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NBA: Dallas Mavericks müssen US-Hymne wieder abspielen

NBA spricht Machtwort : Dallas Mavericks müssen US-Hymne wieder abspielen

Die Dallas Mavericks mussten zurückrudern, vor dem Spiel gegen die Atlanta Hawks lief die US-Nationalhymne nach einem NBA-Machtwort wieder in ihrer Halle. Klubboss Mark Cuban zeigte Verständnis, ganz glücklich ist er nicht.

Auf dem riesigen Videowürfel wehte eine animierte US-Flagge, aus der Boxenanlage im American Airlines Center ertönte die Nationalhymne, während Spieler und Zuschauer schweigend standen - so wie früher. Die Stummschaltung von "The Star-Spangled Banner" bei den Dallas Mavericks, initiiert von Klubboss Mark Cuban, ist vom Tisch. Die NBA hat ein Machtwort gesprochen und die Revolution im Keim erstickt.

Zwar hatte die Franchise schon seit Saisonbeginn die US-Hymne nicht mehr abgespielt. Doch nach Cubans öffentlicher Ankündigung, vor den Basketballspielen auch künftig darauf verzichten zu wollen, sah sich die Liga zum Handeln gezwungen. Trotz Kehrtwende ist es dem meinungsstarken Macher Cuban dennoch wieder gelungen, ein Zeichen zu setzen.

"Wir haben immer die Leidenschaft respektiert, die die Menschen für die Hymne und unser Land haben", wurde Cuban vor dem Spiel gegen die Atlanta Hawks in einem NBA-Statement zitiert. Darin wurde auch klargestellt, dass alle Klubs getreu der Ligapolitik die Hymne laufen lassen werden, weil ja schließlich die Fans "wieder in die Hallen zurückkehren".

Bislang waren wegen Corona keine oder nur wenige Zuschauer zugelassen. Auch deshalb blieb es weitgehend unbemerkt, dass Dallas den Stecker gezogen hatte. Am Dienstag (Ortszeit) durften bei den Mavs erstmals wieder Fans in die Halle, gegen Atlanta waren 1000 da. Die NBA reagierte, um größere Diskussionen zu verhindern.

Cuban wird nicht so einfach klein beigeben. Er will zeigen, dass im Land etwas nicht stimmt, dass es weiter Rassismus und Ungleichbehandlung gibt. "Wir hören auch die lauten Stimmen derer, die das Gefühl haben, dass die Hymne sie nicht repräsentiert", betonte der Milliardär in der NBA-Mitteilung. Diese müssten aber "respektiert und gehört werden". Die Menschen sollten in der Debatte "künftig dieselbe Leidenschaft und Energie einsetzen, um denen zuzuhören, die anders fühlen als sie".

Überliefert ist, dass in den USA erstmals 1862, während des Bürgerkriegs, eine Hymne vor einer Sportveranstaltung abgespielt wurde. Während der beiden Weltkriege wurde der patriotische Akt zur Normalität, heute ist er Standard - und bietet immer eine gute Gelegenheit, seinem Ärger über das Land Luft zu machen.

Unvergessen sind die Sprinter Tommie Smith und John Carlos mit ihrem Black-Power-Gruß bei der Siegerehrung während der Olympischen Spiele 1968. Später wirbelte Footballstar Colin Kaepernick in der NFL Staub auf, weil er während der Hymne kniete - aus Protest gegen Polizeigewalt und Rassendiskriminierung. Im vergangenen Jahr kam das unter anderem nach dem durch Polizeigewalt verschuldeten Tod von George Floyd häufiger vor.

Die Amerikaner, ihre Fahne und ihre Hymne - ein heikles Thema. Es geht um Stolz, um Respekt oder eben angeblich fehlenden Respekt. So lautet die Kritik. "Das hat nichts mit Respektlosigkeit zu tun. Die Spieler wollen zeigen, was in ihren Herzen vorgeht", hat Cuban einmal gesagt.

Mavericks-Profi Willie Cauley-Stein weiß diese Haltung zu schätzen. Für Cuban sei die NBA eben "nicht nur ein Business". Trainer Rick Carlisle sagte vor dem 118:117 gegen Atlanta zur Hymnendebatte: "Es war Marks Entscheidung. Da ist er standhaft."

(stja/sid)