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Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks hoffen auf das Chandler-Duo

Dallas greift mit neuem Kader an : Nowitzkis Mavericks hoffen auf die Chandler-Connection

Dirk Nowitzki hat auf viel Geld verzichtet, um nochmal oben mitspielen zu können. Die Dallas Mavericks haben sich über den Sommer punktuell verstärkt, die großen Fische im NBA-Becken hatten aber andere an der Angel. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf der neuen Chandler-Connection.

Der beste deutsche Basketballer aller Zeiten hat wohl noch eine bis zwei gute Saisons im NBA-Tank. Mit nun 36 Jahren befindet sich Nowitzki langsam, aber sicher im dritten Frühling seiner Karriere. Klar ist: Ein achter Platz und ein Erstrunden-Aus in den NBA-Play-offs wie in der vergangenen Saison sind für die Dallas Mavericks unterm Strich zu wenig — erst Recht für einen ehrgeizigen Sportler wie Nowitzki.

Umso engagierter sollten also die Aktivitäten der Texaner in der sogenannten Off-Season, der Zeit zwischen alter und neuer Saison, ausfallen. Mavericks-Besitzer Mark Cuban ließ Carmelo Anthony nach Dallas einfliegen und suchte Kontakt zum Agenten von LeBron James — die zwei begehrtesten Spieler im diesjährigen Transfer-Sommer. Beide hörten sich die Pläne der Mavericks an und entschieden sich dann relativ schnell für andere Teams.

James zog es zurück in seine alte Heimat Cleveland, Anthony unterschrieb einen neuen Vertrag bei seinem bisherigen Arbeitgeber New York Knicks. Bei Dallas haben solche Körbe fast schon Traditon: Vor zwei Jahren buhlte man vergeblich um Aufbau Deron Williams, im vergangen Jahr biss man sich an Center-Hüne Dwight Howard die Zähne aus.

Kein Anthony, kein LeBron: kein Problem

Nichtsdestotrotz haben die Dallas Mavericks bisher ordentliche Arbeit geleistet. Statt großer Verpflichtungen orientierte man sich in Dallas eine Etage tiefer und holte einige kleinere Nummern. Möglich wurde dies unter anderem auch dadurch, dass Nowitzki auf eine ordentliche Summe Geld verzichtet hat. Der Deutsche unterschrieb ein Arbeitspapier zum Discount-Preis: einen Drei-Jahres-Vertrag über 25 Millionen Dollar.

Statt 22,7 Millionen Dollar wie in der vergangenen Saison verdient Nowitzki in der kommenden Spielzeit acht Millionen Dollar, ist damit nur noch der viertbestbezahlte Spieler im Mavs-Trikot (zum Vergleich: Tyson Chandler verdient 2014/2015 mehr als 14,5 Millionen Dollar). Bei Teams wie den Los Angeles Lakers hätte Nowitzki deutlich mehr Geld verdienen können, doch Nowitzki lehnte jegliche Gespräche mit anderen Mannschaften ab. Der gebürtige Würzburger fühlt sich auch mit dem geringer dotiereten Vertrag "respektiert", wie er jüngst in einem Interview erklärte. Jim Pagels von Forbes schreibt, dass Nowitzki mit diesem Vertrag am meisten Geld in der NBA-Geschichte hat liegenlassen. Aber: Durch Nowitzkis Verzicht hatten die Texaner mehr finanziellen Spielraum für neue Spieler.

The money @swish41 left on the table itself is more than all but the largest of NBA contracts. http://t.co/j4lbWREXRp pic.twitter.com/aPffS2THnF

2011-Flashback

Den Anfang machte ein alter Bekannter. Tyson Chandler ist zurück in Dallas. Der Center, der einer der großen Stützpfeiler in Dallas' Meisterteam von 2011 war, kam in einem Sechs-Mann-Trade mit New York nach Dallas. Er soll mit seiner knochenharten Defensive die schwache Abwehr stärken. Er ist einer der wenigen "Rim-Protectors" der Liga, also ein Spieler, der den eigenen Korb effektiv beschützen kann.

Viele Fans jubelten nach der Verpflichtung auf, doch die Investition in Chandler ist mit Risiko verbunden. Der Center legte in der vergangenen Saison seine bisher schlechtesten Statistiken auf und fiel knapp 30 Spiele aufgrund von Verletzungen aus. Bleibt der 31-Jährige jedoch fit, ist er eine große Verstärkung für die Texaner — vor allem im Vergleich zu Samuel Dalembert, der nun im Gegenzug im Big Apple spielt.

Drei Mann für die Aufbauposition

Eben genannter Trade spülte auch Raymond Felton nach Dallas. Der Routinier wird sich zusammen mit Jameer Nelson, der aus Orlando nach Dallas kam, und Devin Harris die Aufbauposition teilen. Diese drei müssen den Abgang von Stammaufbauspieler Jose Calderon kompensieren, der ebenfalls nach New York abgegeben wurde. Keine leichte Aufgabe, Felton war zuletzt mit Gewichtsproblemen, seiner Scheidung und juristischen Auseinandersetzungen beschäftigt, Nelson hatte in der abgelaufenen Saison katastrophale Wurfquoten in Orlando.

Die Mavs werden vor allem Calderons sicheres Händchen und Spielmacherqualitäten vermissen. Ebenso wie den sicheren Wurf von Altmeister Vince Carter. In den Play-offs hatte Carter sein Können noch einmal aufblitzen lassen. Nach dessen Abgang zu den Memphis Grizzlies klaffte eine Lücke auf der Small-Forward-Position.

Geschlossen wurde die mit dem zweiten Baustein der Chandler-Connection. Neben Tyson Chandler war die Verpflichtung von Chandler Parsons (25) der Königstransfer für Dallas. Der 2,06 Meter große Parsons vom Texas-Konkurreten Houston spielt auf der Small-Forward-Position und wird neben Nowitzki starten. Als Ersatz für Allrounder Parsons haben die Mavericks Al Farouq Aminu aus New Orleans geholt — einen guten Verteidiger und Rebounder.

Dazu soll auch Routinier Richard Jefferson von der Bank für entlastendes Scoring und Würfe aus der Distanz von der Flügelposition sorgen. Dies wird auch nötig sein, da sich Shawn Marion wohl in Richtung Cleveland verabschieden wird. Neu ist auch Ersatzcenter Greg Smith von den Chicago Bulls. Er soll Chandler Verschnaufpausen verschaffen.

Carlisle: "Wir sind optimistisch"

Dallas-Coach Rick Carlisle zeigte sich von seinem bisherigen Kader angetan: "Ich bin sehr zufrieden mit der Off-Season. Wir sind sehr optimistisch und freuen uns auf den Herbst." Donnie Nelson, General Manager der Mavericks, träumt schon von den ganz großen Erfolgen "Wir bauen das hier alles jedes Jahr für einen Lauf in die Finals. Dafür sind wir dabei."

Das dürfte allerdings schwierig werden. Zwar sind die Mavericks jünger und tiefer besetzt als in der vergangenen Saison und durch die Verpflichtung von Tyson Chandler ist die Defensive deutlich stärker als zuletzt. Jedoch stellen die Abgänge von Carter, Marion und Calderon ebenfalls herbe Verluste dar. Vor allem auf der Aufbauposition könnten die Mavs im Laufe der Saison Probleme bekommen.

Nach einer 49-33-Bilanz in 2013/2014 sollten in der kommenden Spielzeit wieder mehr als 50 Siege im starken Westen drin sein. Für die großen Hausnummern wie den Meister San Antonio Spurs oder Oklahoma City Thunder wird es wohl wieder nicht reichen.

(rpo)