1. Sport
  2. US-Sport
  3. NBA

Michael Jordans NBA-Rückkehr 1995: Die Mutter aller Comebacks

Michael Jordans Rückkehr zum Basketball : Die Mutter aller Comebacks

Vor 25 Jahren kehrte Michael Jordan aus der sportlichen Frührente zurück zu den Chicago Bulls. Die Sensations-Nachricht nach anderthalb Jahren Pause fasste er in anderthalb Worte. Dies ist die Geschichte hinter dem legendären Telefax.

Eigentlich hatte Alyson Sadofsky frei, doch der 18. März 1995 sollte der stressigste Tag ihres Lebens werden. Die Sprecherin der Spielerberatung FAME ahnte nicht, dass quasi die Fortsetzung einer Pressemitteilung anstand, die sie acht Tage zuvor versendet hatte. Inhalt damals: einer ihrer Kunden hatte seine Baseball-Karriere beendet, nach nur einer einzigen Saison beim unterklassigen Team Birmingham Barons in Alabama. Die Mitteilung umfasste acht Absätze; dabei war der Spieler nicht besonders gut. Ganze drei Homeruns waren ihm gelungen.

Nun verlangte dieser Sportler erneut ihre Dienste. Er hieß Michael Jeffrey Jordan. Und es zog ihn zurück in den Sport, in dem er die Chicago Bulls zu drei Meisterschaften hintereinander geführt hatte und die USA zu Olympia-Gold. Mit seiner einzigartigen Mischung aus Athletik und Arroganz, Killerinstinkt und Charisma hatte „Air“ Jordan den Basketball ganz neu definiert und war selbst zum ersten globalen Popstar unter den Sportlern geworden. Doch das war mehr Fluch als Segen; Mitte 2003 hatte Jordan hingeschmissen, gestresst von der dauernden Medienaufmerksamkeit. Er brauchte Abstand vom Sport und dem Zirkus drumherum, und Zeit zu trauern um seinen Vater, der von Kriminellen ermordet worden war. Und er suchte eine neue Herausforderung, die er im Baseball gefunden zu haben glaubte, zumal das auch der Wunsch seines Vaters gewesen war.

Bis heute halten sich hartnäckig Gerüchte, dass Jordans Auszeit vielmehr eine Zwangspause gewesen sei, angeordnet von der NBA als Strafe für das Glücksspielproblem, das er nachweislich hatte. Doch Indizien dafür wurden nie präsentiert.

Fehlgeschlagenes Experiment: 1994 versuchte sich Michael Jordan im Baseball – erfolglos. Foto: imago sportfotodienst/Foto: imago

Am 18. März 1995 jedenfalls brannte Jordan auf ein Comeback. Schon am nächsten Tag wollte er wieder spielen.

Von alledem ahnte Alyson Sadofsky nichts, als sie an jenem Samstagmorgen unter die Dusche stieg. Doch als sie wieder herauskam, hatte sie sieben Nachrichten auf ihrem Anrufbeantworter. Allesamt von ihrem Chef, dem heute legendären Spielerberater David Falk. „Normalerweise schrie David nicht herum, aber damals schrie er: ‚Ich brauche dich im Büro, jetzt sofort‘“, erinnert sich Sadofsky. Dort angekommen, diktierte er ihr den Text von Jordan, was nicht lange dauerte. Denn der Perfektionist hatte, unzufrieden mit mehreren Entwürfen seines Agenten, sein Comeback höchstselbst in ein formvollendetes Schreiben gefasst, ganz im Geiste des Philosophen Blaise Pascal („Hätte ich mehr Zeit gehabt, wäre mein Text kürzer geworden“). Jordans Werk ist in seiner schnörkellosen Brillanz zeitlos elegant. Es lautet in Gänze: „I’m back.“

Diesen Text tippte Sadofsky hinter den üblichen Einleitungssatz voller Formalien. Doch damit begann die Arbeit erst. Denn die E-Mail war noch nicht erfunden – und mit dem technologischen Wunderwerk Telefax war an einen Massenversand nicht zu denken. Deshalb sendete sie dasselbe Fax dutzende von Malen an Sportredaktionen in den USA und aller Welt – jeweils mit einer Art Anschreiben, allesamt verfasst mit der Schreibmaschine, erinnert sie sich. Rund zwei Stunden habe das gedauert.

Aufs Wesentliche reduziert: Das vielleicht berühmteste Fax der Weltgeschichte. Foto: Foto: NBA.com

„Heute würde ich stattdessen einen Tweet absetzen. Dann wäre die Nachricht in der Welt, in Sekundenschnelle. Ohne Fahrt ins Büro, ohne Briefkopf, ohne Anschreiben, ohne seltsame Faxgeräusche. Einfach nur diese berühmten Worte.“

Am nächsten Abend stand Jordan in der Startaufstellung der Chicago Bulls. In dieser Partie gegen die Indiana Pacers traf er nur jeden vierten Wurf. Doch im Schlussspurt jener Saison führte er sein Team bis in die Halbfinal-Serie der NBA.

Und in den Jahren 1996 bis 1998 führte er die Chicago Bulls noch einmal zu drei Meisterschaften in Folge. Nach diesem nie wieder erreichten Kunststück ging er endgültig in Rente. (Genau genommen wagte Jordan 2001 ein zweites Comeback. Doch das ging so gnadenlos in die Hose, dass sich die Sportwelt darauf einigte, die zwei Saisons für das Kellerteam Washington Wizards aus dem kollektiven Gedächtnis zu streichen.)