NFL: Minnesota Vikings winkt Super Bowl 2018 im eigenen Stadion

Nach irrem Finale gegen New Orleans : Vikings winkt Super Bowl im Wohnzimmer

Die Minnesota Vikings haben in der Football-Profiliga NFL auf den letzten Drücker das Play-off-Halbfinale erreicht. Gelingt ein weiterer Sieg, treten die Vikings als erstes Team im eigenen Stadion zum Super Bowl an.

Aufgeben war für Stefon Diggs keine Option. "Ich höre nicht auf zu spielen, bis nur noch Nullen auf der Uhr stehen", sagte der Wide Receiver der Minnesota Vikings nach dem Highlight seiner bisherigen Football-Karriere. Mit einem sensationellen Touchdown in allerletzter Sekunde hat der flinke 24-Jährige dafür gesorgt, dass die Chance der Vikings lebt, als erstes NFL-Team zu Hause zum Super Bowl anzutreten.

Am 4. Februar wird der Champion im U.S. Bank Stadium von Minneapolis gekürt. Es ist das Traumziel aller Vikings, doch es sah am Sonntagabend im Viertelfinale gegen die New Orleans Saints schwer danach aus, als würde es auch diesmal der Gastgeber nicht ins Finale schaffen - doch dann kam Diggs.

Zehn Sekunden blieben Minnesota, um das Schicksal nach mehreren Führungswechseln erneut zu wenden. Es stand 23:24, ein letzter Versuch, eine letzte Aktion war möglich. Und es klappte. Mit dem Aus vor Augen, entschied sich Quarterback Case Keenum für die Passvariante "Hail Mary", einen hohen Verzweiflungswurf, Diggs fing den Ball nach einem Flug über 61 Yards und trug ihn in die Endzone.

"Wir werden dauernd abgeschrieben. Niemand glaubt, dass wir es schaffen können," sagte Diggs nach dem Sieg trotzig: "Jeder dachte, es ist vorbei." So siegessicher wie der Passempfänger war aber längst nicht jeder. Keenum konnte sein Glück kaum fassen. "Oh mein Gott", sagte der Spielmacher nach dem "Big Play" und schlug ungläubig die Hände über dem Kopf zusammen.

Minnesota fehlt nur noch ein Sieg bis zum Einzug in den 52. Super Bowl. Am Sonntag geht es - wieder zu Hause - gegen die Philadelphia Eagles, die den Vorjahresfinalisten Atlanta Falcons ausschalteten (15:10). Was über Jahrzehnte nicht gelang, ist zum Greifen nahe. Seit 1977 standen die Vikings nicht mehr im Super Bowl.

"Ich kann das nicht erklären. Wir waren wirklich verzweifelt", sagte Keenum und lobte Diggs für den Fang seines Lebens. "Ich weiß noch immer nicht, was passiert ist. Es ist Verrückt. Mir fehlen die Worte."

Diggs, der seit seinem NFL-Debüt in der Saison 2015/16 für die Vikings spielt, war der Mann des Tages. Aber natürlich gab es auch einen großen Verlierer. Marcus Williams, Gegenspieler des Receivers, reagierte viel zu spät und hatte so keine Chance mehr, das Unheil zu verhindern. Mit seinem verspäteten Tackle erwischte er zu allem Überfluss noch Teamkollege Ken Crawley, der Diggs vielleicht noch hätte einholen können. "Der Ball war in der Luft, aber ich bin nicht hingegangen", sagte der in Tränen aufgelöste Safety und nahm alle Schuld auf sich.

Wieder nur Zuschauer bei den Saints, die sich nach einem 0:17-Rückstand zurückkämpften und 25 Sekunden vor Schluss für das 24:23 sorgten, war Kasim Edebali. Der Linebacker aus Hamburg gehörte wie schon in der Vorwoche nicht zum Kader des NFL-Champions von 2010. Für die nächste Saison hat der 28-Jährige noch keinen Vertrag in der Tasche.

Minnesota steht erstmals seit 2010 in den Conference Championships, damals setzte es eine Pleite gegen den späteren Meister New Orleans. Diesmal lief es andersherum, Vikings-Trainer Mike Zimmer war total begeistert. "Das war ein fantastisches Spiel, oder?", sagte der Coach: "Und die Guten haben gewonnen."

(sid)
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