Dirk Nowitzki erreicht die Top Ten der NBA-Scorer

Dirk Nowitzki entert die Top Ten: Der Mann aus dem "Kaff bei Würzburg" schreibt NBA-Geschichte

Dirk Nowitzki hat einen weiteren Meilenstein seiner NBA-Karriere erreicht. Der Würzburger gehört ab sofort zu den zehn erfolgreichsten Schützen in der NBA-Geschichte. Nun sind auch die Play-offs zum Greifen nah.

Das letzte Viertel in der Basketball-Arena von Salt Lake City läuft seit 14 Sekunden, als Dirk Nowitzki zum historischen Sprungwurf ansetzt. Tausende dieser Jump-Shots hat der gebürtige Würzburger in seiner Karriere verwandelt — der Treffer bei den Utah Jazz wird dem Superstar der Dallas Mavericks jedoch ewig in Erinnerung bleiben. Mit 26.714 Punkten gehört Nowitzki ab sofort zum elitären Kreis der zehn erfolgreichsten Schützen in der ruhmreichen Geschichte der NBA.

"Es ist absolut surreal", sagte der 35-Jährige über seine Gefühlslage, nachdem er Oscar "Big O" Robertson in der Bestenliste der nordamerikanischen Profiliga überholt hatte. "An Big O vorbeizuziehen und zu wissen, nur neun Spieler in der Geschichte dieser Liga haben besser getroffen als ich — das ist schon verrückt, gerade wenn man bedenkt, wo ich herkomme: Aus einem kleinen Kaff bei Würzburg in Deutschland", sagte Nowitzki.

Aus dem schmächtigen Franken, der vor 16 Jahren, am 5. Februar 1999 sein NBA-Debüt unter dem Spitznamen "German Wunderkind" gefeiert hatte, ist längst eine lebende NBA-Legende geworden. "Big D" steht seit mehr als einem Jahrzehnt für konstante Leistungen auf Weltklasse-Niveau — auch in dieser Saison fehlen Anführer Nowitzki und seinen Mavs nur noch zwei Siege, um sicher für die Play-offs qualifiziert zu sein.

Nach dem 95:83 gegen Utah - Nowitzki steuerte als Top-Scorer 21 Punkte zum sechsten Auswärtssieg nacheinander bei — liegt Dallas (48 Siege, 31 Niederlagen) auf Platz sieben im Westen. Drei Spiele hat der Champion von 2011 in der regulären Spielzeit noch zu bestreiten, nur die Phoenix Suns (46/31) oder die Memphis Grizzlies (45/32) können den Mavericks die Teilnahme an der Endrunde streitig machen. Der Erfolg in Utah, so wichtig er für Nowitzkis Ambitionen in dieser Saison auch war, rückte allerdings angesichts seines historischen Treffers in den Hintergrund.

Gleich zweimal richtete Nowitzki nach seinem Sprungwurf im letzten Viertel den Blick in Richtung Videowürfel, als müsse er sich vergewissern, dass er es tatsächlich geschafft hatte. "Ich wusste, wie viele Punkte ich benötigte, aber ich habe versucht, nicht daran zu denken", gab Nowitzki später zu. Ganz anders sein Trainer Rick Carlisle: Der Mavs-Coach platzte an der Seitenlinie förmlich vor Stolz. Nach dem Match fand er salbungsvolle Worte für Nowitzkis Meilenstein.

"Ich bin jetzt seit 30 Jahren in der NBA — und dieser Moment ist einer der ganz wenigen, in denen ich wirklich Ehrfurcht vor einer Leistung verspüre", sagte Carlisle: "Die Luft unter den Top-10 der besten Schützen aller Zeiten ist ziemlich dünn." Sie reicht derzeit nur für einen weiteren Superstar unter allen aktiven NBA-Spielern: Kobe Bryant. Die Vereinsikone der Los Angeles Lakers liegt auf Platz vier (31.700 Punkte) der Rekordliste, die von Kareem Abdul-Jabbar (38.387) angeführt wird.

Für Nowitzki soll Platz zehn noch längst nicht das Ende seiner Erfolgsgeschichte bedeuten. "Ich hoffe, ich habe noch ein paar gute Jahre in mir. Mal sehen, wo ich dann stehe", sagte er. Coach Carlisle ist sicher, dass sein Schützling "noch einige Leute vor ihm fressen" wird: "Er ist ein Original. So einer wie er kommt nur alle 25 Jahre einmal."

(sid)
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