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Coronavirus: NBA sagt Spiele ab - Beispiel für Olympia und Fußball

Coronavirus im Sport : NBA-Absage ist Fingerzeig für den Fußball in Europa

In den USA ist die NBA-Saison vorerst ausgesetzt, nachdem sich ein Spieler mit dem Coronavirus infiziert hat. Zuvor hatte die Basketball-Liga tagelang mit einer Entscheidung gerungen, auch nur Zuschauer auszuschließen. Ein mahnendes Beispiel für den Fußball in Europa.

Rudy Gobert strich nochmal demonstrativ mit beiden Händen über die Mikrofone und Aufnahmegeräte der Journalisten, dann verließ er lachend den Pressekonferenzraum. Der französische Basketball-Star wollte demonstrieren: So ernst ist das mit dem Coronavirus schon nicht, alles entspannt. Zwei Tage später wurde 27-Jährige, der für das NBA-Team Utah Jazz aufläuft, positiv auf das Virus getestet. Gobert hatte sich zuvor für das Auswärtsspiel seiner Mannschaft in Oklahoma krank abgemeldet.

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Als der positive Test bekannt wurde, standen seine Mitspieler gerade auf dem Spielfeld und bereiteten sich für die Partie vor. Wenige Minuten vor Spielbeginn kam Unruhe auf, die Spieler wurden in die Kabinen zurückbeordert, eine halbe Stunde später war das Spiel abgesagt, wenige Stunden später die gesamte NBA-Saison bis auf weiteres ausgesetzt.

Tagelang hatten die Liga-Präsident Adam Silver und die Besitzer der 30 Teams über Maßnahmen gegen das Coronavirus beraten, wurden sich aber genauso lange nicht einig über Zuschauerausschlüsse, Spielabsagen oder Ähnliches. Mutmaßlich aus zwei Gründen: Die Teams erwirtschafteten vergangene Saison weit über sechs Milliarden Euro, die aktuelle Spielzeit geht langsam auf den Höhepunkt zu, die Playoffs. Zuschauerausschlüsse oder gar Spielabsagen kosten Geld – die Teams und nicht zuletzt die Spieler, deren Gehalt oftmals an die Zahl der gespielten Partien gekoppelt ist.

Hinzu kommt, dass Stars wie Lebron James noch vor einigen Tagen kündigten, nicht in menschenleeren Arenen spielen zu wollen. „Spiele ohne Fans? Das ist unmöglich“, sagte der aktuell wohl beste Basketballer Welt. „Wenn ich in eine Arena komme und da sind keine Fans, werde ich nicht spielen.“ Erst am Mittwoch ruderte er schließlich zurück.

Doch nun wird dem selbsternannten „König James“ diese Entscheidung ohnehin abgenommen. In der Nacht zum Donnerstag entschieden Liga und die Mehrheit der Besitzer, die Saison vorerst zu stoppen. Eine gute, die einzig richtige Entscheidung. Neben Gobert hat sich bereits mindestens ein weiterer Spieler mit dem Virus infiziert. Eine andere Entscheidung hätte nicht nur die Spieler und deren berufliches wie privates Umfeld in Gefahr gebracht, sondern auch die Tausenden von Fans auf den Rängen – und deren Umfeld. Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Fans zählen mehr als Pokale und Statistiken. Die Akteure, die Menschen gilt es zu schützen – egal ob im Basketball, Eishockey oder Fußball.

Daher ist die Entscheidung der NBA gleichzeitig auch ein Fingerzeig für Europa. Die internationalen Basketball-Wettbewerbe sind auch hier mittlerweile ausgesetzt sind. Doch der europäische Fußballverband UEFA und fast alle nationalen Fußballligen glauben scheinbar bislang, durch Zuschauerausschlüsse die Lage im Griff behalten zu können. Für Absagen oder Verschiebungen ist keine Zeit, schließlich wartet im Sommer eine Europameisterschaft. „The Show must go on“, wie die Amerikaner sagen – doch selbst die haben eingesehen, dass der Alltag manchmal nicht weitergehen kann. Dass der Sport-Kapitalismus nicht über der menschlichen Gesundheit stehen darf.

Dem Sport in Europa sollte die NBA-Entscheidung daher ein Vorbild sein. Ligen und Verbände sollten entschieden handeln. Und zwar nicht, wie im Falle der NBA, wenn erst etwas passiert ist. Sondern jetzt.

Der Sport nimmt eine Vorbildfunktion für die Gesellschaft für sich in Anspruch, deshalb ist klar: Olympia, Europameisterschaft, Champions League, Bundesliga - sagt alles ab, bis sich die Lage beruhigt, bis die Kurve der Neuinfizierungen merklich abnimmt. Nicht zuletzt das rheinische Derby in Mönchengladbach und auch das Geisterspiel von Dortmund in Paris haben bewiesen, dass Sportevents ohne Fans auf den Rängen ohnehin freudlose Veranstaltungen sind.