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Super Bowl 2022: Warum das NFL-Finale zum Einschlafen war - Kommentar

Spektakel ohne Spektakel : Warum der Super Bowl 2022 zum Einschlafen war

Ja, das NFL-Finale zwischen den Los Angeles Rams und den Cincinnati Bengals hatte so seine Momente. Doch ist es das, was man am nächsten Tag über eine der größten und am meisten gehypten Sportveranstaltungen der Welt lesen will?

Es ist 1.30 Uhr, da werden die Augenlider zum ersten Mal schwer. Und das liegt in erster Linie nicht an der fortgeschrittenen Uhrzeit in der Nacht auf Montag, sondern daran, dass es kaum etwas gibt, wofür sich das Wachbleiben lohnt. Dabei hat der erprobte Football-Fan wie immer etwas vorgeschlafen, um den hoffentlich spektakulären Super Bowl 2022 in voller Länge genießen zu können. Doch das Spektakel bleibt aus. Das NFL-Finale wird dem traditionellen Hype in diesem Jahr nicht gerecht.

Wer nicht schon vorher auf der Couch eingeschlafen ist, der erlebt die wohl beste Phase des Super Bowl kurz nach der Halbzeitpause. Der Underdog, die Cincinnati Bengals, liegt gegen den Favoriten Los Angeles Rams mit 10:13 zurück. Doch dann drehen die Bengals um Quarterback Joe Burrow in nicht einmal fünf Minuten das Spiel. Ein Touchdown, eine Interception und ein Field Goal mit insgesamt zehn Punkten später, liegen sie plötzlich mit 20:13 in Führung. Diese kurze, aber heftige Phase wirkt wie ein Versprechen auf eine bessere und spannende zweite Halbzeit. Doch das Spiel kann dieses Versprechen nicht halten. Es ist nur ein kurzes Aufflackern von spielerischem Spektakel, danach wird der Super Bowl wieder zur müden Veranstaltung.

Super Bowl 2022: LA Rams gewinnen gegen die Cincinnati Bengals

Daran ändert auch nichts, dass Rams-Passempfänger und Super-Bowl-MVP Cooper Kupp 85 Sekunden vor Schluss den entscheidenden Ball zum Touchdown fängt und Los Angeles damit letztlich zum 23:20-Sieg verhilft. Fußball-Fans, die hier mitlesen, könnten jetzt denken: Mann, war das knapp – hört sich doch sehr spannend an. Im American Football sind 85 Sekunden Spielzeit, unterbrochen durch Läufe ins Aus und Time Outs, aber eine Ewigkeit – und können für ein Team, das es bis in den Super Bowl geschafft hat, locker reichen, um noch einmal selbst zu punkten. Cincinnati gelingt das aber nicht. Und so endet der Super Bowl, statt mit einer dramatischen Schlussphase, mit einem missglückten Spielzug an der Mittellinie.

Weitere Höhepunkte, sofern man denn intensiv nach ihnen sucht, sind schnell erzählt. Ein Bengals-Spieler läuft zum Jubel mit den Teamkollegen in Badelatschen aufs Feld und verursacht durch diese kuriose Aktion eine unnötige Strafe. Überraschungsgast und Rapper 50 Cent hängt in der Halbzeit-Show kopfüber von der Decke. Rams-Star Odell Beckham Junior muss mit einer Knieverletzung ausgewechselt werden.

Ansonsten fiel der Super Bowl 2022 eher in die Kategorie „stets bemüht“. Es gab wenige „Big Plays“, dafür viel Schwarzbrot-Arbeit. Nichts gegen gutes, solides Schwarzbrot. Aber für die US-Amerikaner und Football-Fans weltweit ist ihr NFL-Finale eher so etwas wie ein Ein-Meter-Sandwich, belegt mit Salat, Bacon, Schinken und allen weiteren erdenklichen Fleisch- und Wurstsorten – natürlich mit doppelt Käse überbacken. Und danach schmeckte dieser Super Bowl 2022 gewiss nicht.

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Übrigens ganz im Gegensatz zu den vielversprechenden Play-offs in den vergangenen Wochen. Man könnte sagen, dass die Play-offs in diesem Jahr der wahre Super Bowl waren. Denn da war alles drin: Knappe Spiele. Viele Punkte. Verrückte Aufholjagden. Verlängerungen. Entscheidungen in letzter Sekunde. Spektakuläre Aktionen. Es waren solche Spiele, nach denen Football-Fans am Montagmorgen übermüdet ins Büro kommen und sagen: „Hast du das gestern gesehen? Nein? Da hast du vielleicht was verpasst...“ Nach dem Super Bowl dürfte die Frage vielerorts eine andere sein: „Und, wie hast du es geschafft, wach zu bleiben?“

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