NBA Finals 2019: Rapper Drake macht die Liga verrückt

Rapper Drake : Rapper Drake ist der erste Ultra der NBA

Die Toronto Raptors können als erstes kanadisches Team die Meisterschaft in der NBA gewinnen. Die andere große Geschichte der Saison ist die Liebe von Rapper Drake zu dem Team aus seiner Heimatstadt.

Das Wappentier der Toronto Raptors hat einen niedlichen Freund bekommen. Am Trainingszentrum des einzigen NBA-Teams aus Kanada hängt neuerdings eine Eule, neben der die Buchstaben stehen, die in Nordamerika wirklich jeder kennt, der jünger als 35 ist und sich für einigermaßen hip hält: OVO heißt das Label von Rapper Drake. Der Dino und die Eule an der Fassade des „OVO Atheltic Centres“ stehen für eine in der Sportwelt einzigartige Symbiose: die zwischen den Raptors und dem Rapper.

Drake ist glühender Fan des Teams seiner Heimatstadt. Die Spiele sieht er aus der ersten Reihe. Er hat dort einen Platz nur wenige Meter entfernt von der Bank. Ab und an gehen mit dem Rapper die Pferde durch; im Guten wie im Schlechten. Mal verhöhnt er Gegner, mal verpasst er während des Spiels Coach Nick Nurse eine kleine Nackenmassage. Auch bei Instagram tut Drake, was Rapper eben ausmacht. Er beleidigt Kontrahenten, postet vor wichtigen Spielen Bilder von Gegnern, stellt sie bloß, macht sich über deren Outfits lustig. Man darf das gemein finden.

Drake versucht, in die Köpfe der Gegner zu kommen, damit Teams, die nach Kanada kommen, mehr als nur die Raptors als Gegner haben. Wegen seiner Eskapaden dachte die NBA schon darüber nach, den 32-Jährigen zu bestrafen. Letztlich blieb es bei einer Verwarnung. Die Raptors wiederum wissen, was sie an dem Musiker haben. Er ist weit mehr als bloß ein Sponsor. Er ist der erste Botschafter des Klubs.

Als Drake, mit bürgerlichem Namen Aubrey Drake Graham, in Toronto geboren wurde, gab es die Raptors noch gar nicht. 1995 kam die NBA darauf, nach Kanada zu expandieren. Zwei Teams wurden neu geschaffen, die Vancouver Grizzlies und eben die Raptors. Zwar hatte die Liga große Lust auf Kanada - und vor allem auf das Geld, das auf dem Markt zu verdienen war - die Spieler allerdings mieden den Norden. So verließen früher oder später alle Stars Kanada, neue hingegen fanden die Teams nicht. Die Grizzlies gaben nach sechs Jahren ohne Zuschauer und nennenswerten Erfolg auf und zogen nach Memphis um, wo sie noch immer Spielen. Die Raptors hielten länger durch, so richtig angekommen sind sie in der NBA aber erst seitdem Rapper Drake, ein Superstar, der auf der ganzen Welt Arenen füllt, die Franchise aus seiner Heimatstadt hip machte. Plötzlich hatte das Team, das die Profis langweilte, einen Fan, der mit seiner Musik in jeder Halle zu hören war, den die Profis anhimmelten, dessen Texte sie auswendig konnten. Und der kam aus Toronto? Dann konnte es dort ja nicht so übel sein. Nach und nach nahm der 32-Jährige mehr Einfluss. Mal gab er Interviews am Spielfeldrand, mal sagte er die Aufstellung seiner Mannschaft an. Es macht schon was her, wenn das ein Mann tut, der mit seinen Worten die Massen elektrisiert. Die Raptors machten sich die Eigenschaften ihres Edelfans zunutze. Aus der langweiligen Franchise außerhalb der USA wurde eine freche, hippe, ungezügelte und stolze Organisation, wie die Amerikaner ihre Teams auch nennen.

Der sagenhafte Aufschwung der Franchise aus Ontario hat in diesem Jahr seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die Raptors stehen in den Finals. Ihnen fehlt bei maximal noch zwei ausstehenden Spielen noch ein Sieg. Kanada würde zum ersten Mal die Larry-O’Brien-Trophy gewinnen. Die Menschen im Land spielen schon die ganzen Play-offs über verrückt. Ob in Toronto, Halifax oder Mississauga: Im ganzen Land verfolgen Fans die Spiele bei Public Viewings. So etwas kannte die NBA noch nicht. In den USA sehen die Fans die Spiele entweder in der Arena, aber viel lieber noch von der Couch aus. Das Eishockey-Land Kanada ist im Basketball-Rausch. Hätte man das Anfang der 1990er in einem Friseur-Salon in Ontario erzählt, wäre das wohl ungefähr so aufgefasst worden wie die Vermutung, dass es irgendwann mal Smartphones geben würde, mit denen man ins Internet gehen kann. Mit einem Telefon. Ins Internet!

Drake wiederum hat in der laufenden Play-off-Serie alles dafür gegeben, dass sein Team am Ende feiern darf, auch wenn den Menschen außerhalb Torontos sein Gehabe allmählich auf die Nerven geht. "Ich weiß nicht, wie oft er auf dem Feld ist", sagte etwa der Coach des Halbfinal-Gegners der Raptors, Mike Budenholzer von den Milwaukee Bucks. Einer der netteren Kommentare.

Bei einem Spiel in der Scotia-Bank-Arena lief Drake als Provokation mit dem Trikot von Dell Curry auf, der früher mal für Toronto spielte. Man muss dazu wissen: Dell ist der Vater von Stephen Curry, vielleicht der wichtigste Spieler im Dress des Final-Gegners Golden State Warriors und zweimaliger MVP. Drake soll das Trikot, das extrem selten ist, irgendwo in Kalifornien gefunden haben. Genauer: Ein Bekannter eines Bekannten seines Stylisten soll es irgendwo ausgegraben haben. All diese Mühen für die große Show bei dem Team aus seiner Heimat. Seine Botschaft hat gesessen: Nur wir zählen.

Wie riesig der Einfluss des Rappers auf die NBA ist, konnte die Welt 2017 beobachten. Drake war Gastgeber der NBA-Awards in New York. An diesem Abend spottet er über den absoluten Superstar des Basketballs, LeBron James, der seit Jahren gegen sein schwindendes Haupthaar kämpft, er legt sich sogar mit dem ganzen Plenum an: „Ich war noch nie in einem Raum mit so vielen Männern, die sich mal an meine Ex-Freundin rangemacht haben“, sagt er. Raunen geht durch den Raum. „You are some dirty dogs, man!“ Und so weiter. Die NBA hat lange erkannt, welche Marketing-Macht „Drizzy“ für den Basketball ist. Deswegen schaut die Liga - noch - weg, wenn mit dem Rapper wieder ein Gaul durchgeht.