Dirk Nowitzki: Die schlimmsten Niederlagen in seiner Karriere

Verloren, betrogen, versagt : Die schlimmsten Niederlagen von Dirk Nowitzki

NBA-Champion, Sportsmann, Vorbild – Dirk Nowitzki tritt ab als Held aller Klassen. Doch es gab auch ganz andere Zeiten. Wir erinnern an fünf seiner schwersten Momente.

Den Dreh des Dokumentarfilms “Der perfekte Wurf” sei er entspannt angegangen, sagte Dirk Nowitzki zur Kino-Premiere 2014, böse Erinnerungen hin oder her: “Das ist alles gelebtes Leben." Letztlich seien es doch die Brüche, die eine Biografie erst richtig interessant machten. Im Nachhinein lässt sich das leicht sagen, zu ihrer Zeit aber hatten vor allem fünf Erlebnisse als Tiefschläge gewirkt.


2001: Bittere EM-Niederlage gegen die Türkei

Nowitzki führt die Nationalmannschaft zu WM-Bronze 2002 und EM-Silber 2005, doch davor und danach hagelt es Enttäuschungen. Die wohl schlimmste ereignet sich am 8.September 2001 im EM-Halbfinale gegen den Gastgeber Türkei. Deutschland liegt mit drei Punkten vorn, das Spiel läuft nur noch vier Sekunden. Damit der Gegner nicht per Dreipunktewurf ausgleichen kann, begeht man in dieser Situation ein taktisches Foul. Deutschland aber verzichtet im Hexenkessel von Istanbul darauf – und zahlt dafür einen hohen Preis: Lokalmatador Hidayet Türkoglu punktet in den letzten Sekunden der regulären Spielzeit und auch in der Verlängerung. Nowitzki bleibt unter seinen Möglichkeiten und fliegt schließlich sogar vom Platz. Anstatt im Finale landet die Nationalmannschaft auf dem undankbaren Platz vier.


2005: Steuerhinterziehungs-Affäre

In der NBA-Sommerpause 2005 macht Nowitzki keinen Urlaub, sondern trainiert für die EM in Serbien und Montenegro. Ungewohnterweise ohne seinen Mentor und Privattrainer – denn Holger Geschwindner sitzt in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: Geschwindner habe seine Einkünfte in Millionenhöhe aus seiner Tätigkeit als Nowitzkis Quasi-Agent nicht versteuert. Wochenlang bleibt er in U-Haft, bis Nowitzki eine Kaution in Höhe von 15 Millionen Euro hinterlegt. Sportlich gibt es im Sommer 2005 mit EM-Silber und der EM-MVP-Trophäe für Nowitzki ein Happy End. Geschwindner jedoch wird im Oktober 2006 verurteilt, zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 50.000 Euro.

2006: Schmerzhafte Final-Niederlage in der NBA

Nach sensationellen Siegen in den Playoff-Serien gegen San Antonio und Phoenix stehen die Dallas Mavericks erstmals überhaupt im NBA-Finale. Dort gewinnen sie die ersten beiden Spiele gegen Miami und führen wenige Minuten vor Schluss der dritten Partie mit 13 Punkten. Doch Miami dreht das Spiel und die komplette Serie. Der Verlauf der Finalserie ist alles andere als unumstritten: So bekommt Miamis Superstar Dwyane Wade insgesamt 97 (!) Freiwürfe zugesprochen. Doch im kollektiven Gedächtnis bleibt hängen, dass Nowitzki ein Verlierer sei. Ein Loser.


2007: Historische Pleite zur Unzeit

Auf die Final-Pleite reagieren Nowitzki und die Mavericks zunächst bärenstark – die reguläre Saison 2007 gewinnen sie mit einer extrem guten Bilanz von 67:15 Spielen und gehen als Topfavorit in die erste Playoff-Runde. Dort aber verlieren sie hochnotpeinlich gegen die damals schwach besetzten Golden State Warriors. Im letzten Spiel der Serie trifft Nowitzki nur zwei von 13 Würfen. Bereits am 3. Mai sind die Playoffs für Dallas vorbei. Dass Nowitzki einige Tage später mit dem MVP-Pokal für den wertvollsten Spieler der Liga ausgezeichnet wird, lädt viele Journalisten zu Hohn und Spott ein. Nowitzki ist am sportlichen Tiefpunkt. Er sei zu weich, lautet das allgemeine Urteil, ihm fehle die “Killer-Mentalität”.

2009: Opfer einer Heiratsschwindlerin

FBI-Agenten stürmen Nowitzkis Villa in Dallas und verhaften seine damalige Verlobte Cristal Taylor wegen Betrugs und Urkundenfälschung. Die Heiratsschwindlerin hatte langen Atem bewiesen: Drei Jahre lang habe er mit Taylor nur per E-Mail, SMS und Telefon Kontakt gehabt, sagt Nowitzki später. Später dann hätten sie getroffen, an Silvester 2008 schließlich verlobt, die Hochzeit hätte im Sommer 2009 stattfinden sollen. Dann stößt ein Privatdetektiv auf offene Haftbefehle. Taylor muss für fünf Jahre ins Gefängnis. Nowitzki beantragt vorsichtshalber das alleinige Sorgerecht für das angebliche ungeborene Kind seiner Ex-Verlobten. Doch auch diese Schwangerschaft stellt sich als erlogen heraus.

Ab 2011: Ende gut, alles gut

2011 ist all das vergessen: Nowitzki und die Mavericks nehmen Revanche an den Miami Heat: Bei der Wiederauflage des Finalduells von 2006 gegen einen deutlich verstärkten Gegner um den weltbesten Spieler LeBron James wächst der Würzburger über sich hinaus und gewinnt den ersehnten NBA-Titel. Seitdem gilt er auch in den USA als absoluter Champion. Die mentale Stärke zieht er aus der Beziehung zu der Galeristin Jessica Olsson, die er 2012 auch heiratet. Heute hat das Paar drei gemeinsame Kinder.

Mehr von RP ONLINE