.

Es beginnt mit schlechter Vorbereitung, weil grundsätzlich erst einmal die Nummern der Spieler genannt werden. Namen sind offenbar kaum bekannt ohne sie nachzulesen. Und selbst dann werden die Akteure auch noch ständig verwechselt. Zudem kann es sich Stecker wohl grundsätzlich nicht verkneifen, irgendeine männliche Bemerkung in Richtung der Cheerleader zu machen, wenn sie im Hintergrund des von der Seitenlinie berichtenden Markus Kuhn stehen.

Touchdown? Welcher Touchdown?

Der Tiefpunkt war aber schon früh im genannten Spiel erreicht, als die Lions einen Touchdown erzielten und Stecker das einfach nicht mitbekam. Mehr als eine halbe Minute lang erzählte er etwas von einem First Down tief in der gegnerischen Hälfte, während die Lions-Spieler bereits feierten. Es gibt sicher eine Erklärung dafür, gerade als Sportreporter fallen einem zahlreiche Gründe ein. Doch wenn man live im Fernsehen kommentiert, darf das nicht passieren. Vor allem die Anzahl der sich ständig wiederholenden Fehler ist ein Problem.

Das holt dann auch die Neulinge nicht mehr wirklich ab, für die die Übertragungen im Free-TV auch gemacht werden. Dass das Spiel an sich also ständig noch erklärt wird, ist logisch und definitiv kein Kritikpunkt. Und unter diesem Gesichtspunkt ist es auch verständlich, dass mit Adrian Franke einer der größten NFL-Experten Deutschlands nur bei RTL+ stattfindet; da ist wohl einfach zu viel Tiefgang vorhanden, zu dem das durchschnittliche Publikum vielleicht noch nicht bereit ist.

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Foto: dpa, CA hpl

Hier stellt sich die Frage, an welchem Punkt man die NFL als derartig etabliert sieht, dass auch tiefergehende Analysen mit Fachbegriffen möglich sind. Bisher versucht man Anglizismen merklich zu vermeiden. Was mitunter auch mal lustig weil gar nicht so einfach ist: Expertin Nadine Nurasyid probierte neulich den Begriff „Under Center“, bei der der Quarterback direkt hinter seinem Center steht und den Ball durch dessen Beine hindurch entgegen nimmt, zu erklären und sagte: „Also am Hintern seines Centers. Da fühlt sich Jared Goff (Quarterback der Detroit Lions, Anm.d.Red.) am Wohlsten.“

Fans bringen einen Mehrwert

Für die grundsätzliche Herangehensweise darf man RTL ein Lob aussprechen. Es wurde angekündigt, die Fans stark mit einzubinden – und man hat Wort gehalten. Regelmäßig kommen in der Radioshow oder sogar in den Live-Übertragungen Fans der NFL-Teams zu Wort, die zum Beispiel in großen Fanklubs organisiert sind, eigene Podcasts haben oder ähnliches. Also welche, die sich wirklich intensiv mit ihren Teams beschäftigten und einen echten Mehrwert bringen. Das ist deutlich besser als es zuletzt Prosieben machte, wo man gefühlt nur Snack-Stadien und Gruppenfotos aus irgendwelchen Wohnzimmern aus der Community geliefert bekam.

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Foto: AFP/PATRICK T. FALLON

Auch ansonsten gibt es interessante Inhalte wie Dokumentationen, eine Highlight-Show, ein Format für Kinder oder das wöchentliche Magazin „NFL Sideline“. Hier scheint Stecker als Moderator besser aufgehoben denn als Kommentator, an seiner Seite ist stets Nurasyid, die zum Beispiel spannende Analysen einzelner Spielzüge einbringt. Neben Nurasyid sind mit Jana Wosnitza und Mona Stevens weitere Frauen im Team, die zeigen, das Football keine reine Männersache ist.

Festzuhalten ist: Bei RTL liegt der Fokus im Fernsehen in erster Linie auf dem Sport und weniger auf sich selbst, das alleine ist schon ein Pluspunkt. Über die eine oder andere Besetzung kann man diskutieren, subjektiv sowieso, aber auch objektiv. Doch unter dem Strich wurden viele gute Sachen angestoßen. Da kann man dann auch mal über Shows wie „Promi-Touchdown“ oder „American Ice Football“ hinwegsehen. Es ist und bleibt eben RTL.

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